Rotkohl, frisch geerntet: Wer Zeit und Lust hat, kann beim Anbau selbst mit aktiv werden. Foto: Solawi Superschmelz/Nicole Laka

Wilhelmsburger Initiative „Solawi Superschmelz“
hat bereits 600 Mitglieder

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg.
Kartoffeln und Möhren vom eigenen Acker, Mangold, Kürbis und Salat frisch aus dem Garten: Was für viele Städter wohl für immer ein Traum bleiben wird, hat die Wilhelmsburger Initiative „Solawi Superschmelz“ vor zwei Jahren in die Tat umgesetzt.
Der Verein, dessen erster Namensteil für „Solidarische Landwirtschaft“ steht, bietet Ernteanteile aus biologischem Anbau gegen finanzielle Beteiligung an. Gestartet ist man Anfang 2018 mit rund 150 Mitgliedern – letztes Jahr waren es bereits 600. Im Januar sind die offiziellen „Bietrunden“ über die Bühne gegangen, bei denen sich die Teilnehmer ihre Anteile sichern konnten. Noch können Interessenten einsteigen. „40 Prozent der Anteile sind noch nicht vergeben“, sagt Mit-Initiatorin Stefanie Engelbrecht.
Nach den Grundsätzen der „Solawi“ zahlt jedes Mitglied einen Jahresbeitrag ein, dessen Höhe sich nach der Einsatzbereitschaft und nach dem Geldbeutel des Einzelnen richtet. Zurzeit liegt der Richtbetrag bei 560 Euro pro Person und 1.400 Euro für eine Familie. Von dem Geld bewirtschaftet die „Elbinsel-Solawi“ einen Bio-Hof in Wistedt (Landkreis Harburg) mit 4,5 Hektar Ackerfläche.
Angebaut werden rund 60 Gemüsesorten – von Klassikern wie Kopfsalat, Tomaten und Spinat bis hin zu unbekannteren Sorten wie Postelein, Palmkohl und gelber Bete. Pestizide, Kunstdünger und Chemie kommen nicht zum Einsatz. Nach der Ernte wird das Gemüse in Kisten verpackt auf regionale Depots verteilt, wo sich die Genossenschaftler ihren Anteil abholen können. In Wilhelmsburg gibt es aktuell zwei Depots (in der Sanitas- und in der Georg-Wilhelm-Straße), ein drittes in Kirchdorf soll möglichst bald hinzukommen.
Ursprünglich wollten die „Solawistas“ auch in Wilhelmsburg Anbau betreiben, doch das Vorhaben gestaltete sich problematisch: „Viele Flächen sind schadstoffbelastet, was sich leider nicht mit Bio-Anbau vereinbaren lässt“, sagt Engelbrecht. Aktuell sei man aber in Gesprächen mit einem lokalen Anbieter. „Wir sind zuversichtlich, dass es nächstes Jahr etwas wird.“
Für das Projekt in Wistedt haben sich die Elbinsulaner mit dem „Solawi Nordheide“ zusammengeschlossen. Über Kooperationen mit anderen Bioerzeugern kann man zusätzlich Fleisch, Honig, Eier und neuerdings auch Brot „abonnieren“. Deutschlandweit existieren rund 250 ähnlicher Gruppierungen, die vom Netzwerk „Solidarische Landwirtschaft“ vertreten werden.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here