Das Coronavirus. Foto: Wikimedia/CDC/ Alissa Eckert, Dan Higgins
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Schulen, Kindergärten, Unis sowie Kinos, Bücherhallen, Museen, Theater und Schwimmbäder schließen – Veranstaltungen untersagt

 

Olaf Zimmermann, Hamburg.

Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, hat der Hamburger Senat einschneidende Maßnahmen erlassen. Mit deren Hilfe sollen Kontakte zwischen Menschen auf engem Raum verhindert werden. Schulen und Kindergärten wurden geschlossen (bis 19. April), ebenso Musikklubs, Theater, Museen, Kinos, Schwimmbäder, Volkshochschulen, Kulturzentren, Bürgerhäuser, Bücherhallen und Fitnessstudios (vorerst bis 30. April). An den Hamburger Universitäten wird der Semesterbeginn auf den 20. April verschoben.
Alle öffentlichen und nichtöffentlichen Veranstaltungen sind untersagt, auch der Sportbetrieb auf öffentlichen und privaten Sportstätten (vorerst bis 30. April). Familiäre Veranstaltungen bis maximal 100 Teilnehmer dürfen stattfinden, sollten aber möglichst verschoben werden.
Restaurants, Gaststätten, Kantinen, Mensen bleiben vorerst geöffnet, müssen aber einen Mindestabstand von 1,50 Metern zwischen den Tischen einhalten. Supermärkte und Wochenmärkte bleiben ebenfalls geöffnet.

In Hamburg sind aktuell 664 Menschen mit dem Coronavirus infiziert (Stand: 20.03.), 158 mehr als am Vortag. Derzeit befinden sich derzeit in Hamburg 26 Personen aufgrund einer Erkrankung mit COVID-19 in stationärer Behandlung, sechs davon auf einer Intensivstation.

„Der weiterhin deutliche Anstieg der Fallzahlen wird nach wie vor in einem hohen Anteil durch Urlaubsrückkehrer verursacht. Bei vielen traten Erkrankungssymptome erst mit zeitlicher Verzögerung auf, so dass sie erst mit einigem Abstand zum eigentlichen Ferienende getestet wurden. In den kommenden Tagen wird bundesweit mit einem weiteren deutlichen Anstieg der positiv getesteten Fälle gerechnet“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Nach wie vor gehen die berichteten Krankheitsverläufe in der Regel mit leichten bis mittleren grippeähnlichen Symptomen einher.

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Prof. Dr. Dr. Uwe Koch-Gromus, Dekan der Medizinischen Fakultät des UKE, haben Medizinstudenten zur Mithilfe bei der Krankenversorgung am UKE aufgerufen. Die Studenten sollen vornehmlich zur Unterstützung des Pflegedienstes in der Patientenversorgung eingesetzt werden. Interessierte können sich ab sofort online im Pflegepool unter
www.jukebox-pflege.de/dpp-mzp melden. Es handelt sich um bezahlte Tätigkeiten auf Grundlage eines Hilfskraftvertrags. In Anbetracht der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus soll der Einsatz der Studenten die seit Wochen stark beanspruchten UKE-Mitarbeiter entlasten.

Die rund 260.000 Hamburger Schüler sollen möglichst zu Hause betreut werden. Dennoch wird in allen Hamburger Schulen wird von 8 bis 16 Uhr eine Notfallbetreuung angeboten. Hier können insbesondere medizinisches Personal sowie Mitarbeiter aus für die Allgemeinheit wichtigen Bereichen ihre Kinder bei Bedarf betreuen lassen – damit der Betrieb in Krankenhäusern, Kindergärten und Gas- und Energieversorgern weitergehen kann. Die Notbetreuung gilt für Kinder bis 14 Jahren sowie Kinder mit besonderem pädagogischen Förderbedarf.
Im Kita-Bereich wird ebenfalls eine Notfallbetreuung eingerichtet. Grundsätzlich sollen Kita-Kinder möglichst zu Hause betreut werden. Auch hier ist eine Notfallbetreuung eingerichtet – vorrangig dafür, dass medizinisches Personal sowie Mitarbeiter aus für die Allgemeinheit wichtigen Bereichen ihre Kinder  versorgen lassen können. Wichtig: Kinder nicht von den Großeltern betreuen lassen, bei Senioren besteht eine erhöhte Gefahr, dass eine Corona-Infektion einen schweren Verlauf annimmt.
Schul- und Kitakinder, die aus Risikogebieten (ganz Italien, der ganze Iran, in China Provinz Hubai und in Südkorea die Provinz Nord-Gyeongsang, das Bundesland Tirol/Österreich, Madrid/Spanien, Region Grand Est/Frankreich) zurückkehren, müssen 14 Tage zu Hause bleiben und können NICHT die Notfallbetreuung nutzen – auch wenn sie keine Symptome zeigen. Erwachsenen, die aus Risikogebieten zurückkehren, wird dringend empfohlen, sich in eine 14tägige häusliche Quarantäne zu begeben.
„Wir haben in Deutschland, in Hamburg, das beste Gesundheitssystem der Welt. Dieses Gesundheitssystem wollen wir aufrecht erhalten und stärken“, sagte Bürgermeister Peter Tschentscher. „Dabei sollen alle Bürgerinnen und Bürger mithelfen und sich verantwortlich verhalten.“

Können Arbeitnehmer, wenn Schule oder Kita geschlossen sind, einfach zu Hause bleiben? Muss das Gehalt dann weiter gezahlt werden? „Ein Anspruch auf Gehaltsfortzahlung im Fall der Betreuungsbedürftigkeit des Kindes besteht nur in sehr engen Grenzen“, sagt Ingolf F. Kropp, Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Schlarmann von Geyso.
Laut Paragraf 616 BGB behält ein Arbeitnehmer bei vorübergehenden Verhinderung seinen Anspruch auf Lohn – aber nur dann, wenn er durch einen in seiner Person liegenden Grund und ohne sein Verschulden nicht arbeiten kann. Etwa wenn das Kind erkrankt ist und betreut werden muss.
Ingolf F. Kropp: „Für den Fall der Schließung des Kindergartens ist es streitig, ob der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer dieses Risiko zu tragen haben. Grundsätzlich müssen Eltern für den Ersatz der Kinderbetreuung sorgen, erst recht, wenn es vorhersehbar war wie bei einem angekündigten oder angedrohten Streik.
Sofern die Betreuungsmöglichkeit plötzlich und unvorhersehbar wegfällt, ist vorstellbar, dass für einen kurzen Überbrückungszeitraum der Arbeitgeber das Gehalt weiter bezahlt, damit der Arbeitnehmer eine entsprechende Betreuungsmöglichkeit finden kann. Hier sollte aber immer eine entsprechende Abstimmung mit dem Arbeitgeber vorgenommen werden.“
Allerdings kann laut Rechtsprechung Eltern und Kindern zugemutet werden, Kinder auch kurzfristig in die Obhut Dritter zu geben. Der persönliche Betreuungsbedarf ist immer abhängig vom Alter des Kindes und bei gesunden Kindern deutlich niedriger als bei kranken Kindern.
Wichtig: Paragraf 616 BGB kann durch einen Tarifvertrag oder einen individuellen Arbeitsvertrag eingeschränkt oder auch vollständig ausgeschlossen werden.

Was ist zu tun?
Die Gesundheitsbehörde rät, regelmäßig sorgfältig Hände zu waschen, ins Taschentuch oder in die Armbeuge zu niesen/husten und Abstand zu erkrankten Personen zu halten.

Wer bei sich Symptome wie Fieber, trockenen Husten, Schnupfen, Abgeschlagenheit, Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen oder Schüttelfrost entdeckt, sollte nicht direkt eine Praxis oder Klinik aufsuchen, sondern telefonisch den Hausarzt oder den Arztruf Tel 116117 kontaktieren.

Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das neuartige Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden.
Die Infohotline Tel 040 428 284 000 ist rund um die Uhr erreichbar.

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