Man sieht es, Gitarren sind ihr Leben: Mario Brüggen (33, l.) und Robin König (29). Foto: Dirk Andresen
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Von Dirk Andresen. Es riecht nach Holz. Nach Leim und nach Lack. Aber hier zimmern keine Tischler Fenster, Türen oder Treppen. In der kleinen Werkstatt in Ottensen werkeln Robin König (29) und Mario Brüggen (33) an Gitarren. Sie fabrizieren keine Klampfen von der Stange, sondern Instrumente, die sie ihren Kunden quasi auf den Leib schneidern.

Seit 2019 betreiben die beiden Kumpels, die ihr anspruchsvolles Handwerk gemeinsam beim Aachener „Gitarren-Guru“ Walter Kraushaar lernten, die „Gitarrenwerkstatt König & Brüggen“ im Gewerbehof Hagen (Hohenesch 64 – 68), einem der letzten gewerblich genutzten Hinterhöfe des Stadtteils.

In „Königs Reich der satten Sounds“ wird solange gehobelt, geschliffen, gebohrt und gelötet, bis alles perfekt passt – und klingt. Und sowas kostet. Zwischen 3.000 und knapp 6.000 Euro muss man für eine echte „König“ auf den Tisch legen.

Bis 2014 hatte König seinen am Laden am Hellkamp

Ein stolzer Preis, wenn man berücksichtigt, dass brauchbare Akkustik- und Elektro-Gitarren schon ab circa 200 Euro, Produkte der Nobel-Hersteller Fender und Gibson ab circa 1.000 Euro zu haben sind. Reich sind König und Brüggen bisher trotzdem nicht geworden. Ihre Arbeit lieben sie trotzdem. „Wir müssen den Umsatz noch ein bisschen erhöhen“, sagt Robin König, „als ich noch allein die Werkstatt betrieben habe, konnte ich ganz gut davon leben. Aber zu zweit müssen wir uns natürlich die Einnahmen teilen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns.“

Drei ihrer High-End-Saiteninstrumente haben sie im letzten Jahr verkauft. „Noch leben wir hauptsächlich von Reparaturen anderer Gitarren, die Kunden uns anvertrauen“ , sagt Mario Brüggen. Auf seiner Werkbank liegt gerade eine Gibson-Westerngitarre der legendären „John-Lennon“ -Serie. Wer so ein edles Instrument einem Spezialisten anvertraut, der hat vollstes Vertrauen in dessen Können und Fingerfertigkeit.

Warum sie für ihre selbstgebauten Lieblinge so stolze Preise aufrufen, begründet Brüggen ziemlich nachvollziehbar: „Mit allen Arbeitsgängen dauert die Fertigung einer unserer Gitarren ungefähr drei Monate. Davon sind circa 80 Stunden reine Arbeitszeit.“

Bei einem für diese kreative Branche eher niedrig angelegten Stundenlohn sind das schon 2.400 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für teure Hölzer und Hardware. Brüggen: „Bis zu zehn Stunden brauchen wir allein, um mit den Kunden deren Wünsche bis ins letzte Detail auszuloten. Etwa: Wie soll der Sound sein? Wenn ein Gitarrist, dann etwa sagt: Fett oder brazzig – was heißt das genau? Viele Bässe? Viele Mitten? Mehr Blues-Klang? Mehr Rock? Mehr Metall? Eher glasklar? Oder doch verzerrt? Es gibt unendlich viele Einzelheiten abzuklären und umzusetzen.“

Wie kommt man zu so einem Job? „Ich bin Linkshänder“, sagt Robin König lächelnd: „Als ich mit 15 anfing, Gitarre zu spielen, gab es kaum Lefthand-Modelle. Da sagte mein Vater, der eine Tischlerei hatte: ,Dann machen wir dir eben selber eine Gitarre’. Das haben wir dann auch getan. Damit fing alles an.“

In einer Ecke des väterlichen Betriebes baute er nach seiner Lehre dann schließlich auch sieben eigene Modelle, um in seinem ersten Laden, den er 2014 im Hellkamp in Eimsbüttel eröffnete, eine Kollektion von König-Klampfen anbieten zu können. In der „Gitarrenwerkstatt“ hängen jetzt deutlich mehr Luxusinstrumente.

Warum ihm sein Beruf so viel Spaß macht, verdeutlicht Mario Brüggen anhand einer kleinen Anekdote: „Beim Konzert eines Gitarristen-Trios stand ich vor der Bühne und schaute auf die Instrumente. Alle drei spielten Gitarren, die ich gebaut hatte. Was gibt es Schöneres?“

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