HADAG-Schiffsführer Andrej Kreker zeigt die Gegensprechanlage, mit der Passagiere an Bord der Fähren im Notfall Kontakt zum Schiffsführer aufnehmen sollen. Foto: pr
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Von Wolfgang Wittenburg. Hin und wieder gibt es in Bus und Bahn Ärger mit Fahrgästen. Was ist zu tun, wenn man sich von anderen Fahrgästen bedroht fühlt? Die Frage ist offenbar nicht so leicht zu beantworten, denn auf HADAG-Fähren darf offenbar nicht jeder helfen, jedenfalls nicht der Kioskmitarbeiter.

Das ist passiert: Marlies S. (Name der Red. bekannt), seit 20 Jahren HVV-Kundin und Inhaberin einer Monatskarte, ist an einem Dienstagmittag mit der Fähre 62 von Finkenwerder zum anderen Elbufer unterwegs. „Kurz vor Neumühlen habe ich mich auf einen freien Platz vor dem Kiosk gesetzt, da ich bald aussteigen musste“, erinnert sie sich.

„Plötzlich stand ein aggressiver Mann mit einer Bierdose vor mir. Er pöbelte aufs Übelste, versuchte, mich wegzudrängen und beleidigte mich lautstark.“ Was tut man in so einer brenzligen Lage? Marlies S. versuchte es so: „Ich bat den Kioskverkäufer, der alles beobachtet hatte, um Hilfe, die er mir jedoch verwehrt hat.“ Nachdem Marlies S. wieder festen Boden unter den Füßen hatte, war klar, sie will sich beschweren. Doch auch das ist nicht so leicht: Da der benannte Mitarbeiter kein HADAG-Angestellter ist, leitete das Unternehmen die Beschwerde an die Firma „Elbe-Erlebnistörns“ weiter. Von dort hieß es: „Unseren Mitarbeitern ist es von HADAG untersagt, bei Zwischenfällen einzugreifen.“

Marlies S. fühlt sich nicht ernst genommen

Von diesem Hin und Her enttäuscht, fühlt sich HVV-Kundin Marlies S. nicht ernst genommen und sieht den Zwischenfall heruntergespielt. Dazu sagt Tobias Haack, Vorstand HADAG Seetouristik und Fährdienst AG: „Wir bedauern, dass Ihre Leserin und unser Fahrgast diese Erfahrung bei uns an Bord machen musste.“ Es gab bereits einen E-Mail-Austausch, man werde sich noch „mit einer Zusammenfassung bei unserem Fahrgast melden.“

Fälle von Fahrgastbelästigung treten an Bord der Fähren selten auf, sagt Haack. Man werden mit Elbe-Erlebnistörns über den Vorfall sprechen. Außerdem nehme man den Vorfall zum Anlass, die Gegensprechanlagen deutlicher zu kennzeichnen. Denn die sollen helfen, im Notfall wirklich Unterstützung zu bekommen: Im Fall der Fälle sollen Fahrgäste damit Kontakt zum Schiffsführer aufnehmen.

Was tun im Nofall?
Uwe Rehmke, Revierleiter des Neugrabener Polizeikommissariats 47, rät: „Suchen Sie sich bei Bedrohungen oder Belästigungen zunächst Unterstützung und Schutz, indem Sie andere Fahrgäste auf sich und die Situation aufmerksam machen. Sprechen Sie diese gezielt an und bitten Sie um Hilfe.“ Über 110 sollte die Polizei informiert werden. Schildern Sie die Situation und beschreiben Sie genau, in welchem Verkehrsmittel Sie sich aufhalten und wo es sich befindet. Sprechen Sie zudem den Fahrzeugführer an, sofern die Situation es erlaubt. In Zügen der U- und S-Bahnen und in Fähren gibt es Gegensprechanlagen zum Fahrzeugführer, ein Busfahrer kann direkt angesprochen werden.

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