Bald Vergangenheit? S-Bahn und Fernverkehr auf der Verbindungsbahn. Foto: ms
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Vorschlag des Verkehrsministeriums findet Anklang, aber passt das mit dem Fernbahnhof Diebsteich zusammen?

Von Mateo Schneider, Hamburg

Die ersten Reaktionen auf die Pläne des Verkehrsministeriums waren durchweg positiv. Mit der Verlagerung des öffentlichen Nahverkehrs in einen Tunnel zwischen dem Hauptbahnhof und dem am Diebsteich geplanten neuen Fernbahnhof soll ein Befreiungsschlag zur Lösung der Verkehrsprobleme Hamburgs gelingen.

„Der Bund hat dieses Problem nun erkannt (. . .) und eine interessante Lösung vorgeschlagen“, hatte etwa der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Ole Thorben Buschhüter gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“ erklärt.

Ein Tunnel mit drei neuen Haltestellen am Stephansplatz, am Schlump und am Doormannsweg. Die vier Gleise der Verbindungsbahn zwischen Altona und Hauptbahnhof wären zukünftig dem Fernverkehr vorbehalten.

Am Dammtor und im Hauptbahnhof würden zwei zusätzliche Gleise für den Fernverkehr frei. Auch der CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering schlug in dieselbe Kerbe: „Wir brauchen jetzt diesen großen Wurf, um den weiter steigenden Fahrgastzahlen im Schienenverkehr gerecht zu werden.“

Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die gute Idee als eine mit Fallstricken. Die Verbindungsbahn ist mit allen U- und S-Bahnlinien Hamburgs verknüpft, eine Verwirklichung hätte Auswirkungen auf nahezu sämtliche Planungen zur Neu-Organisierung des Verkehrs in der näheren Metropolregion.

„Die Realisierung des Tunnels erzwingt eine komplette Abkehr von der bisherigen Planung des Bahnhofs Diebsteich“, ist Michael Jung von der Verkehrsinitiative „Prellbock Altona“ überzeugt. Dort solle ein „strukturell viel zu kleiner“ Bahnhof nach Plänen aus 2013 errichtet werden. „Damit verbaut sich Hamburg seine Zukunft sowohl im S-Bahn-als auch im Fernverkehr.“

Stattdessen fordert die Initiative „ein sofortiges Moratorium (einen Aufschub, Anm.d.Red.) bis Mitte 2021 für alle Projekte, die vom Tunnel tangiert werden.“ Die Initiative, die für den Verbleib des Fernbahnhofs in Altona kämpft, fordert ein einheitliches Verkehrskonzept für ganz Hamburg, das neben den Projekten U4, S32 und S4 auch die Wiedereinführung der Straßenbahn umfasst.

Für Heike Sudmann, die verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke ist klar: „Wer mehr Platz für Züge schaffen will, braucht den heutigen Bahnhof Altona mit seinen großen Gleiskapazitäten. Der geplante neue Bahnhof Diebsteich ist dafür viel zu klein.“

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