Jan Rieck (69): engagiert, kantig, nicht immer diplomatisch. Foto: Egbert Kiehr
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Folke Havekost, Finkenwerder.
Sein Haus in Finkenwerder könnte einige Geschichten erzählen. Wie es vor rund 130 Jahren erbaut wurde. Natürlich von der großen Sturmflut 1962, die eine gewisse Grundfeuchte im Gemäuer hinterlassen hat. An den dichtbehängten Wänden künden zahlreiche Plakate von neueren Ereignissen: Festivals, die der Hausherr Jan Rieck organisiert und auch selbst mit verschiedenen Jazz-Rock-Combos bespielt hat.
Der 69-jährige Schlagzeuger hat in diesem Jahr zwei große Auftritte. Im Herbst feiert seine in Waltershof gegründete Band Alcatraz ihr 50-jähriges Bestehen. Zuvor steht am letzten Märzwochenende das von ihm organisierte Tidenhub-Open-Air-Rock-Festival auf dem Programm, bei dem er mit Isle of Classic Rock auftritt.
Nur nicht in Finkenwerder, wo das Festival zwischen 2012 und 2017 fünfmal stattfand – sondern in der holsteinischen Randgemeinde Ammersbek. Rieck beklagt, dass die öffentliche Förderung in vierstelliger Höhe eingestellt worden sei, weil Politik, Verwaltung und die Förderorganisation Kulturkreis in Finkenwerder sich eher auf traditionelle Kulturformen wie Trachtenvereine und plattdeutsche Abende konzentrierten. „Das ist nur etwas für Familien und alte Leute“, kritisiert der gelernte Schifffahrtskaufmann: „Die Jugendlichen fahren dann immer über die Elbe, während hier die Kantsteine hochgeklappt werden.“

Die Jugendlichen fahren dann über die Elbe, während hier die Kantsteine hochgeklappt
werden
Jan Rieck
Tidenhub-Veranstalter

Rieck kann spöttisch sein, er mag die Provokation und skizziert sich auf der Website der von ihm geleiteten Kunstförderung Nord (KFN) unter anderem als „Spielverderber und Vaterlandsverräter“. Dass er so auch nach zehn Jahren kultureller Tätigkeit in Finkenwerder bisweilen aneckt, ist wenig überraschend. „Er baut sich mit viel Fleiß etwas auf und stößt es dann wieder um“, sagt ein Insider.
Der engagierte Tausendsassa, der auch schon als Hafenarbeiter, Kurierdienstchef, Buchautor, Horoskopschreiber und Fußballtrainer unterwegs war, bezeichnet sich selbst als „verhasst bei den Alteingesessenen“. Aus der Verwaltung heißt es, die Förderanträge für das 2019 geplante Tidenhub-Festival seien verspätet und unvollständig eingereicht worden.
Im Haus der Jugend, das heute InselPerle heißt, arbeitete Rieck bis 2016 mit Dutzenden Jugendlichen und brachte ihnen Schlagzeug und Rappen bei, ehe ein Wasserschaden das Projekt beendete. Bis heute gab es keinen Neuanfang für die musikalische Sozialarbeit, wobei sich die Gründe dafür je nach Sichtweise unterscheiden.
„Der untere Teil des Hauses müsste renoviert und eingerichtet werden“, sagt Rieck: „Dann würden wir dieselbe Arbeit sofort wieder anbieten. Wir halten uns an die Vorgaben des Bezirksamts, aber wir könnten den Laden in der Jugendarbeit weiterbringen.“
Der Finkenwerderaner SPD-Vorsitzende Ralf Neubauer erfuhr erst durch das Elbe-
Wochenblatt, dass das Tidenhub-Festival nach dreijähriger Pause wiederbelebt wird – allerdings in Ammersbek, wo am letzten Märzwochenende neun Bands hauptsächlich Rock und Jazz spielen werden. „Ich finde es schade, dass die Sache sich so entwickelt hat“, erklärte Neubauer, der bei der Bürgerschaftswahl am Sonntag als SPD-Spitzenkandidat im Wahlkreis 2 antritt: „Die Leute mochten Tidenhub, das Festival war sehr beliebt.“
Auf Nachfrage könnte der Politiker sich eine Tidenhub-Renaissance vorstellen: „Wir würden versuchen, es wieder zu unterstützen.“ Er sei in Kontakt mit Riecks KFN-Stellvertreter Lutz Rahn, so Neubauer: „An uns soll es nicht scheitern.“

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