Kleine Kinder sorgen mit eigenen Wortkreationen für viele Lacher. Foto: Panthermedia
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Unser vierjähriger Sohn stand neulich bei uns am Bett. Es war noch früh am Morgen, gerade mal kurz nach fünf. Im Halbschlaf murmelte ich, dass ich nun erst zu mir kommen müsse, bevor ich seinen Worten folgen oder gar antworten könne. Er blieb sehr geduldig, überlegte einen Moment und sagte dann: „Gut, Papa, dann komm’ ich mit!“
Kinder spielen herrlich mit Sprache und erfinden ständig neue, noch nie dagewesene Redewendungen oder Worte. Wenn bei uns etwas kaputtgeht, egal, was es auch ist, wird seit Jahren schon ein sehr schönes Wort benutzt: Paparieren. Etwas zu paparieren ist natürlich sehr viel komplizierter, als etwas einfach nur zu reparieren – alle Väter wissen, was ich meine.

Die Tochter eines Freundes, damals fünf Jahre, bot mir bei einem Besuch einen Sitzplatz im Wohnzimmer mit folgenden Worten an: „Olli, du kannst dich da jetzt mal hinsesseln!“ Das Sich-Hinsesseln war mir bis zu diesem Augenblick nicht bekannt gewesen. Und dennoch wusste ich sofort, was sie meinte: Sich hinzusesseln bedeutet nicht bloß, dass man sich einfach hinsetzt, sondern dass man es sich gemütlich macht – aber mal so richtig!
Weitere Wortkreationen meiner Söhne sind: Das Tüpfeln, das beschreibt, wie man einen Keks in einen Kakao hineinbröselt oder hineinstippt. Und ist der Kakao nicht mehr ganz heiß, ist er „blauwarm“. Oder auch: Das Verdickern, das – ich wette, Sie wären auch von alleine darauf gekommen – erklärt, wie man das warme Innenfutter in eine Winterjacke hineinzippt.

Einmal wurde ich von unserem Siebenjährigen gefragt, was denn das „Christi Himmelfahrrad“ sei, welche Farbe es habe und wie schnell man damit fahren könne. Es war kurz vor Pfingsten. Er hatte sich gewundert, warum Gott und die Welt von diesem ominösen Himmelfahrrad sprachen. Ich konnte mir nicht verkneifen, ihm zu erklären, dass Jesus schon damals sehr umweltbewusst auferstanden war und lieber das Fahrrad genommen hatte. Und dass die Menschen sich seither einen Tag im Mai frei nähmen, um ihm dabei zuzusehen. Erleuchtend und gleichzeitig einleuchtend, nicht wahr?

Ich bin gespannt auf die Wortbeispiele Ihrer Kinder. Bitte, schreiben Sie mir:
kontakt@lueckundlocke.de

 

Oliver Lück

ist Journalist und Buchautor. Jede Woche erzählt er an dieser Stelle von seinen Beobachtungen und Begegnungen. Aktuell im Handel sind von ihm:

Zeit als Ziel – Seit 20 Jahren im Bulli durch
Europa
(Conbook-Verlag, 250 Fotos und 140 Kurzgeschichten)

Buntland – 16 Menschen,
16 Geschichten
(Rowohlt Verlag, 256 Seiten plus 32 Fotoseiten)

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