Niemandem soll wegen der Coronakrise der Strom abgestellt werden, versichern zum Beispiel Hamburg Energie und Stromnetz Hamburg. Foto: PantherMedia
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Gaby Pöpleu, Hamburg-West.
Die Bundesregierung verspricht: Durch die Coronakrise soll kein Unternehmen pleite gehen. Dafür gibt es günstige Kredite, Steuerstundungen, Kurzarbeitergeld. Doch was ist mit den vielen kleinen Unternehmen, Ein-Mann-Betrieben, Künstlern, Einzelhandwerkern, Wirten, Freiberuflern, ohne oder mit ganz wenigen Angestellten, wenn von hier auf jetzt die Umsätze wegbrechen: Wie geht es den kleinen Unternehmen im Hamburger Westen? Welche Hilfen könnten sie gebrauchen?
Selbst dort, wo noch geöffnet sein darf, zum Beispiel die RWS Textilreinigung im Elbe Einkaufszentrum, brechen die Umsätze komplett weg. „Wir haben gar nichts zu tun“, sagt Inhaber Homyon Hassemi, „Ich musste alle Mitarbeiter nach Hause schicken.“ 14 Angestellte sitzen nun zu Hause, wissen – wie ihr Chef – nicht, wie es weiter gehen soll. „Meine Tochter hat schon geschrieben, aber wir wissen nicht, ob und welche Unterstützung wir bekommen, ob es Kurzarbeitergeld gibt.“ Lange kann Hassemi diesen Zustand nicht durchhalten, jedenfalls keinen ganzen Monat, sagt er. Allein die Miete im EEZ ist fünfstellig, beim zweiten Geschäft in Sasel satt vierstellig. Hier wären staatliche Hilfen nützlich findet er.

Marion Leadke, Inhaberin von Hoyer Moden in Eidelstedt, ist ebenfalls verzweifelt auf der Suche nach Informationen: Sie will Kurzarbeiteitergeld für ihre Mitarbeiter beantragen, hat seit einer Woche nichts vom Amt gehört. „Ich kann noch ungefähr eine Woche finanziell durchhalten, dann ist Schluss“, sagt die Geschäftsfrau, „Und das geht auch nur, weil ich verständnisvolle Lieferanten habe.“ Der Vermieter hingegen ist weit weniger kulant: Er bestehe auf einem Beleg über die Zahlungsunfähigkeit, bevor er die Miete stunden könne. Enttäuscht ist Leadke auch vom Finanzamt: Vor zwei Jahren wurde bei ihr eingebrochen, das Geld von der Versicherung wurde heftig besteuert, obwohl die Kosten für die Wiederbeschaffung der Ware ja tatsächlich vorhanden waren. „Das verstehe ich nicht.“ Finanzielle Polster sind wegen der ordentlichen Steuerzahlung nicht mehr vorhanden.
Fisch Keyser vom Eidelstedter Platz hat zu kämpfen. Inhaber Oliver Bolz hat das Geschäft vor drei Jahren übernommen und ordentlich investiert. „Da sind keine großen Finanzpolster mehr“. Den Mittagstisch musste er schon einstellen, da er die geforderten Mindestabstände im Geschäft nicht einhalten kann. Auf mindestens 20 Prozent schätzt er die Umsatzeinbußen. Den Außer-Haus-Verkauf will Bolz dann einstellen. Was er sich an Unterstützung wünscht: Vor allem Hilfe bei den Gehältern, zum Beispiel unbürokratisches Kurzarbeitergeld, und Zuschüsse zur Miete. Einen Kredit kann er nicht gebrauchen, auch keine Mietstundung. „Dann werden die Belastungen hinterher zu groß.“

Infos per Telefon
Für Unternehmer mit Fragen zu Förderungen, Hilfsangeboten, Kurzarbeit wurden in der Wirtschaftsbehörde Hotlines eingerichtet. Die Telefone sind montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr besetzt:
• Industrie: 428 41 36 37
• Hafen, Schifffahrt und Logistik: 428 41 35 12
• Einzelhandel: 428 41 16 48
• Kleine und Mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten: 428 41 14 97
• Gastronomie, Hotel, Tourismus: 428 41 13 67
• Landwirtschaft: 428 41 35 42
• allgemein: 428 41 14 97 und 428 41 16 48

Hamburger Schutzschirm
Bis die kleinen Unternehmen von Hilfen des Bundes profitieren können, wird es noch dauern. So muss am Freitag erstmal der Bundesrat den geplanten Maßnahmen zustimmen. Inzwischen hat auch Hamburg einen kleinen „Soforthile-Schirm“ für Unternehmen aufgespannt:
Vorgesehen sind direkte, echte Zuschüsse, gestaffelt nach Firmengröße:
• 2.500 Euro für Solo-Selbständige
• 5.000 Euro für Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern
• 10.000 Euro für Firmen mit 10 bis 50 Mitarbeitern
• 25.000 Euro für Unternehmen mit 51 bis 250 Mitarbeitern
Das Geld kann man aber auch erst beantragen, wenn der Notfallfonds des Bundes beschlossen ist.

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