Für Pastor Torsten Morche. Pastor. Ev.-Luth. Haupt-Kirchengemeinde St. Trinitatis Altona. ist es auch neu, das nun kein Gottesdienst statfinden kann
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Wie geht es einem Pastor, wenn in seiner Kirche kein Gottesdienst stattfinden kann, ich habe nachgefragt, Pastor Torsten Morche berichtet:

Es gibt kaum eine Stunde, in der wir nicht Neues über den Corona-Virus erfahren (wollen). Auch ich bin verunsichert. Das ist kein gutes Gefühl. Die Balance zu halten zwischen Verharmlosung und Panikmache scheint mir aber der einzige Weg zu sein. Allerdings muss die wohl auf jedem Meter neu gefunden werden.
Die Nordkirche hat uns dringend empfohlen, Gottesdienste und andere Veranstaltungen abzusagen. Wir werde unseren Beitrag leisten, um die Ausbreitung des Corona-Virus nicht unnötig zu beschleunigen, aber es ist eine ungewöhnliche Situation. Neben der Diakonie ist ja der Gottesdienst das, was Menschen mit Kirche am ehesten verbinden, ob sie hingehen oder nicht. Und was macht der Pastor, wenn er am Sonntag nicht predigt? So vieles ist vorbereitet und organisiert und fällt nun einfach aus.
Die Gemeindemitglieder, die ich treffe, haben überwiegend Verständnis. Vereinzelt taucht die Meinung auf, dass die Kirchen in Krisenzeiten immer als Zufluchtsorte gedient hätten und eigentlich gerade jetzt Gottesdienste feiern sollten. Ich verwiese dann gern auf Angebote im Internet, aber für Ältere ist es natürlich schwierig. Meiner Fürbitte können sie sich aber alle sicher sein und auch meiner Kontaktbereitschaft über Telefon und E-Mail und wo es mir möglich ist auch für das persönliche Gespräch. Das Gemeindebüro ist erreichbar und auch unsere Homepage werden wir fortlaufend aktualisieren.
Die Hauptkirche St. Trinitatis bliebt wochentags und am Sonntagvormittag geöffnet, als Raum für Stille und Gebet, als Ort, um eine Kerze für gefährdete oder erkrankte Angehörige und Freund anzuzünden, als Gelegenheit zum Nachdenken über das, was wirklich zählt. Über lange Zeit konnte der Eindruck entstehen, unsere auf Wohlstandssteigerung orientierte Art zu Leben sei unendlich erfolgreich. Corona stößt uns nun buchstäglich mit der Nase darauf: wir sind verletzlich. Wir haben nicht alles im Griff. Ein Virus reicht, um viele Sicherheiten zu erschüttern, mit denen wir so selbstverständlich leben. Und an einigen Stellen offenbaren sich uns auch Merkwürdigkeiten über uns: Menschen in einem der reichsten Länder der Welt hamstern Klopapier. Das Vertrauen ist erschüttert und das ging für mein Gefühl ziemlich leicht.
Als Christ glaube ich, dass zwischen Verharmlosung und Panikmache ein weiter Raum für rationale und verantwortungsvolle Entscheidungen ist und auch für Gebet und Vertrauen. Der Corona-Virus löst eine Krise aus, aber nicht das Ende der Welt. Leiden, Schmerz, Verunsicherung, Krankheit, ja der Tod gehören zu unserem Leben dazu, aber sie haben nicht das letzte Wort. Ich vertraue darauf, dass das Leben auch in dieser Zeit unter Gottes Verheißung steht. Wir sind zur Vorsicht gerufen, aber auch zur Solidarität untereinander. Im Augenblick treibt der Virus uns in die totale Vereinzelung. Ich gehe davon aus, dass der Abstand, den wir jetzt halten müssen, uns nicht zur Gewohnheit wird.

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