Bürgermeister Peter Tschentscher erklärt den SPD-Wahlsieg, Katharina Fegebank hört nur mäßig gut gelaunt zu. Foto: patrick becher
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SPD gewinnt Bürgerschaftswahl – Grüne verdoppeln ihren Stimmenanteil – neues Debakel für CDU, FDP raus, AfD drin

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd.
Hamburg bleibt eine Hochburg der SPD. Die Sozialdemokraten um Bürgermeister Peter Tschentscher sind bei der Bürgerschaftswahl mit 39,2 Prozent der Stimmen stärkste Partei geblieben – deutlich vor den Grünen (24,2). Die CDU schaffte es, ihr bislang schlechtestes Ergebnis von 2015 noch einmal zu unterbieten und landete bei 11,2 Prozent.
Die Linke erreichte solide 9,1 Prozent, die FDP wurde nach der Thüringen-Aktion aus der Bürgerschaft gekegelt (4,9). Dafür zog die von den Demoskopen am Wahlabend lange Zeit unter fünf Prozent angesiedelte AfD mit 5,3 Prozent klar in die Bürgerschaft ein.
Derzeit deutet alles auf eine Fortsetzung der Rot-Grünen Koalition hin – obwohl Bürgermeister Tschentscher angekündigt hat, auch mit der verzwergten CDU reden zu wollen.

Der Bezirk Harburg bleibt Hamburgs AfD Hochburg. In jedem Harburger Stadtteil hat die AfD deutlich über fünf Prozent der Stimmen erreicht, in Neuland lag die AfD (11,8) sogar vor den Grünen (11,3). Dafür war die Wahlbeteiligung mit 55,7 Prozent die zweitniedrigste unter den Bezirken. Überraschend: Auf der Veddel war die Wahlbeteiligung höher (51,8) als in Wilhelmsburg (49,1).
Der Hamburger Süden – von Wilhelmsburg, Harburg, Süderelbe bis Finkenwerder – wird von den folgenden Abgeordneten im Hamburger Parlament vertreten: Ralf Neubauer (SPD), Sören Schumacher (SPD), Birgit Stöver (CDU), Britta Hermann (Grüne), Miriam Block (Grüne) Matthias Czech (SPD), André Trepoll (CDU), Gudrun Schittek (Grüne), Claudia Loss (SPD), Melanie Leonhard (SPD), Michael Weinreich (SPD), Sami Musa (SPD), Sabine Böddinghaus (Linke), Stephanie Rose (Linke), Monika Winkler (AfD) und Olga Petersen (AfD).

Stimmen zur Wahl:
Britta Herrmann, bislang Fraktionschefin der Grünen in der Harburger Bezirksversammlung, wird künftig in der Bürgerschaft mitmischen: „Wir Grüne haben bei dieser Wahl doppelt so viele Stimmen im Vergleich zur letzten Bürgerschaftswahl bekommen. Damit sind wir auch die Gewinner dieser Wahl. Ich persönlich freue mich über diese große Zustimmung, weil es mir zeigt, dass wir mit unseren Themen, in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.“

Auch die Heimfelderin Claudia Loss (SPD) wird erstmals der Bürgerschaft angehören. „Die Hamburger Wähler haben ein klares Statement abgegeben: Sie möchten weiterhin gut regiert werden. Besonders das gute Harburger Ergebnis der SPD (42,8%) freut mich persönlich sehr, zeigt es doch eine große Zustimmung für unsere Arbeit im Bezirk. Leider ist es uns nicht gelungen, alle Wähler davon zu überzeugen, ihre Stimme nicht einer Partei des rechten beziehungsweise des rechtsextremen Spektrums zu geben. Darüber hinaus gilt mein großer Dank den vielen Wahlhelferinnen und Wahlhelfern für ihren Einsatz.“

Matthias Arft (AfD Süderelbe) schaffte es nicht in die Bürgerschaft: „Es ist gut und wichtig, dass wir wieder in der Bürgerschaft vertreten sind. In Harburg und Süderelbe bin ich mit unserem Ergebnis zufrieden. Darauf werden wir aufbauen. Mich besorgt die niedrige Wahlbeteiligung von zum Teil nur knapp über 20 Prozent in einigen Gegenden von Süderelbe. Warum haben so viele Bürger dort von ihrem Wahlrecht keinen Gebrauch gemacht? Diese Frage muss geklärt werden.“

Die Wilhelmsburgerin Sonja Lattwesen (Grüne), die den Einzug in die Bürgerschaft knapp verpasst hat, sagt: „Im Wahlkampf wurden wir auf die Verkehrssituation angesprochen – mehr Sicherheit für Fahrradfahrer und Fußgänger, Überlastung von Bus 13 und S3, Tempo 30. In Finkenwerder kam außer der Überlastung durch den Verkehr und die bekannte Lage an der Fähre 62 noch die Anbindung der Fähre 64 und das Nadelöhr Köhlbrand-Querung dazu. Ein großes Thema war die Bildung: von der Elternschule bis zu den weiterführenden Schulen. Das Thema Wohnen wurde nicht nur durch die Neubauprojekte bestimmt, sondern fast noch mehr durch die Mietsteigerungen bei der SAGA. Diese Themen werden wir für die Arbeit in der Bürgerschaft mitnehmen“

Birgit Stöver (CDU Harburg), wurde erneut in die Bürgerschaft gewählt. Ihr Kommentar: „Das Wahlergebnis auf der Landesebene ist eine bittere Niederlage für die Hamburger CDU, daran gibt es nichts zu beschönigen. Den Wählerwillen müssen wir so in seiner Klarheit annehmen. Wir haben es nicht geschafft, unsere Themen zu platzieren und für eine Wechselstimmung zu sorgen. Es kommt nun darauf an, das Ergebnis selbstkritisch und ehrlich aufzuarbeiten und notwendige Konsequenzen zu ziehen. Mein Dank gilt allen Wahlhelfern und meinen Wählern für ihre Unterstützung – ich werde mich persönlich weiterhin für die CDU und unser Harburg einsetzen.“

Zahlen zur Wahl

Ergebnis Hamburg
SPD: 39,2
Grüne: 24,2
CDU: 11,2
Linke: 9,1
AfD: 5,3
FDP: 4,9

Wahlkreis 02 Wilh./Finkenw.
(Landesliste)
SPD: 47,0
Grüne: 15,3
CDU: 8,4
Linke: 12,0
AfD: 8,1
FDP: 2,8

Wahlkreis 16 Harburg
(Landesliste, Wahlbeteil.: 55,4)
SPD: 40,7
Grüne: 20,2
CDU: 11,1
Linke: 9,5
AfD: 7,9
FDP: 3,7

Wahlkreis 17 Süderelbe
(Landesliste, Wahlbeteil.: 56,0)
SPD: 43,9
Grüne: 16,3
CDU: 13,7
Linke: 6,6
AfD: 9,0
FDP: 4,6

Ausgewählte Stadtteile

Veddel
Landesliste
(Wahlbeteiligung: 51,8 )
SPD: 32,0
Grüne: 22,7
CDU: 1,6
Linke: 26,7
AfD: 3,4
FDP: 1,6

Wilhelmsburg
Landesliste
(Wahlbeteiligung: 49,1 )
SPD: 43,1
Grüne: 18,1
CDU: 6,6
Linke: 17,2
AfD: 6,1
FDP: 2,2

Finkenwerder/Waltershof Landesliste
(Wahlbeteiligung: 65,4)
SPD: 50,2
Grüne: 17,8
CDU: 8,7
Linke: 8,1
AfD: 6,6
FDP: 3,2

Harburg Kern
Landesliste
(Wahlbeteiligung: 48,1)
SPD: 32,4
Grüne: 25,0
CDU: 7,9
Linke: 13,3
AfD: 10,8
FDP: 7,6

Heimfeld
Landesliste
(Wahlbeteiligung: 57,0)
SPD: 37,7
Grüne: 23,9
CDU: 10,0
Linke: 11,0
AfD: 5,8
FDP: 4,3

Neugraben-Fischbek
Landesliste
(Wahlbeteiligung: 54,2)
SPD: 44,5
Grüne: 15,9
CDU: 13,1
Linke: 6,3
AfD: 9,6
FDP: 4,3

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