Kulturhaus im BGZ. Foto: Kulturhaus
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Zwangspause auch für das Kulturhaus Süderelbe – ein Interview mit Leiterin Marketta Eksymä-Winkelmann

Von Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd

Die Corona-Pandemie hat das kulturelle Leben im Hamburger Süden komplett lahmgelegt. Wie verkraftet das Kulturhaus Süderelbe die monatelange Zwangspause? Im Wochenblatt-Interview nimmt Leiterin Marketta Eksymä-Winkelmann Stellung.

Was macht ein Veranstaltungs- und Kulturzentrum wie das Kulturhaus, wenn wochenlang keine Veranstaltungen durchgeführt werden können? Nach heutigem Stand bleibt das Kulturhaus bis 30. Juni zu. Alle Veranstaltungen sind abgesagt. Auch unser 40-jähriges Jubiläum mit großem Fest, das am 5. Juni im Rahmen des BGZ Sommerfestes geplant war, muss verschoben werden.

Für alle Veranstaltungen im Kulturhaus und JoLa suchen wir Ersatztermine. Die Koordination der diesjährigen Kulturtage Süderelbe im Herbst steht an. Nach der Umorganisation Kunst- und Projektgruppen, gibt es derzeit einiges die Arbeitssituation von freien Mitarbeitern und Honorarkräften betreffend zu klären.
Bereits vor der Corona-Zeit haben auch im Kulturhaus Planungen für ein virtuelles Kulturhaus begonnen: Außer dem derzeitigen Aufbau eines Youtube-
Kanals sind Livestream-Veranstaltungen zur Ergänzung des Programms im Gespräch.
Wir nutzen die Zeit auch für Arbeiten, die im normalen Betrieb leicht mal liegen bleiben. Für Abrechnungen, Protokolle und sonstige Berichte, die wir an die Behörde erstellen und liefern müssen. Auch die Steuererklärung des Kulturhauses ist auf der To Do-Liste.
Die Küchen-Umbau-Arbeiten im neuen JoLa konnten beendet werden und das gesamte Team nutzt die Zeit auch für Aufräumarbeiten im Haus.
Wir sind ein kleines Team mit zwei Vollzeitkräften, das schon im normalen Betrieb viel im Kulturhaus-Alltag zu meistern hat, es ist eine gute Zeit, um Überstunden abzubauen und Urlaubstage zu nehmen.

Gerät das Kulturhaus wegen der fehlenden Einnahmen jetzt in finanzielle Schwierigkeiten? Wieviel Geld fehlt in der Kasse? Das Kulturhaus Süderelbe ist eines der 28 institutionell geförderten Stadtteilkulturzentren in Hamburg und bekommt jährliche Zuwendungen der Stadt für Fixkosten wie Miete und Gehälter. Veranstaltungskosten wie Gagen und Honorare kann das Kulturhaus in Normalfall über Veranstaltungseinnahmen decken.
Derzeit haben wir rund 25 Freiberufler im Kurs- und Projektbereich beschäftigt. Wir können heute nicht sagen, wie viel in der Kasse durch den Wegfall der Eigeneinnahmen fehlen wird – es hängt auch davon ab, wie lange die Krisensituation anhält.

Wie lange kann das Kulturhaus unter den jetzigen Bedingungen durchhalten? Es wurde uns behördlicherseits versichert, dass die Zuwendungen trotz der Krisensituation erhalten bleiben. Somit sind wir in einer verhältnismäßig glücklichen Situation im Vergleich zu vielen anderen Einrichtungen, die akut in ihrer Existenz bedroht sind.

Kann das Kulturhaus von einem Soforthilfeprogramm des Bundes oder der Stadt Zuschüsse bekommen? Ja, die Kulturbehörde hat speziell für den Bedarf in der Kultur ein Hilfspaket in Millionenhöhe bereitgestellt und zusätzliche Förderung speziell für die Stadtteilkultur aus dem Hilfs-paket zugesagt. So können Stadtteilkulturhäuser wie das Kulturhaus Süderelbe möglichst gut über die Zeit der Schließung kommen. Die Stadtteilkulturarbeit fördert Zusammenhalt, Solidarität und kulturelle Teilhabe vor Ort und ist in den heutigen Zeiten wichtiger denn je.

Haben Sie für die Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt oder wird weiterhin regulär gearbeitet? Wir sind im Büro montags bis freitags ab 10 bis 16 Uhr und sind per E-Mail oder per Telefon zu erreichen. Viele Arbeiten erledigen wir im Homeoffice, über Mail- und Cloud-Zugang oder in Telefonaten.

Rechnen Sie damit, vor der Sommerpause wieder zu öffnen? Nein.

Marketta Eksymä-Winkelmann im Homeoffice. Foto: pr

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