Das Jenisch Haus beherbergt heute ein Museum. Foto: Stahlpress Medienbüro

Der Jenischpark ist seit fast 200 Jahren ein Ort zum Wohlfühlen

Von Volker Stahl, HAMBURG-WEST

Inmitten des 42 Hektar großen Parks auf der Höhe des Elbufers in Othmarschen liegt ein edles Landhaus, das vom Geesthang einen atemberaubenden Blick auf den Strom gewährt. Das Jenisch Haus wurde zwischen 1831 und 1834 als Sommersitz von dem Architekten Franz Gustav Forsmann für Martin Johann Jenisch den Jüngeren im klassizistischen Stil an der höchsten Stelle des Landschaftsgartens erbaut.

1927 pachtete Altona den Park auf Flottbeker Gebiet

Jenisch war seit 1827 Senator und Präses der Baudeputation. Er hatte nach dem Hamburger Brand von 1842 wesentlichen Anteil an der Planung des Wiederaufbaus der Stadt. 1828 hatte er den Landschaftspark, in den er das Haus setzen ließ, von Caspar Voght erworben. Der Baron war ein Philantroph und bedeutender Sozialreformer des 19. Jahrhunderts, der das „Gartenreich“ als Ausdrucksform des guten Geschmacks und einer „erhöhten“ Lebensform nach englischem Vorbild vom Landschaftsarchitekten James Booth erschaffen ließ. Die von ihm ausbaldowerte Platzierung heimischer Flora im sogenannten Süderpark hat bis heute weitgehend Bestand. Eigentlich, monieren Kritiker, müsste der Jenischpark eigentlich Baron-Voght-Park heißen.

Jenisch ließ nach dem Erwerb Teile des Parks unter Mitwirkung von J. H. Ohlendorf behutsam umgestalten. Der Inspektor des Botanischen Gartens verfügte über reichlich Erfahrung bei der formvollendeten Platzierung von Pflanzen, Sträuchern und Bäumen in Kulturlandschaften. Seine Kreationen schmeicheln noch Generationen später dem Auge. Denn eine schöne Aussicht gewährt nicht nur der Blick auf die Elbe, sondern auch der auf endlos wirkende Rasenflächen, bewaldete Areale, knorrige Bäume und wildtierfreundliches Buschwerk. Der Jenischpark ist ein Ort, wo sich Menschen seit bald 200 Jahren ebenso wohl fühlen wie Grünfink, Specht und Sumpfdotterblume. „Hier hört der, von der ganzen Welt abgeschlossene Wanderer nichts, als das Säuseln des Windes, den Gesang der Vögel und das Rauschen des Baches“, heißt es in einer zeitgenössischen Schilderung.

Der Jenischpark wurde einst auf Flottbeker Gebiet angelegt und 1927 von der damals noch selbstständigen Stadt Altona gepachtet, um die Parzellierung des erhaben wirkenden Grüns zu verhindern. 1939 erwarb die Stadt Hamburg, zu der Altona seit dem Inkrafttreten des Groß-Hamburg-Gesetzes im Jahr 1938 gehört, den Park mitsamt Haus. Hintergrund des Kaufs: In Flottbek sollte im Rahmen des von der nationalsozialistischen Regierung propagierten Ausbaus Hamburgs zur „Führerstadt“ eine „Hansische Universität“ gegründet werden. Es kam anders.

Heute befindet sich im Jenisch-Haus ein Museum. Im Erdgeschoss beeindrucken repräsentative Säle mit Stuckaturen sowie Mobiliar, Gemälde und Skulpturen aus dem Biedermeier. In den oberen Etagen laufen wechselnde Ausstellungen.

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