Lehrerin und Historikerin: Sabine Reyeros-Petsch im „Haus der Geschichte“. Foto: Dirk Andresen
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Von Dirk Andresen. Manchmal zaubert die gute Fee direkt nebenan. Und keiner merkt es so richtig. So wie Sabine Reyeros-Petsch. Die 55-jährige Pädagogin und Historikerin sitzt in ihrem Büro im „Haus der Geschichte“ in der Müggenkampstraße 77 und wartet. Auf Leute die Lust auf die Geschichte unserer Stadt haben. Speziell auf die Geschichte Eimsbüttels. Und davon gibt es leider immer noch viel zu wenig. Denn: Zum großen Teil aus ihren eigenen finanziellen Mitteln bestreitet die sympathische Frau die Kosten für ihr Projekt.

1991 kam Reyeros-Petsch wegen ihres Studiums aus Göttingen nach Hamburg. „Damals habe ich viele Archive in Hamburg besucht und erst gemerkt, wie viele historische Schätze dort schlummern, über die kaum jemand etwas weiß. Da kam mir Idee, dieses Material zu nutzen und für möglichst kleines Geld Geschichtsinteressierten zugänglich zu machen.“

Geld aus ihrem Halbtagsjob als Grundschullehrerin, ein paar kleinere Spenden und auch Zuschüsse von Behörden butterte sie in ihren Plan – und eröffnete 2004 ihre erste Ausstellung im eigenen kleinen Museun in der Müggenkampstraße. Thema: Die Geschichte der Apostel-, Christus- und Stephanskirche.

„Einige hundert Leute haben sich das damals schon angesehen“, so Sabine Reyeros-Petsch, „aber ich wollte, dass mehr kommen. Und ich wollte immer, dass der Eintritt umsonst ist oder möglichst gering gehalten werden kann.“

Anfang April beginnt die nächste Ausstellung

Das ist ihr meistens gelungen. Vier weitere Austellungen stellte die zierliche Frau seit damals quasi im Alleingang auf die Beine, die fünfte eröffnet sie jetzt Anfang April. Der Titel: „Die Zigarrenmacher von Eimsbüttel!“

Schon um 1860 begannen die großen Tabakkonzerne ihre Produktionskosten mit den ersten Großversuchen in Sachen Heimarbeit zu senken. Statt teure Fabriken zu bauen, verlagerten sie die Arbeitsgänge in die Wohnungen ihrer Arbeiter.

Das Trocknen und Rollen der importierten Tabakblätter übernahmen Letztere in ihren oft hoffnungslos überfüllten, armseligen kleinen Wohnungen. Ganze Straßenzüge ins Eimsbüttel (Luttherothstraße, Eidelstedter Weg, Stellinger Weg, Luruper Weg und Methfesselstraße) wurden so zu Zentren von „Kleinproduktionsstätten“ für gehobene Rauchwaren. Einige davon, wie der legendäre „Brasil-Hof“ in der Schoopstraße, erreichten bis 1920 regelrechten Kult-Status. Die Museums-Macherin: „Die betroffenen Menschen lebten damals unter erbärmlichen Zuständen.“

Dies zu dokumentieren und den Generationen heute, speziell den Kindern und Jugendlichen, zu vermitteln, hat sich die „gute Geschichtenfee von Eimsbüttel“ auf die Fahnen geschrieben. Dafür indes fehlt es an Hilfe und Engagement anderer. Sabine Reyeros-Petsch: „Ich wollte beispielsweise einen Verein gründen, der das Haus der Geschichte und die Arbeit dort weiter vorantreibt. Sehr, sehr schade: Ich habe bisher nicht so viele Interessierte zusammenbekommen.“

Viel deutlicher kann auch eine gute Fee ihre Nöte nicht artikulieren. Damit ihr die Storys über unsere Vergangenheit nicht ausgehen.

❱❱ Haus der Geschichte,
Müggenkampstraße 77
Tel. 0172/789 36 62,
E-Mail sabine.reyeros-petsch@gmx.net

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