Geschäftsführender Gesellschafter Physiotherapeut Heilpraktiker für Physiotherapie
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Gedanken eines Hamburger Physiotherapeuten

Physiotherapeuten in der Zwickmühle
Physiotherapiepraxen gelten als systemrelevant, Finanzhilfen gibt’s aber aktuell nicht für sie.
Wenn Timon Laun und Kathrin Quandt, geschäftsführende Gesellschafter vom Physio Team Laun, die Ankündigungen vonseiten der Regierung, es würden Rettungspakete geschnürt, hören, könnten sie Rot werden vor Wut.
Das Physioteam Laun besteht seit über 30 Jahre und beschäftig derzeit 25 Mitarbeiter in Hamburg- Harburg
„Wir werden von der Regierung angehalten, unsere Praxen zu öffnen, weil wir ja als unabkömmlich, beziehungsweise systemrelevant gelten“, erzählt Herr Laun.
Auf der anderen Seite sind seit Wochenbeginn die Behandlungszahlen um 60-70 Prozent eingebrochen, weil die Patienten aus Angst vor dem Coronavirus zu Hause bleiben, außerdem würden Krankenkassen und niedergelassene Ärzte vom Besuch einer Physiotherapiepraxis abraten.
Des Weiteren dürfen seit einer Woche keine Rehasportkurse oder Krafttraining auf der Trainingsfläche mehr durchgeführt werden.
„Wir haben bis zu 20 Kurse pro Woche und viele Selbstzahler, die auf unserer Trainingsfläche in der Praxis eigenständig trainieren. Auch hier haben wir aktuell einen wirtschaftlichen Ausfall zu beklagen“ erklärt Herr Laun.

Kurzarbeit bereits angemeldet.
Frau Quandt hat bereits Kurzarbeit angemeldet, um die Ausfälle kurzfristig kompensieren zu können. „Wir müssen weiter Miete zahlen, Leasing-, Energie- und Personalkosten ebenso“, betont sie.
Für die Mitarbeiter/innen wird die drohende Kurzarbeit eine große finanzielle Lücke, da Physiotherapeuten generell schon wenig verdienen. Das Team hält aber umso mehr zusammen. „Die Mitarbeiter/Innen kommen täglich – trotz der Gefahr, sich zu infizieren und unterstützen sich auch gegenseitig“, sagt Kathrin Quandt.
Allen voran bereitet die Hygiene-Frage den Physiotherapeuten Timon Laun großes Kopfzerbrechen. In der Praxis offenbart sich schnell, dass die Physiotherapeuten in einer Zwickmühle sitzen. Vorgabe vom RKI lautet eineinhalb bis zwei Meter Abstand zum Patienten? Fast unmöglich in der Physiotherapie.
FFP3 Schutzmasken? Nicht vorhanden und nicht erhältlich. Desinfektionsmittel? Wenn es irgendwann mal aufgebraucht ist, nicht mehr zu beschaffen. Einweg-Schutzkittel, Augenschutz? Fehlanzeige.
„Die erforderliche Schutzausrüstung wird nicht vom zuständigen Gesundheitsamt, den Krankenkassen oder auch der BG bezahlt. Man hört immer nur, dafür sind sie nicht zuständig oder kein Budget. Die Kliniken bekommen über die KV evtl. finanzielle Zuschüsse. Wir müssen diese alles selber Tragen und bei unserem Team würde da ein zusätzlicher großer Kostenfaktor entstehen, bei rückläufigen Einnahmen.“ Eigentlich müssten Herr Laun und Frau Quandt unter diesen Bedingungen die Praxen schließen. Doch das ist nicht so einfach – aus mehreren Gründen.
„Ein Kind mit Mukoviszidose braucht trotzdem dringend seine Therapie, genauso wie ein frisch operierter Mensch oder ein Patient mit MS oder einem akuten Schlaganfall“, erklären die Physiotherapeuten. Die Versorgung dieser Patienten könne nicht unterbrochen werden. Erschwerend kommt hinzu: Wer seine Praxis schließt, ohne dass es dafür eine behördliche Anordnung, nach dem Infektionenschutz-Gesetz, gibt, muss die wirtschaftlichen Folgen komplett alleine tragen und hat keine Ansprüche auf staatliche, finanzielle Unterstützung.
Kurzarbeitergeld könne nur für die Mitarbeiter beantragt werden, das weitere finanzielle Risiko und die Umsatzeinbußen blieben beim Praxisinhaber hängen.
Aus Gesprächen mit anderen Praxisbetreibern weiß Herr Laun: „Es geht jetzt allen so. Egal, ob sie so neu am Markt sind oder schon länger da bei sind.“
Daher müsse dringend etwas passieren. Timon Laun fordert daher die Politik auf:
„Alle Heilmittelpraxen sind für die ambulante Versorgung der Versicherten systemrelevant und damit flächendeckend unverzichtbar; sie müssen deshalb als Teil der kritischen Infrastruktur (KRITIS) im Bestand geschützt werden und bei einem finanziellen Rettungschirm mit beachtet werden.“

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