Jetzt dürfen wieder mehr Geschäfte öffnen. Foto: André Lenthe Fotografie
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Corona-Pandemie: Geschäfte unter 800 Quadratmetern Verkaufsfläche dürfen
wieder öffnen, Schulunterricht startet Schritt für Schritt. Ab 27. April Maskenpflicht beim Einkaufen und in Bussen und Bahnen

Von Olaf Zimmermann, Hamburg

Die Ausbreitung des Coronavirus’ verlangsamt sich. Ein Erfolg der strengen Coronaregeln, die die allermeisten Hamburger befolgt haben. Jetzt geht es in kleinen Schritten zurück zur Normalität. „Der Spielraum ist sehr, sehr klein“, warnt Bürgermeister Peter Tschentscher, „wir dürfen nicht zu viel riskieren.“

Seit Montag dürfen Einzelhandelsgeschäfte mit einer Verkaufsfläche bis 800 Quadratmetern öffnen. Ebenso größere Geschäfte, wenn sie die Verkaufsflächen auf 800 Quadratmeter begrenzen.

Weitere wichtige Neuerung: Ab Montag, 27. April, gilt eine Maskenpflicht in allen Geschäften, auf den Wochenmärkten und in U- und S-Bahnen sowie in Bussen. Beim Mund- und Nasenschutz muss es sich nicht um Masken mit Feinstaubfilter handeln, die insbesondere in Apotheken erhältlich sind, sondern es können auch selbst genähte Stoffmasken sein sein. Selbst gehäkelte Schals seien zwar formal zulässig, doch sie würden bei lockerem Material wahrscheinlich eine eher geringe Schutzwirkung haben.

Weiterhin gelten wie bisher die Öffnungen beim Einzelhandel für Lebensmittel, Wochenmärkte (nur Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs), Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken- und Sparkassen, Poststellen, Reinigungen, Waschsalons, Zeitungsverkauf, Bau- und Gartenbaubedarfsmärkte, Tierbedarfsmärkte, Großhandel, Dienstleistungs- (zum Beispiel Reisebüros) und Handwerksbetriebe, soweit dies nicht gesondert eingeschränkt ist.
Auch Hamburgs Schulen werden nach und nach ihre Türen wieder öffnen. Ab dem 27. April werden Schüler der Abschlussklassen in den Schulen auf ihre Prüfungen vorbereitet. Das gilt für die Klassenstufen neun, zehn und 13 der Stadtteilschulen, die Klassenstufen zehn und 12 der Gymnasien sowie die Abschlussklassen der Berufsbildenden Schulen.

Eine Woche später, ab dem 4. Mai, beginnt reduzierter Unterricht für die Klassen vier der Grundschulen, die Klassenstufen sechs und elf der Gymnasien und die Klassen zwölf der Stadtteilschulen. Das komplette Unterrichtsangebot müssen die Schulen erst nach den Maiferien aufgebaut haben.

Bleibt die Gefahr, dass sich Kinder in der Schule infizieren und dann ihre Eltern anstecken. Sabine Boeddinghaus, schulpolitische Sprecherin der Linken in der Bürgerschaft, warnt: „Die Sicherstellung aller notwendigen Hygiene- und Schutzmaßnahmen in jeder Schule ist aus meiner Sicht unbedingte Voraussetzung für die Öffnung der Schulen. Die Verantwortung hierfür trägt allein der Senator, nicht die Schüler und ihre Eltern.“
„Damit sich niemand infiziert, werden alle Klassen in kleine und strikt getrennte Lerngruppen aufgeteilt. Diese Lerngruppen bekommen dann intensiveren, aber in der Stundenzahl reduzierten Unterricht, der durch Fernunterricht zu Hause ergänzt wird“, heißt es in einer Mitteilung der Schulbehörde. Gruppenarbeit und Gruppentische sind verboten. Die Lerngruppen sind nicht gleichzeitig auf dem Schulhof, sie haben gestaffelte Pausenzeiten.

Um für eine nach der Lockerung der Schutzmaßnahmen erwartete Zunahme der Infektionen gewappnet zu sein, hat die Kassenärztliche Vereinigung jetzt zehn „Infektpraxen“ eingerichtet – speziell für Patienten mit Erkältungsbeschwerden und Corona-Verdacht. Diese sind über die gesamte Stadt verteilt. Die Infektpraxen werden eingerichtet in Hausarzt- oder HNO-Praxen, die ihren „Normalbetrieb“ dafür auf ein Minimum herunterfahren. Die Infektpraxen sollen Patienten aufsuchen, die keinen Hausarzt haben oder deren Hausarzt die Behandlung infektiöser Patienten ablehnt. Termine für Infektpraxen werden über die Hotline Tel. 22 802-930 vergeben.

 

Was bleibt geschlossen?

Weiterhin geschlossen bleiben vorerst Restaurants, Museen, Kneipen, Spielplätze (!), Hagenbecks Tierpark, alle Sportanlagen.

 

Hier gibt es Infos

Arztruf Hamburg: Tel. 116 117
Diese Nummer kann jeder anrufen, der krank ist und Kontakt zu einem Arzt haben möchte – natürlich auch diejenigen, die Husten oder Erkältungssymptome aufweisen.
Wichtig: Mit Husten oder Erkältungsanzeichen NICHT in eine Krankenhausambulanz gehen oder den Notruf 112 anrufen.
Wer sich allgemein über Corona informieren möchtem kann dies über die Hotline Tel. 428 284 000 oder auf der Website www.hamburg. de/coronavirus machen.

 

Infizierte

Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten steigt in Hamburg weiter an. Aktuell liegt sie bei 4.368 (Stand 20. April). Etwa 2.600 Hamburger haben nach Schätzung der Gesundheitsbehörde die Corona-Infektion bereits überstanden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind bislang 91 Hamburger an dem Virus gestorben.

Im Wilhelmsburger KerVita Senioren-Zentrum „Am Inselpark“ sind 54 Bewohner und 23 Mitarbeiter (Stand 17. April) mit dem Coronavirus infiziert. Fünf Bewohner sind verstorben. Nichtinfizierte Bewohner wurden jetzt aus der Einrichtung evakuiert und in Krankenhäusern untergebracht.

Wie sich die Situation im Seniorenheim am Sand ent-wickelt hat, ist unklar. Das Bezirksamt hat bis Redaktionsschluss keine aktuellen Zahlen mitgeteilt. Bei 38 Bewohnern und 15 Mitarbeitern war vor zehn Tagen das Virus nachgewiesen worden, mindestens sieben Senioren sind gestorben.

 

 

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