„Ich lebe von diesem Markt!“: Fischhändler Wilko Diedrichs befürchtet Umsatzeinbußen. Foto: cvs

Die Fläche rund um das Eidelstedter Bürgerhaus sieht recht verwaist aus: Nur etwa 15 Stände hat der alteingesessene Wochenmarkt an diesem Mittwochmittag – weniger als halb soviel wie sonst. Das mag am schlechten Wetter und am Sturm „Sabine“ liegen, der vielleicht dem einen oder anderen Händler die Anfahrt aus dem Hamburger Umland durchkreuzt hat. „Die Hauptschuld trägt aber das Schreiben des Bezirksamts“, sagt der CDU-Bezirksabgeordnete Sören Ehrlich. Dies wurde Ende Januar an die Marktleute verteilt.

Im Wesentlichen geht es um die Einhaltung der Marktzeiten: So ist das Aufbauen neuerdings erst ab 7 Uhr möglich, also eineinhalb Stunden vor Verkaufsbeginn. Spätestens eine Stunde nach Marktende (mittwochs und sonnabends bis 14 Uhr, freitags bis 19 Uhr) muss die Fläche wieder vollständig geräumt sein. Auch das Stehenlassen der Verkaufswagen über Nacht ist nicht mehr erlaubt. „Diese neuen Regeln sind eine enorme Belastung für die Markttreibenden und damit eine Gefahr für die Zukunft des Wochenmarktes“, sagt Ehrlich.

Fischhändler Wilko Diedrichs aus Kaltenkirchen verkauft seit mittlerweile 34 Jahren frische Meeresfrüchte in Eidelstedt. „Ich lebe von diesem Markt, bin hier drei Tage pro Woche“, sagt er. Normalerweise parkt er seinen Anhänger gegen 3.30 oder 4 Uhr morgens beim Bürgerhaus, um anschließend noch Besorgungen auf dem Großmarkt in der Stadt zu machen. „Fürs Geschäft ist das nicht anders zu machen“, so Diedrichs. Auch das nächtliche Parkverbot sei für die Marktbeschicker eine Katastrophe, weil sie auf die Weise noch viel öfter hin- und herfahren müssten. Da der Eidelstedter Wochenmarkt am Freitag spät endet und am Sonnabend recht früh beginnt, lassen die Betreiber ihren Stand insbesondere in diesen Nächten gerne vor Ort stehen. „Wir haben uns sogar auf eigene Kosten einen Wachdienst besorgt“, sagt Diedrichs.

Zusammen mit ihrem Koalitionspartner, den Grünen, hat die Eimsbüttler CDU einen Antrag an die Verwaltung gestellt, der sich mit den Vorschriften für Marktbeschicker beschäftigt. „Der Eidelstedter Wochenmarkt nimmt in Hamburg eine Sonderrolle ein, weil er sich ein Stück weit seinen ,Dorfcharakter’ bewahrt hat“, sagt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Ali Mir Agha. „Wenn es mit ihm zuende ginge, wäre das für den Stadtteil ein herber Verlust!“

„Keine Neuregelung!“

Laut Bezirksamt werden lediglich bestehende Vorschriften umgesetzt

Das Bezirksamt Eimsbüttel wehrt sich gegen den Vorwurf, die Marktbeschicker mit neuen Auf- und Abbauzeiten schikanieren zu wollen. „Wie auf allen Märkten gilt auch auf dem Eidelstedter Wochenmarkt die entsprechende Zulassungs- und Benutzungsordnung für Wochenmärkte“, erklärt Amtssprecher Kay Becker. Diese besage, dass die Stände eineinhalb Stunden vor Marktbeginn – also ab 7 Uhr – aufgebaut, und eine Stunde nach Marktende – also Mittwoch und Sonnabend bis 14 Uhr sowie Freitag bis 19 Uhr abgebaut sein müssten. „Mit dem Schreiben wurde also keine neue Regelung angeordnet, wie falsch behauptet wird, sondern lediglich die bestehende Marktordnung dargestellt.“ Dabei gebe man den Händlern sogar jeweils eine Stunde mehr für Auf- und Abbau, als gesetzlich festgehalten.

Grund für den plötzlichen Vorstoß des Amts sind offenbar Anwohnerklagen: „Es gab Beschwerden über nächtliche Lärmbelästigung und über das Stehenlassen der Marktwagen außerhalb der Marktzeiten“, so Becker, der jedoch keine genauen Zahlen nennen kann. „Die Beschwerden über den nächtlichen Lärm können wir nicht ignorieren, sondern sie sind nach dem Hamburgischen Lärmschutzgesetz zu verfolgen“, sagt der Sprecher.
Nun will sich das Bezirksamt mit den Betroffenen zusammensetzen, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Dann soll es auch um die Situation der Marktleute während der Bürgerhaussanierung in diesem Sommer gehen. Becker: „Hier ist es so, dass wir in den vergangenen Wochen unterschiedliche Alternativen geprüft haben. Wir müssen noch Details klären. Ich kann dazu aber sagen, dass es gelingen wird, den Wochenmarkt am gewohnten Standort zu halten. Das funktioniert, indem die Fläche für die Baustelleneinrichtung verkleinert wird und die Markthändler enger zusammenrücken.“

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