Aufgrund der Coronakrise war am Sonnabend auf dem Markt auf dem Stübenplatz nur wenig los. Foto: sebastian grundke
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Sebastian Grundke, Wilhelmsburg.
Auf dem Markt auf dem Stübenplatz fehlen an diesem Sonnabend im März die Stände mit Kleidern und Klamotten. Sie machen normalerweise etwa die Hälfte des Marktes aus. Doch angesichts der Coronakrise gibt’s nur noch Obst, Gemüse, Fleisch, Käse oder Blumen. Nur einige versprengte Kunden schlendern von Stand zu Stand.
„Die Einschränkungen werden sehr penibel umgesetzt, zu unserer Sicherheit und jener der Kunden“, sagt ein Fleischhändler, glattrasiert und mit verschmitztem Lächeln, der regelmäßig mit seinem Wagen auf den Markt kommt. Er lebe auch von seiner Arbeit, dass dürfe man nicht vergessen, fügt er hinzu.
Während des Gespräches scheucht er einen Passanten weg, der zu nahe an die Auslage kommt. „Abstand halten“ ist das Gebot der Stunde. „Ich glaube, dass man uns darüber nicht richtig aufgeklärt hat und auch das Robert Koch-Institut das falsch eingeschätzt hat“, sagt er. Die Fallzahlen aus China seien heruntergespielt oder nicht richtig herausgegeben worden, vermutet er.
Ein schlanker junger Mann mit rötlichem Vollbart, der in der Nähe des Marktes seinen Hund ausführt, hat für drei Fragen Zeit. Die Einschränkungen momentan findet er nicht so schlimm: „Es geht ja noch einigermaßen“, sagt er. Man könne ja bislang noch ‘raus und einkaufen oder auch einen Lieferdienst anrufen.
Sorgen mache ihm vor allem die Situation in Italien. Die vielen Toten – das sei ein bisschen beängstigend. „Was würde passieren, wenn dieser Zustand hier zu uns herüberschwappt?“, gibt er laut zu denken. Eine Ausgangssperre sei schon vernünftig, sagt er nickend, dann muss er weiter. Sein Hund wird ungeduldig.
In Richtung des nahen Supermarkts sitzt auf einem Findling ein Mann mit eingefallenen Wangen. Er lebt auf der Straße und bittet jene, die auf dem nahen Gehweg vorbeigehen, um Kleingeld. Das „Abstand halten“ macht ihm momentan am meisten Sorgen. „Dass man keinen Kontakt mehr knüpfen kann, sich nicht mehr mit Leuten treffen kann, das macht mir große Probleme“, sagt er. „Wo soll ich dann Geld für Essen und Trinken herbekommen?“

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