„Viva la musica! Forza Ferrari! Bravo Luci!“ rufen seine Freunde, wenn Luciano Favarone die Bühne in seiner Werkstatt betritt. Foto: Dirk Andresen

Von Dirk Andresen. Schon die selbstgewählte Berufsbezeichnung sagt eine Menge über diesen bemerkenswerten Zeitgenossen aus. Als „Blechkosmetiker“ beschreibt Luciano Favarone sich selbst. Im ölverschmierten Einteiler mit Ferrari-Logo werkelt er dabei spitzbübisch grinsend im Motorraum einer Nobelkarosse vor sich hin.

KFZ-Mechatroniker? Karosseriebauer? Nein, damit wird man ihm wirklich nicht gerecht. Edle Autos – häufig speziell aus seiner Heimat „bella Italia“ – sind sein Ding. Aber nicht nur die. „Luci“, wie seine Freunde ihn rufen, ist viel mehr: Schrauber, Sänger, Entertainer, Lebenskünstler, Komiker und Liebling der Hamburger Promiszene – das alles passt auf das Unikum mit den universellen Fähigkeiten.

Seine große Liebe gehört neben den PS-Powerpaketen, Gattin Monika und Tochter Laura der Musik. Und Hamburg. Und das kam so: „1977 fragte mich ein Freund, mit dem ich in meiner Heimat bei Venedig in einer Band spielte, ob ich mit ihm nach Hamburg gehen würde. Dort seien schließlich auch die Beatles große Stars geworden.“

Gefragt, getan! Nur, das mit dem Ruhm gestaltete sich deutlich schwieriger als geplant. Also musste neben der Musik eine einträglichere Geldquelle her. Außer diversen Gigs auf St. Pauli absolvierte „Luci“ die Meisterschule und eröffnete schließlich seine eigene Werkstatt auf einem Hinterhof im Bezirk Eimsbüttel.

Erst kam „Alfons“, später dann Carlo von Tiedemann

„Am Anfang war es verdammt schwer“, erinnert er sich. Aus alten Paletten baute sich der Motoren- und Musik-Freak in einer Ecke seines Betriebes eine Bühne, stellte ein Schlagzeug und ein paar alte Verstärker drauf – und legte los. Und mit der Musik kamen immer mehr und immer prominentere Kunden. Zunächst der NDR-Satiriker „Alfons“, der brachte bald bekannte Kollegen wie Kultmoderator Carlo von Tiedemann mit. Später ließen sich Kicker vom HSV und St. Pauli blicken. Zum „Luci“-Fan wurde schließlich auch Schlagerproduzent Jo Geisler. Der war derart angetan, dass er einen Plattenvertrag anbot und unter anderem den Song „Pizza, Pasta, Amore“ mit seinem neuen Schützling produzierte. Der erste (und bisher auch einzige) Hit des singenden Schraubers, der bald unter dem Künstlernamen Luciano Della Rossa mit Frank Zander oder Bernd Clüver auf Tournee ging.

„Reich bin ich dabei nicht geworden“, sagt der hanseatische Venezianer, „aber ich habe eine Welt kennengelernt, die ich sonst nie gesehen hätte.“ Und Freunde gefunden. Viele Freunde. Fast im Minutentakt schneien nicht selten mehr oder weniger bekannte Menschen in seine stets blitzbank geputzte Werkstatt. Dort steht auch ein weiterer Star. Ein echter Ferrari, sein eigener natürlich. Aber auch Oldtimer und ganz durchschnittliche Autos werden dort vom Maestro persönlich flott gemacht.

Wen er mag, den lädt „Luci“ manchmal nicht nur zur Probefahrt, sondern auch gern zu einem Stück Käse, ein paar Scheiben Salami, Pane (Weißbrot) oder auch mal einen Vino aus seiner Heimat ein.

Ein Herz für Talente hat er obendrein. Auf seiner Bühne durften schon viele musikalische Nachwuchshoffnungen ihre Künste zeigen. Seine Tochter Laura sang sich gar auf den dritten Platz beim berühmten San-Remo-Festival. „Das zu erleben, war wie ein Märchen“, schwärmt der stolze Vater.

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