Für Benja- min Schnackenburg und Danelle Belluschi ist es normal, dass sie gemeinsam lernen. Foto: dirk andresen
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Dirk Andresen, Eimsbüttel

Es waren beachtliche Schlagzeilen, mit denen 15- und 16-jährige Schüler der Klasse 9c der Ida-Ehre-Schule für Aufsehen sorgten:. Bürgermeister Peter Tschentscher war dabei, als den 21 Teenagern der Profilklasse Theater/Musik im Ernst-Deutsch-Theater der renommierte Bertini-Preis für ihr Stück „Wir wären alle nicht hier“ verliehen wurde (das Elbe Wochenblatt berichtete). Jetzt erzählen beteiligte Schüler und Lehrer, wie das mutige Projekt zustande kam – und warum sie damit Bildungssystemen, die behinderte Kinder und Jugendliche ausgrenzen, den Kampf ansagen.

Sieben der 21 beteiligten Schüler haben einen „erhöhten Förderbedarf“. Mit dieser beachtlichen Quote ist die 9c durchaus ein Vorzeige-Projekt für gemeinsames, erfolgreiches Lernen und Aufwachsen von „normalen“ und förderbedürftigen Schülern.
Doch wie sieht das im Schulalltag wirklich aus? Warum ist das alte Schulsystem, in dem Pennäler mit Handicap an „Sonderschulen“ separiert wurden, völlig überholt? Wieso birgt die Einbeziehung förderbedürftiger Schüler neue Chancen für alle Beteiligten?

Ohne Vorurteile miteinander umgehen, ist hier Alltag

Der 15-jährige Rollstuhlfahrer Benjamin Schnackenburg: „Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention trat auch in Deutschland erst im Jahr 2008 in Kraft. Erst seitdem wird auch bei uns behinderten Menschen ein Recht auf Bildung und ein einbeziehendes Schulsystem gewährleistet.“

In dem Theaterstück spielt Benjamin eine tragende Rolle. Und bringt in dieser auf der Bühne mit einem schlichten Satz an seine Mitschüler die ganze Brisanz des Themas auf den Punkt: „Ohne diesen UN-Beschluss wäre ich nicht in eurer Klasse. Ich wäre an einer Förderschule, die früher Sonderschule genannt wurde.“

Seine Mitschülerin Danelle Belluschi (15) erklärt, warum auch die nicht gehandicapten Kinder vom gemeinsamen Unterricht profitieren: „Ich lerne seit der ersten Klasse zusammen mit Förderbedürftigen und finde das gut – wir machen keine Unterschiede. Wir ergänzen uns sehr gut. Und wir Kinder ohne Förderbedarf können fürs Leben eine Menge lernen. Wie man offen und ohne Vorurteile miteinander umgeht!“

Benjamin sieht das genauso: „Wir wollen das ,Gemeinsam’ lernen, uns gegenseitig unterstützen und helfen.“ Danelle: „Manche Förderkinder haben Qualitäten, die wir anderen Schüler nicht haben. Zum Beispiel Benjamin. Er sitzt im Rollstuhl, na und! Ist er deshalb ein schlechterer Schüler? Natürlich nicht. Er ist ein kluger Typ, von dem man viel lernen kann.“
Das sieht auch 9c-Klassenlehrer Thomas Bischoff so: „Inklusion – das darf doch nicht nur auf dem Papier stehen. Unsere Klasse ist das beste Beispiel dafür, wie es funktioniert. Die Kinder mögen sich, das Team stimmt.“
Im letzten Akt ihres Stücks singen die Schüler gemeinsam: „Ich und du, du und ich und die ganze Welt macht mit. Denn wo andere Grenzen sehen, fangen wir an zu verstehen.“

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