An der Stresemannstraße/ Ecke Kieler Straße: 777 Wohneinheiten entstehen dort, wo früher Ford Autos verkaufte. Foto: mg
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Mieterverein kritisiert neuen Apartmentbau an der Stresemannstraße

Von Folke Havekost, ALTONA

Zu wenig Großstadtflair lässt sich an der Stresemannstraße 207 kaum beklagen. Das Gebäude ist weiträumig umsperrt, die Fassade eingerüstet, zwei Laster und ein Thermo-Fasswagen blockieren zwei Spuren der eigentlich breiten Straße. Das Studentenwohnheim „The Fizz“ ist eine Großbaustelle. An den Gittern hängen Transparente, die potenzielle Bewohner anlocken sollen: „Moin, Moin!“, „Bock auf Leben?“, „… ganz geile Bude!“ Wer sich ihnen nähert, bekommt nasse Füße, denn aus Schläuchen und Rohren fließt das Bauwasser auf die Kieler Straße.

Eigentlich sollte hier Anfang März alles fertig sein und „Auszubildende, Studierende oder junge Berufstätige“ die 777 Mini-Apartments beziehen. Einige Wohnungen sind noch nicht bezugsfertig, die Gemeinschaftsräume erst recht nicht. Studenten wurden bereits Ausweichquartiere angeboten, denn schon vor der Coronakrise wurde die Fertigstellung des Gesamtkomplexes erst auf Ende Juli geschätzt.

80 Prozent der Studenten können sich das nicht leisten

Es ist das größte Objekt dieser Art der europaweit tätigen International Campus AG, die „kompakten Wohnraum für junge Zielgruppen, die es sonst auf dem Hamburger Wohnungsmarkt schwer haben“ verspricht – und das mit Mieten „auf einem für Hamburg üblichen Niveau“. Dieses Niveau ist durchaus stolz: Das „Single Studio“ mit seinen 20 Quadratmetern wird für 715 Euro im Monat angeboten, dazu kommt noch ein „Servicebeitrag“ von 295 Euro pro Jahr.

Die „Kleinstbuden“ (Hamburger Morgenpost) werden möbliert vermietet. So wird eine Regulierung durch den Mietenspiegel vermieden. Alle Mietverträge sind zudem befristet und mit einer Staffelmiete versehen. Alle Briefkästen tragen Nummern, keine Namen.
„Das Anbringen von Namens-Schildern ist aus datenschutzrechtlichen Gründen und zur Wahrung des einheitlichen Erscheinungsbildes nicht gestattet“, heißt es in der Hausordnung.

„Was gebaut wird, ist zu teuer“, kritisiert Siegmund Chychla den Boom von Mini-Apartments für Studenten durch private Anbieter. Der Vorsitzende des Mietervereins zu Hamburg klagt: „Das entlastet den Wohnungsmarkt für Studenten nicht, weil sich 80 Prozent von ihnen solche Apartments nicht leisten können.“

Das öffentliche Hamburger Studierendenwerk bietet 4.400 Plätze in 26 Anlagen. Einzel-Apartments gibt es dort von 309 bis 490 Euro. „Die Stadt sollte das stützen, was bezahlbar ist“, fordert Chychla und schlägt mehr Investitionen ins Studierendenwerk vor. Sein Motto: „Mehr Bauen ja – aber zu Preisen, die man bezahlen kann.“

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