Elbe Wochenblatt-Mitarbeiter Dirk Andresen vor Ort: Um sie für das Foto besser sichtbar zu machen, sind die Haufen mit Leuchtfarbe markiert. Foto: Dirk Andresen
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Von Dirk Andresen. Gepflegt sieht es aus – auf den ersten Blick: Nette Einfamilienhäuser wechseln sich mit schicken Reihenhausanlagen ab. Adrett geschnittene Hecken, sauber gemähte Rasenflächen. Und doch stinkt es hier gewaltig, riecht längst nicht mehr nur nach Ärger.

In Eidelstedt tobt ein erbitterter Kleinkrieg. Immer mehr Anwohner fühlen sich von einigen aggressiven Hundehaltern bedroht, die sich notorisch weigern, die Kothaufen ihrer Vierbeiner von Bürgersteigen und öffentlichen Grünflächen zu entsorgen.

Betroffen sind Anwohner wie Maria Wrocklage (Name geändert), eine junge Mutter. Wenn sie mit ihren Kindern (zwei und sechs) zur Kita oder zum Einkaufen geht, traut sie sich nicht mehr, einige Hundebesitzer, die das Geschäft ihrer Lieblinge einfach ignorieren, anzusprechen. „Weil ich inzwischen einfach befürchte, deshalb geschlagen zu werden.“
Barbara K., eine ältere Dame, sagt: „Ich bin schon mehrfach bedroht worden, ebenfalls mit Schlägen.“

Aus Furcht vor Repressalien und Gewaltakten wollen sich die beiden Frauen nicht fotografieren lassen. Wrocklage: „Hier herrscht längst ein Klima der Angst.“ Ganze Batterien von Hundehaufen zieren an der Ecke Halstenbeker Weg/Borkenweg in alle Richtungen die Seitenstreifen und Gehwege. „So schlimm war es noch nie“, klagt Barbara K. Sie hat eine Erdgeschosswohnung direkt am Halstenbeker Weg. „Im Sommer kann ich nicht auf meiner Terrasse sitzen, so extrem weht der Gestank von der Straße herüber.“

Angst vor Fotoaufnahmen hat A. Turan nicht. Die Firma des Gärtners mit Migrationshintergrund ist vor der eigentlichen Gartenpflege jedes Mal zunächst mit der Beseitigung der Hundehaufen beschäftigt. Dem fleißigen Gärtner Turan schlägt indes offener Hass und Rassismus entgegen. „Als ich gerade dabei war, einen Hundehaufen zu beseitigen“, berichtet er, „ließ eine junge deutsche Frau ihren Hund direkt neben mir sein Geschäft erledigen. Als ich sie freundlich ansprach, ob sie das beseitigen könnte, schrie sie mich an, ich solle doch dorthin zurückgehen, wo meine Familie herkommt.“

Außerdem höhnte die Hundehalterin mit Bezug auf Turans muslimische Wurzeln: „Ich bin noch Jungfrau!“ Turans deutscher Kollege G. Hentschel bestätigt die rassistischen Attacken: „Unfassbar, was wir uns teilweise von Hundehaltern anhören müssen.“
Dabei ist die gesetzliche Lage eindeutig: Herrchen oder Frauchen sind verpflichtet, die Kothaufen ihrer Hunde von öffentlichen Flächen zu entfernen, ansonsten droht eine Geldstrafe zwischen 30 und 100 Euro.

Hundekot:
Knapp 100.000 Hunde sind derzeit in Hamburg gemeldet, die täglich fast 20 Tonnen stinkenden Schiet hinterlassen. Die benötigten Plastikbeutel sind kostenfrei bei der Stadtreinigung oder in allen Budnikowski-Filialen erhältlich.

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