Entspricht alles dem Schnittmuster? Schnittdirektrice und Damen-Maßschneiderin Ulrike Koch überprüft die neue Jacke an der Schneiderbüste. Foto: istel
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Karin istel, Wilhelmsburg.
Robuste Umhängetaschen, knuddelige Kuscheltiere, fein bestickte Kosmetiktaschen, modisch geschnittene Jacken – das und noch viel mehr ist im NähGut-
DirektShop für den Verkauf liebevoll in Regale einsortiert. Jedes Stück ist ein Unikat, angefertigt in Handarbeit von den Frauen und Männern von „NähGut“, einem Projekt des „Grone Netzwerks Hamburg“.
Insgesamt sind hier 45 Menschen mit der Herstellung der Waren, mit dem Transport sowie im Shop und Lager beschäftigt. Alle sind arbeitslos und bilden sich fort, um auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder einen Job zu bekommen. „Jeder, der hier arbeitet, ist hochmotiviert“, sagt Aurora Meyring, die stellvertretende Teamleiterin des Projektes NähGut.
Marina Weiß (54) arbeitet hier seit zwei Jahren. „Ich wurde arbeitslos und vom Arbeitsamt hierher vermittelt. Ich wollte unbedingt nähen.“

Wir produzieren auch Federmäppchen, Turnbeutel und Jacken für die Kleinen
Elena Schweizer
Maßschneiderin

Genau wie ihre Kollegin an der Nähmaschine gegenüber, Ludmilla Feldman. „Ich kam vor 15 Jahren nach Deutschland. In Russland arbeitete ich als Elektromechanikerin in einer Rundfunkanstalt, in Deutschland als Küchenhilfe. Doch dann verlor ich meinen Job und habe mein Leben geändert. Ich fing an zu nähen“, sagt die 55-Jährige, die ein Jahr im Projekt ist. Wie all ihre Kollegen hat sie jetzt wieder einen Grund, morgens aufzustehen, und einen geregelten Tagesablauf.
„Wir arbeiten hier wie in einem ‘richtigen’ Betrieb“, sagt Ulrike Koch. Die Schnittdirektrice und Damen-Maßschneiderin leitet mit ihrer Kollegin Elena Schweizer, die ebenfalls Maßschneiderin ist, die Frauen und Männer an. Genäht wird, was die Kundschaft so braucht. „Wir sind hier in Wilhelmsburg, einem kinderreichen Stadtteil. Wir produzieren auch Federmäppchen, Turnbeutel und Jacken für die Kleinen“, zählt Schweizer auf.
Was wann genau genäht wird, ist abhängig von den gespendeten Stoffen. „Es sind Reste, die zum Teil Defekte haben. Unser Transportteam holt die Stoffe regelmäßig ab“, so Meyring. „Alle Produkte, die in den Shop gehen, sind also auch nachhaltig.“
Als Konkurrenz zu den Läden vor Ort sieht Meyring den NahGut-Shop nicht. „Bei uns können nur Menschen einkaufen, deren Einkommen so gering ist, dass es nicht gepfändet werden kann. Dem entsprechend sind auch die Preise kalkuliert.“

NähGut
Am Veringhof 19, 2. Stock
Öffnungszeiten:
mo bis fr von 9 bis 14 Uhr
Tel 33 39 70 65
E-Mail: naehgutAGH@grone.de
Im Projekt NähGut sollen Arbeitslose dabei unterstützt werden, wieder einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu finden. Wer arbeitslos ist, kann bei seinem Vermittler in der Bundesagentur für Arbeit (ARGE) nachfragen, ob Plätze bei NähGut frei sind.
Wer bei NähGut einkaufen möchte, benötigt einen aktuellen Einkommensnachweis.

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