In der Seniorenresidenz am Sand sind Bewohner, aber auch Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Foto: andre lenthe fotografie
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Gaby Pöpleu, Hamburg.
Das öffentliche Leben in Hamburg ruhte über die Feiertage, doch unter der zwangsweise stillgelegten Oberfläche brodelt es: Viele Menschen kämpfen gegen ihre drohende Pleite, andere ringen ganz konkret mit dem Coronavirus. Während inzwischen viele der Kontaktverbote und Schulschließungen überdrüssig sind und deren Lockerung diskutieren, hat die Krankheit inzwischen auch in Hamburg die Hochrisiko-
patienten, die Kranken und Alten in Pflegeeinrichtungen erreicht.
In der Seniorenresidenz „Harburg Sand“ wurde nach Angaben des Bezirksamts das Virus bei „mehreren Bewohnern“ festgestellt. Auch Pflegepersonal ist betroffen. Laut Betreiber wurde das Virus erstmals am 3. April bei einer inzwischen verstorbenen 92-Jährigen nachgewiesen.
Im Wilhelmsburger Seniorenzentrum „Am Inselpark“ sind inzwischen 50 Bewohner und 17 Mitarbeiter (Stand 9. April) infiziert. Gesunden und kranke Senioren werden in Einzelzimmern getrennt voneinander versorgt.  Schutzkleidung sei ausreichend vorhanden, teilt der Betreiber mit.
Seniorenheimbetreiber Pflegen und Wohnen (P&W) meldete am Freitag 13 Kranke (von hamburgweit 2.500 Bewohnern), 17 Mitarbeiter haben das Virus. Betroffen sind unter anderem Heime in Heimfeld und Altona.
Die gute Nachricht: Bisher gibt es bei P&W keine Toten. „Eine Person hat einen mittleren Krankheitsverlauf, die übrigen zeigen leichte beziehungsweise inzwischen keine Symptomatik mehr“, sagte P&W-Sprecher Henning Schweer. Zwei wieder gesunde Betroffene würden bald nicht mehr isoliert werden müssen.

68.000
medizinische
Schutzmasken
sind auf dem Weg zu den Hamburger
Arztpraxen

Bei den kranken Mitarbeitern handele es sich „zum Teil um Beschäftigte, die bereits längere Zeit abwesend“ seien, zum Beispiel im Urlaub. Engpässe bei medizinischer Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln gebe es – noch – nicht: 21.000 Masken und Desinfektionsmittel habe die Hamburgische Pflegegesellschaft in der vergangenen Woche geliefert.
Schwierig scheint die Lage nach wie vor in den Arztpraxen, trotz Lieferung von 68.000 medizinischen Schutzmasken und 80.000 Litern Desinfektionsmittel, einer Spende des Eimsbütteler Unternehmens Beiersdorf: „Diese Lieferung (…) kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es weiterhin an Schutzausrüstung mangelt, besonders an Kitteln“, mahnt Walter Plassmann, Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung. Sonst könne die flächendeckende Versorgung in Arztpraxen nicht mehr gewährleistet werden.

In Schwierigkeiten stecken auch die Physiotherapeuten. Zwar werden sie von der Politik als „systemrelevant“ eingestuft, sollen die Praxen offenhalten und wurden deshalb beim Rettungsschirm der Bundesregierung nicht berücksichtigt. Doch mit Schutzkleidung und Hygieneartikeln würden sie auch nicht versorgt, klagt Magdalena Roberg von der Physiotherape New Born. „Wir haben unter immensen Kosten (…) unsere Praxis am Born Center auf die höchsten geforderten Hygienestandards gebracht.“
Trotzdem sagen immer mehr Patienten Termine ab. Ärztlich verordnete, medizinisch notwendige Therapie kann aber weiterhin stattfinden. Andere würden Therapien gerne wahrnehmen, bekommen aber von Ärzten keine Rezepte ausgestellt. So würden immer mehr Physiopraxen wirtschaftlich ruiniert, fürchtet Roberg. Bis schließlich „die medizinische Versorgung an der Basis gefährdet“ sei.

Jetzt will der Bund auch für Logopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten einen Corona-Rettungsschirm aufspannen.

Infizierte
Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten steigt in Hamburg weiter. Aktuell liegt sie bei 3.925 (Stand 13. April). Bislang sind in Hamburg 59 Menschen an dem Virus verstorben, berichtet das Robert-Koch-Institut.

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