Arndt Paasch, Leiter der Schule Grumbrechtstraße, sagt mit Blick auf WhatsApp als Kommunikationsmittel zwischen Lehrern und Schülern: „Wir können nicht alle Wertmaßstäbe über Bord werfen, nur weil wir eine Coronakrise haben.“ Foto: C. Köhnken

Wie kommt der Unterrichtsstoff zu den Schülern, wenn die keine E-Mail Adresse haben?

Von René Dan und Olaf Zimmermann, Hamburg

In Zeiten geschlossener Schulen stehen die Lehrkräfte vor einer besonderen Herausforderung. Die Schüler sollen zu Hause lernen – doch wie kommen sie an den Unterrichtsstoff? Nicht jeder Schüler, nicht einmal jede Familie, verfügt über eine E-Mail Adresse. Können in dieser Ausnahmesituation auch Messengerdienste wie WhatsApp oder Skype genutzt werden? Trotz der Bedenken des Datenschutzbeauftragten? „Ja, das ist möglich“, sagt Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde. Was meinen Schulleiter? Wir haben nachgefragt.

Eine wichtige Rolle spielte bei den Gesprächen eine interne Mitteilung der Schulbehörde vom vergangenen Jahr. Darin hatte es die Behörde missbilligt, wenn Lehrer mit Eltern über WhatsApp kommunizieren. Sprecher Albrecht hat sich hierzu bis Redaktionsschluss nicht geäußert.

„Wir müssen den Datenschutz der Kinder sicherstellen“

Arndt Paasch, Schulleiter der Schule Grumbrechtstraße in Heimfeld, die bis zur 6. Klasse führt, betont dagegen: „Lehrer dürfen nicht über WhatsApp mit Schülern kommunizieren.“ Er sagt: „Wir müssen den Datenschutz der Kinder sicherstellen und können nicht alle Wertmaßstäbe über Bord werfen, nur weil wir eine Coronakrise haben.“

Damit steht der 57-Jährige nicht alleine. So sieht Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar auch die Verwendung von Skype kritisch.

„Das Ziel lautet, Antworten auf die Frage zu finden: ,Wie versorge ich die Schüler?’“

Bernd Mader, Leiter der Stadtteilschule Stellingen, hat für solche Bedenken kein Verständnis: „Es kann nicht sein, dass sich in der jetzigen Situation alles um Datenschutz dreht. Das Ziel lautet, Antworten auf die Frage zu finden: ,Wie versorge ich die Schüler?’“

„Für WhatsApp haben wir keinen Bedarf“

Am Marion Dönhoff Gymnasium in Blankenese ist diese Versorgung kein so großes Problem. Alle rund 900 Schüler wie auch mindestens ein Elternteil verfügen über jeweils eine E-Mail-Adresse auf der schuleigenen Kommunikationsplattform IServ. „Für WhatsApp haben wir keinen Bedarf“, so Schulleiter Dr. Christian Gefert. Und benutzen Lehrer in der Krise jetzt Videoplattformen wie Skype? „Das kann sein“, so der 52-Jährige. Er habe jedoch dem Kollegium kommuniziert, dass in diesem Falle eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegen müsse.

An der Stadtteilschule Stellingen stellen sich ganz andere Probleme: Von den 1.200 Schülern ist immerhin „ein ganz geringer Prozentsatz“ gar nicht per E-Mail-Adresse erreichbar, schätzt Bernd Mader. Er berichtet, dass Lehrer aus diesem Grund teilweise mit dem Fahrrad durch den Stadtteil gefahren sind, um zum Beispiel Aufgabenblätter an Schüler zu verteilen. Und so lautet Bernd Maders Fazit zum gegenwärtigen Unterricht: „Es ist fantastisch zu sehen, mit wie viel Kreativität das Kollegium diese außergewöhnliche Situation meistert.“

Bernd Mader, Schulleiter der Stadtteilschule Stellingen, betont die Chancen des Digitalisierungsschubs in Zeiten von Corona. Foto: Stadtteilschule Stellingen
Dr. Christian Gefert, Schulleiter des Marion Dönhoff Gymnasiums, verfügt über einen schuleigenen Server, der die Daten der Schüler gegen den Zugriff Dritter sichert. Foto: pr
Dr. Christian Gefert, Schulleiter des Marion Dönhoff Gymnasiums, verfügt über einen schuleigenen Server, der die Daten der Schüler gegen den Zugriff Dritter sichert. Foto: pr

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