Niemandem soll wegen der Coronakrise der Strom abgestellt werden, versichern zum Beispiel Hamburg Energie und Stromnetz Hamburg. Foto: PantherMedia
Anzeige


Gaby Pöpleu, Hamburg-Süd.
Die Bundesregierung verspricht: Durch die Coronakrise soll kein Unternehmen pleite gehen. Dafür gibt es günstige Kredite, Steuerstundungen, Kurzarbeitergeld. Doch was ist mit den vielen kleinen Unternehmen, Ein-Mann-Betrieben, Künstlern, Einzelhandwerkern, Wirten, Freiberuflern, ohne oder mit ganz wenigen Angestellten, wenn von hier auf jetzt die Umsätze wegbrechen: Wie geht es den kleinen Unternehmen im Hamburger Süden? Welche Hilfen könnten sie gebrauchen?
Selbst die, bei denen der Laden vergangene Woche noch brummte, zum Beispiel viele Friseure – haben Angst vor der Zukunft. Thorsten Leinung vom Friseur Leinung in Wilhelmsburg will sich aber unbedingt seinen Optimismus bewahren. „Unser Geschäft gibt’s seit 1910, es hat zwei Weltkriege überstanden, dann werden wir dies auch irgendwie hinkriegen. Notfalls muss ich halt von Null wieder anfangen.“ Eine Idee hat er auch: „Velleicht muss ich dann ‘raus und einen Homeservice anbieten.“
Auch wer noch öffnen darf wie zum Beispiel das Gartencenter Klintworth in Neuwiedenthal hat Probleme: „Unser Umsatz ist um 60 Prozent eingebrochen“, sagt Inhaber Jörg Klindtwort. Seine Kunden sind überwiegend ältere Menschen, die jetzt nicht mehr gern vor die Tür gehen. „Doch zum Glück kaufen die 40 Prozent, die noch kommen, mehr, um sich zu bevorraten.“ Wenn die Ausgangssperre kommt, haben die Kleinen schlechte Karten, sagt er, „Die haben doch alle keine großen Reserven.“

Für das Café Beerental am Neuen Friedhof in Eißendorf könnten Hilfen zu spät kommen, wenn nicht bald Geld auf’s Konto fließt: Selbst als noch geöffnet werden durfte und Inhaberin Nicole Günther die Plätze um die Hälfte reduziert hat, um ausreichend Abstand zwischen die Tische zu bringen, ist der Umsatz um 80 Prozent eingebrochen.
„Wir mussten fünf Mitarbeiter entlassen“, sagt sie, für die Übrigen hat sie Kurzarbeitergeld beantragt, aber nach einer Woche noch nichts vom Amt gehört. Von der Stadt kann sie 2.500 Euro Zuschuss bekommen, ein Tropfen auf den heißen Stein: Miete, Gehälter, Versicherungsbeiträge laufen weiter. Die Hortgebühr für ihren Sohn kann sie vieleicht bald nicht mehr zahlen. „Hier müsste die Regierung entlasten“, würde sie sich wünschen.
Nicole Günther will trotz großer Angst – sie selber ist Asthmatikerin ­– den Kopf nicht in den Sand stecken, liefert nun Torten direkt zum Kunden. „Aber die Leute, die etwas bestellen, gehen fast alle über Lieferando, da müsste man erstmal in Werbung investieren“, sagt sie, mit Geld, das einfach nicht vorhanden ist. „Ein weiterer Kredit nützt mir nichts, ich kann später nichts zusätzlich abzahlen sagt sie. „Schließlich essen die Leute dann nicht fünf Stück Kuchen sondern wie bisher nur eins.“
Thomas Soltau vom Landgasthaus Jägerhof dauert das alles zu lange „Es wird viel geredet, doch noch ist nichts passiert.“ Am meisten würde ihm helfen, wenn die Menschen zuhaus blieben und so eine komplette Ausgangssperre vermieden werden könnte.
Bei den finanziellen Hilfen ist ihm alles recht, ob Zuschuss oder Kredit: „Wir können jeden Cent gebrauchen.“

Hier gibt es Infos per Telefon
Für Unternehmer mit Fragen zu Förderungen, Hilfsangeboten, Kurzarbeit wurden in der Wirtschaftsbehörde Hotlines eingerichtet. Die Telefone sind montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr besetzt:
• Industrie: 428 41 36 37
• Hafen, Schifffahrt und Logistik: 428 41 35 12
• Einzelhandel: 428 41 16 48
• Kleine und Mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Beschäftigten: 428 41 14 97
• Gastronomie, Hotel, Tourismus: 428 41 13 67
• Landwirtschaft: 428 41 35 42
• allgemein: 428 41 14 97 und 428 41 16 48

Der Hamburger Schutzschirm
Bis die kleinen Unternehmen von Hilfen des Bundes profitieren können, wird es noch dauern. So muss am Freitag erstmal der Bundesrat den geplanten Maßnahmen zustimmen. Inzwischen hat auch Hamburg einen kleinen „Soforthile-Schirm“ für Unternehmen aufgespannt:
Vorgesehen sind direkte, echte Zuschüsse, gestaffelt nach Firmengröße:
• 2.500 Euro für Solo-Selbständige
• 5.000 Euro für Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern
• 10.000 Euro für Firmen mit 10 bis 50 Mitarbeitern
• 25.000 Euro für Unternehmen mit 51 bis 250 Mitarbeitern
Das Geld kann man aber auch erst beantragen, wenn der Notfallfonds des Bundes beschlossen ist.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here