Schulsenator Ties Rabe hat die Lernferien-Angebote initiiert. Foto: BSB
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Trotz Coronakrise sollen in allen Bundesländern, auch in Hamburg, die Abiturprüfungen stattfinden. Der Beginn der schriftlichen Prüfungen wird wie in Schleswig-Holstein auf den 21. April verschoben werden. Laut Schulbehörde sollen drei Mal soviele Nachschreibetermine angeboten wie sonst üblich. „Wie derzeit in Hessen können die Prüfungen auch dann stattfinden, wenn der offizielle Schulbetrieb noch ruht. Eine Absage der Prüfungen zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht notwendig“, hatte Schulsenator Ties Rabe mitgeteilt.

Die Erziehungswissenschaftlerin und Bürgerschaftsabgeordnete Sabine
Boeddinghaus (Linke) kritisierte: „Ich bin mir sicher, dass diese Entscheidung nicht auf- rechterhalten werden kann, weil die Gesundheit der jungen Menschen und ihrer Lehrkräf- te erste Priorität haben muss.“

Der Abiturjahrgang der Stadtteilschule Rissen hatte per E-Mail an den Schulsenator appelliert, die Abiturprüfungen abzusagen. Ties Rabe solle sich für ein Durchschnittsabitur entscheiden, „da es grob fahrlässig wäre, uns einer solchen Situation (der Corona-Gefahr, die Redaktion) auszusetzen“.

Weiter heißt es: „In der aktuellen Situation, leiden wir alle unter massivem emotionalem Stress. Wir sind zudem alle um die Gesundheit unserer Eltern und Großeltern und seit den neusten Meldungen, auch um unsere eigene Gesundheit besorgt. Wir verbringen den kompletten Tag drinnen mit unserer Familie, zu der bei vielen von uns noch kleinere Geschwister dazugehören. Dies macht die Schaffung einer anständigen Lernatmosphäre meist unmöglich.“

Auch Schüler des Wilhelmsburger Helmut-Schmidt-Gymnasiums hatten per E-Mail an den Schulsenator appelliert, das Abitur zu verschieben „da wir es für unpädagogisch, verantwortungslos, ungerecht und rücksichtslos halten, das Abitur unter den derzeitig weltweit anhaltenden Umständen zu schreiben.“
„Wir benötigen psychologische Betreuung, pädagogische Hilfsangebote oder mindestens Rücksichtnahme in Bezug auf die verschiedenen Ausgangssituationen dieser. Aber man ignoriert scheinbar unsere Lebensumstände kategorisch, indem uns Aufgaben über Aufgaben gestellt werden, die zudem bewertet werden sollen…
Die Umstände, unter denen wir uns vorbereiten sollen, sind nicht nur schwierig, sie fördern stadtteilbezogen die Ihnen wohl bekannte Ungleichheit. Nicht alle von uns haben ein Zimmer, wo sie in Ruhe lernen können. Wir sind auf Lernräume, wie die Bücherhallen und die Staatsbibliothek nicht nur angewiesen, sie sind eine Grundvoraussetzung für viele von uns, um überhaupt für die Prüfungen lernen zu können.“

Auch die Schülerkammer Hamburg (SKH) hält die Durchführungen der Abiturprüfungen für unverantwortlich. „Hamburg ist aktuell das deutsche Epizentrum der Corona-Pandemie, dieser Umstand erfordert eine angemessene Handlung. Es ist unser Ansicht nach unverantwortlich, das Abitur in der jetzigen Situation regulär in Hamburg durchzuführen”, so der Landesvorsitzende der Schülerkammer Hamburg, Henry Behrens.
Die Schülerkammer schlägt vor, Schülern drei Wahlmöglichkeiten zu bieten:
– das Abitur wie geplant in Form einer schriftlichen Prüfung abzulegen,
– die Vorabiturprüfungen anstelle der Hauptprüfung werten zu lassen,
– oder ohne Prüfung ein sogenanntes „Durchschnittsabitur“ zu erhalten.

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