Viel zu zählen: Die Wähler konnten jeweils fünf Stimmen für die Landes- und die Wahlkreislisten abgeben. Foto: cvs

Wer gedacht hatte, der grüne Erdrutschsieg bei den Wahlen zur Bezirksversammlung vor sieben Monaten sei eine Eintagsfliege gewesen, hat sich getäuscht. In der Sternschanze und in Eimsbüttel bestätigten die Grünen ihre Vormachtstellung, mit 41,2 und 40 Prozent liegen sie weit vor der SPD. In Hoheluft-West ergab die Auszählung der Stimmen ein ähnliches Bild, umgekehrte Vorzeichen in Stellingen, wo die Sozialdemokraten stärkste Kraft blieben.

Sternschanze: Die SPD verliert mehr als zehn Prozent

In der Sternschanze büßten die Genossen mehr als zehn Prozentpunkte ein, was durchaus noch den Zumutungen für die Bewohner während des G20-Gipfels geschuldet sein dürfte. Die Linke wurde erneut zweitstärkste Kraft vor der SPD, die jetzt 9,5 Punkte hinter der stärksten Oppositionspartei liegt. Die Wahlbeteiligung stieg deutlich, sie liegt insbesondere in Hoheluft-West mit jetzt 75,5 Prozent der Wahlberechtigten deutlich über dem Hamburger Durchschnittswert von 62,8 Prozent.

In der CDU tobt ein gnadenloser Machtkampf

Neu in der Bürgerschaft ist die CDU-Kandidatin Silke Seif, die bislang der Eimsbütteler Bezirksversammlung angehörte. Sie ist eine von nur drei Frauen unter den 15 CDU-Abgeordneten. Nicht mehr in der Bürgerschaft sitzt Philipp Heißner. Dem Ortsvorsitzenden der CDU Eimsbüttel/ Hoheluft-West fehlten nur etwa 190 Stimmen. Nach der hamburgweiten Verzwergung der CDU macht Heißner als Vorsitzender der Jungen Union in Hamburg Druck. Er forderte, dass der als liberal geltende CDU-Spitzendidat Marcus Weinberg, er verpasste den Einzug in die Bürgerschaft ebenfalls, nicht mal mehr die Sondierungsgespräche mit der SPD führen dürfe. Ein übles Nachtreten, das an das Verhalten der Christdemokraten mit dem Spitzenkandidaten von 2015, Dietrich Wersich, erinnert. Heißner gehört dem konservativen Lager der CDU an, das nach dem erneuten Wahldebakel die Macht übernehmen will.

Der Bezirk Eimsbüttel entspricht auf Parteiebene dem CDU-Kreisverband. Der wird vom CDU-Bundestagsabgeordneten Rüdiger Kruse geleitet, der die CDU als liberale Großstadtpartei verortet und die grün-schwarze Koalition auf Bezirksebene vorangetrieben hatte. Mit Blick auf die von Grün-Schwarz im Koalitionsvertag beschlossene Eimsbütteler Verkehrswende hatte Heißner unter lautstarkem Beifall der Delegierten beim Parteitag in der vergangenen Woche im Besenbinderhof analysiert, sie hätte der CDU das Ergebnis fünf Prozent (minus zwei Prozent im Vergleich zur Bürgerschaftswahl 2015, Anm.d.Red.)) beschert.

Ergebnisse nach Stadtteilen:

Stellingen
SPD 39,2 (49,0) -9,8
Grüne 26,4 (13,8) +12,6
CDU 9,8 (12,3) -2,5
Linke 9,8 (9,3) +0,5
AfD 4,6 (5,2) -0,6
FDP 3,8 (5,7) -1,9
Wahlbeteiligung 63,8 (56,2) +7,6

Eimsbüttel
Grüne 40,0 (24,9) +15,1
SPD  28,0 (39,6) -11,6
Linke  14,7 (15,1) -0,4
CDU  5,3 (7,3) -2,0
FDP  3,2 (4,9) -1,7
AfD  2,1 (2,6) -0,5
Wahlbeteiligung 74,5 (64,9) +9,6

Hoheluft-West
Grüne 39,5 (24,2) +14,3
SPD  30,8 (42,2) -11,4
Linke  11,5 (11,0) +0,5
CDU  6,3 (8,7) -2,4
FDP  3,8 (6,2) -2,4
AfD  2,0 (2,0)
Wahlbeteiligung 75,5 (65,7) +9,8

Sternschanze
Grüne 41,2 (27,0) +14,2
Linke 26,0 (29,1) -3,1
SPD 16,5 (26,6) -10,1
CDU 3,1 (2,9) +0,2
AfD 1,2 (1,3) -0,1
Wahlbeteiligung 68,5 (56,1) +12,4

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