An dieser Tankstelle erinnern Markierungen auf dem Boden die Kunden daran, Abstand zu halten. Foto: André Lenthe fotografie

Coronavirus: Im Freien sind Ansammlungen von mehr als zwei Menschen untersagt.  Ausnahme nur für Familien und Haushaltsangehörige

Olaf Zimmermann, Hamburg.
Um die Ausbreitung der Corona-Pandemie zu verlangsamen, wird das öffentlichen Leben jetzt komplett lahmgelegt. Mehr als zwei Menschen dürfen sich im Freien nicht zusammen aufhalten – außer sie sind Angehörige und leben in einem gemeinsamen Haushalt. Spaziergänge mit der Familie, Haushaltsangehörigen oder mit einem (!) Bekannten sind weiterhin möglich, solange ausreichend Abstand zu anderen eingehalten wird. „Es kommt jetzt darauf an, dass wir so gut es geht zu Hause bleiben und den direkten Kontakt mit anderen vermeiden“, erläuterte Bürgermeister Peter Tschentscher.

Die Zahl der mit dem Corona-Virus Infizierten steigt in Hamburg weiter rasant an. Aktuell liegt sie bei 1.614 (Stand 26. März). 103 Infizierte werden in einem Krankenhaus behandelt, 23 von ihnen befinden sich auf einer Intensivstation.

Die sieben bezirklichen Gesundheitsämter haben ihr Personal aufgestockt.
Medizinstudenten unterstützen die Mitarbeiter.  Um die Corona-Krise gut zu bewältigen wird jeder und jede mit Erfahrung in Medizin und Pflege gebraucht. Freiwillige mit beruflichem Hintergrund aus medizinischen oder pflegerischen Bereichen, die ihre Hilfe anbieten wollen, können sich per E-Mail an personal.corona@bgv.hamburg.de wenden.

Was ist noch erlaubt? Zur Arbeit gehen, Einkäufe, Arztbesuche, Hilfe für Bedürftige. Geschlossen sind Friseure, Kosmetikstudios, Massagesalons, Tattoo-Studios – also alle Betriebe im Bereich der Körperpflege. Ebenso Restaurants und Cafés. Essen darf man dort nur noch abholen oder es sich nach Hause liefern lassen.
Diese von den Bundesländern erlassenen Verfügungen, die die massivsten Einschränkungen von Grundrechten in der Geschichte der Bundesrepublik mit sich bringen, gelten vorerst bis zum 5. April. Verstöße können mit Bußgeld bis 25.000 Euro oder Gefängnis bestraft werden.

Bereits vor einer Woche hatten Schul- und Sozialbehörde beschlossen, die Schließung von Schulen und Kindergärten bis zum 19. April zu verlängern. Die an Kitas und Schulen eingerichtete Notfallbetreuung funktioniert. Eltern sollen ihre Kinder grundsätzlich zu Hause betreuen. In der Notfallbetreuung können insbesondere Mitarbeiter aus für die Allgemeinheit wichtigen Bereichen Kinder bei Bedarf betreuen lassen.

In Hamburg leben knapp 440.000 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Bei dieser Gruppe – und bei Menschen mit Vorerkrankungen – steigt das Risiko, dass eine Coronainfektion erheblich schwerer verläuft. Deswegen sind in Krankenhäusern, sowie Senioren- und Pflegeeinrichtungen Besuche massiv beschränkt, für Kinder unter 16, Rückkehrer aus Risikogebieten und für Kontaktpersonen von Coronapatienten sogar völlig verboten.

Beim „Arztruf Hamburg“, einer von der Kassenärztlichen Vereinigung eingerichteten Infohotline, klingelte bis zu 20.000 Mal am Tag das Telefon. Wichtig: Der Arztruf Tel 116 117 ist denjenigen vorbehalten, die aus einem Risikogebiet kommen oder Kontakt mit einem nachweislich positiv getesteten Menschen hatten und Erkältungssymptome aufweisen.
Wer sich allgemein über Corona informieren möchte, kann dies auf der Website www.hamburg.de/coronavirus sowie über die Hotline Tel 428 284 000 machen.
In Hamburg sollen sich auch Menschen ohne Symptome leichter auf das Corona-Virus testen lassen können. Dafür sind sieben Teststationen vorgesehen. „Die Testungen erfolgen in der Nähe zu medizinischen Einrichtungen unter freiem Himmel, sodass die Krankenhäuser nicht betreten werden“, heißt es in einer Mitteilung der Gesundheitsbehörde. „Da die Betroffenen keine Symptome haben, muss bei negativem Ergebnis der Test selbst gezahlt werden.“

Die Hamburger Krankenhäuser bereiten sich zurzeit auf die Versorgung von vielen Covid-19-Kranken vor. Schutzausrüstung ist derzeit überall ein Engpass.  Um dem Engpass an Schutzkleidung entgegenzuwirken, hat die Gesundheitsbehörde einen Aufruf gestartet: Hamburger Unternehmen, die über Schutzkleidung verfügen – aber nicht zum Gesundheitswesen zählen – und diese Schutzausrüstung momentan nicht zwingend benötigen, werden gebeten, sich zur Unterstützung an die Gesundheitsbehörde zu wenden. Unternehmen, die ihre Hilfe anbieten können, wenden sich bitte per E-Mail an corona-firmenspende@bgv.hamburg.de. Benötigt werden OP-Masken (Mund-Nasen-Schutz), FFP2/ FFP3-Masken, Overalls, Schutzhandschuhe, Schutzbrillen sowie Schutzkittel.

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