Das Grab von Regina Kiolbassas Eltern vor dem Diebstahl der Vase. Foto: privat

Sebastian Grundke, Wilhelmsburg.
Auf dem Friedhof Finkenriek sind in den vergangenen Wochen immer wieder Leuchten und Vasen von Gräbern verschwunden. Betroffen sind nach Informationen des Elbe Wochenblatts mindestens ein Dutzend Gräber in verschiedenen Abschnitten des Friedhofs.
Entwendet wurden meist mit einer Grabplatte oder einer Steinplatte verschraubte Gegenstände, offenbar vor allem solche aus Messing. Dem Augenschein nach waren die Täter jedoch nur bei einem Teil der Gräber erfolgreich, da sich einige Grableuchten offenbar nicht ohne weiteres lösen ließen.

Die Polizei geht in dem Zusammenhang von besonders schwerem Diebstahl aus und ermittelt auch in Richtung Bandenkriminalität. Das teilte Daniel Ritterskamp von der Pressestelle auf Anfrage mit. Die Ermittlungen werden ihm zufolge jedoch dadurch erschwert, dass die Verantwortlichen für die Gräber nicht immer gleich erkenntlich sind: „Man braucht dafür einen lebenden Geschädigten, der die Verantwortung für das Grab trägt. Die Polizei ist dazu mit der Friedhofsverwaltung in Kontakt“, so Ritterskamp.
Wolfgang von Cieminski, einer der Geschädigten, sagte gegenüber dem Elbe Wochenblatt: „Ich denke, es geht den Tätern um den Materialwert, also dass es Leute sind, die das Geklaute dann irgendwie verscherbeln.“ Vandalismus scheine es ihm nicht zu sein. „Meine Hoffnung ist, dass die Polizei dort nun Präsenz zeigt und weitere Täter abgeschreckt werden“, so von Cieminski weiter. Nachdem er den Diebstahl vom Grab seiner Eltern bemerkte – dort fehlt eine Lampe –, erstattete er Anzeige und wandte sich auch an die Friedhofsverwaltung. Regina Kiolbassa, die ebenfalls zu den Geschädigten gehört, sagt: „Ich bin davon überzeugt, dass es den Tätern um das Material ging.“ Auch habe sie gehofft, dass es schwieriger wäre, derlei zu klauen. „Außerdem tut es weh. Man möchte den Toten etwas Gutes tun – und dann das!“, so Kiolbassa weiter. Die vom Grab ihrer Eltern gestohlene Vase habe rund 300 Euro gekostet. Sie sei ihr als diebstahlsicher verkauft worden.
Die für den Friedhof zuständige Friedhofsverwaltung geht unterdessen eher von Vandalismus aus (siehe auch Infotext). Sorina Weiland, Sprecherin des Bezirks Mitte, teilte dem Elbe Wochenblatt ebenfalls mit, dass ihre Behörde von Vandalismus, eventuell von Jugendlichen begangen, ausgeht. Sorina Weiland: „Manche Menschen schrecken auch vor nichts zurück.“

Kein Wachdienst
Der Friedhof Finkenriek hat keinen Wachdienst. Das geht aus der Antwort auf ein von Wolfgang von Cieminski verfasstes Schreiben an die Friedhofsverwaltung hervor, die dem Wochenblatt vorliegt. Darin heißt es: „Wir bedauern es sehr, dass auf Ihrem Grab und den Gräbern der anderen Nutzungsberechtigten Vandalismus betrieben wird.“ Weiter heißt es: „Leider kann die Friedhofsverwaltung dieses nicht unterbinden, weil es keinen Wachschutz gibt, der den Friedhof kontrolliert. Ich kann Ihnen nur raten, keine hochwertigen Gegenstände auf den Gräbern aufzustellen.
Einen Wachdienst gibt es auch auf anderen Friedhöfen nicht, wie eine Wochenblatt-Anfrage bei den Verwaltungen der großen Friedhöfe in Ohlsdorf, Öjendorf und Wohldorf/Volksdorf ergab.

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