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Als ich die traurige Nachricht hörte, gab es nach dem Schock zunächst nur wenig Tröstliches. Mit 71 Jahren ist Helmut Schwalbach gestorben. Ich lernte ihn 1996 kennen. Als freier Mitarbeiter des Elbe Wochenblatts, bei dem Helmut als Redakteur die Elbvororte-Ausgabe verantwortete. In dieser Funktion schickte er mich zu Terminen zwischen Othmarschen und Blankenese.

Als Reporter schien ihm vieles leicht zu fallen

„Das hast du ganz gut gemacht“, sagte er manchmal, wenn er nicht viel an meinem Text ändern musste. War der Termin wenig ergiebig, fasste er zusammen: „Da war ja nicht viel los. Aber die haben sich gefreut.“ Es machte Spaß, mit Helmut zusammenzuarbeiten, der seinen Beruf liebte, aber bisweilen subversive Neigungen gegen Regeln, deren Sinn er nicht einsah, hegte.

Als Reporter schien ihm vieles leicht zu fallen, wenn er charmant und treffend formulierte. Trotz dieser Leichtigkeit, um die ihn einige beneideten, zählte er zu den Journalisten, die den Hamburger Westen am besten kannten. Als er zum „Hamburger Klönschnack“ wechselte, blieben wir in Kontakt. Beim Monatsmagazin begann er, lesenswerte Interviews mit prominenten oder weniger prominenten Mitmenschen aus den Elbvororten zu führen. An ein Gespräch, bei dem Helmut keinen Zugang zu seinem Gegenüber gefunden hätte, kann ich mich nicht erinnern.

Mit dem Rentenbescheid im Briefkasten ließ seine Neugier auf andere Menschen, neue Sprachen, Kinofilme und Literatur nicht nach. Eher im Gegenteil, denn in seiner Blankeneser Wohnung hatte er den Fernseher schon länger abgeschafft.

Traf man sich mit Helmut, war es nie langweilig. Wenn ihm danach war, rezitierte der studierte Germanist Heinrich Heine: „Schlage die Trommel und fürchte Dich nicht. Und küsse die Marketenderin. Das ist die ganze Wissenschaft. Das ist der Bücher tiefster Sinn.“ Derart hoch gestimmt saßen wir in Lokalen rund um den Spritzenplatz, wo er lange gewohnt hatte, und wurden Freunde.

So kam es, dass Helmut eines Tages zu mir sagte: „Du musst mit in den Seeteufel kommen.“ Gesagt, getan. Bald betrat ich das Lokal an der Elbchaussee. Auf einen Bildschirm laufen dort Sturmgeschichten. An einer Wand hängt ein historisches UKW-Gerät. Seekarten und maritimer Schnickschnack dicht an dicht, das war was für meinen Freund mit Kapitänspatent, der auf der Insel Rügen aufgewachsen war.

„Mein Helmut“, begrüßte ihn Wirtin Evi auf das Herzlichste, als wir das Lokal betraten. Ihrem Liebling brachte sie alsbald ein frisches Bier an den Tresen, wo Taue hängen. An denen kann sich der Gast festhalten, wenn der Abend stürmisch verläuft und Evi in früher Morgenstunde „Helbing ist alle“ ruft.

Helmut hat die Trommel aus dem Heine-Gedicht kräftig, wenn auch viel zu kurz geschlagen. Es wäre ein Trost, dich an einem ähnlichen Ort wie dem Seeteufel zu wissen, jetzt wo alle Stürme vorbei sind.

2 KOMMENTARE

  1. Er machte doch eigentlich einen ganz fitten Eindruck als ich ihn zuletzt traf. Neue Liebe – neues Glück! Ich hätte gern gewusst, woran Helmut gestorben ist – ich kannte ihn aus der Zwiebel (damals Elbtreppe, er vertrat damals Ulli und Woller, die beiden Wirte) und dem Vogel (Gr. Brunnenstraße/Ecke Reitbahn) seit 1976. Er war Frauen gegenüber doch manchmal etwas komisch, aber ganz amüsant, es sei denn, er haute mal zu tief unter die Gürtellinie!

  2. Lovely picture Matthias – very sad news had hoped to be together with Helmut, Heini and yourself at the Ottenser weihnachtsmarkt. Did not realise he was already in hospital at that point. Tomorrow is his birthday – he would have been 72.

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