Erfüllt seinen Zweck nur halb: das P+R-Haus Neugraben. Foto: mag
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Andreas Göhring, Süderelbe

Seit gut fünf Jahren werden Autofahrer in der P+R-Anlage am Neugrabener Bahnhof zur Kasse gebeten: pro Tag zwei Euro, pro Monat 20 Euro, die Jahreskarte gibt’s für 200 Euro. Was hat es gebracht?
Die Parkhäuser sind sauberer geworden – weil sie dank der Gebühreneinnahmen möglicherweise besser gepflegt werden. Wahrscheinlicher ist allerdings: Sie sind sauberer geworden, weil sie weniger genutzt werden. Viele Autofahrer parken jetzt viel lieber kostenfrei im Wohnquartier Vogelkamp. Oder im Neugrabener Zentrum – und nehmen so den Einzelhandelskunden die Stellplätze weg.

Das ist nicht etwa Stammtischgerede – all das hat die „SBI Beratende Ingenieure für Bau-Verkehr-Vermessung GmbH“ haar- klein mit einer monatelangen Dokumentation der Parksituation im Neugrabener Zentrum nachgewiesen. Dabei wurde unter anderem auch festgestellt, dass nicht nur S-Bahn-Pendler ihre Autos irgendwo und eben nicht im P+R-Haus abstellen. Unter den Dauerparkern sind auch viele Menschen, die im Neugrabener Zentrum arbeiten, ob im Einzelhandel oder in einer Anwaltskanzlei. Sie kommen morgens an und fahren nach gut acht Stunden wieder weg.
Was tun? „Wir empfehlen, 266 unbewirtschaftete Parkstände neu bewirtschaften“, sagt SBI-Geschäftsführer Dr. Michael Großmann. Im Klartext heißt das: Auf diesen Plätzen soll das Parken künftig Geld kosten. So sollen die Dauerparker vertrieben werden. Gleichzeitig sollte versucht werden, das P+R-Haus auch für Nicht-HVV-Kunden zu öffnen. Bei der aktuellen Auslastung sieht Großmann dort ein Potenzial von 250 Plätzen.

Leidtragende dieser Vorschläge könnten die Anwohner werden. Für sie schlägt SBI die Einrichtung von „Bewohnerparkzonen“ vor. Das kostet zwar auch eine geringe Gebühr, würde die Anwohner nach einer Eingewöhnungszeit aber auch vom Parksuchverkehr der Pendler entlasten.
Inzwischen hat die rot-grüne Koalition das Thema für alle Wohngebiete im Bezirk aufgegriffen. SPD-Fraktionschef Frank Richter: „Wir schlagen vor, die Überwachung zu verstärken, mehr gebührenpflichtige Plätze einzurichten und zu prüfen, wo Bewohner-Parkzonen eingerichtet werden können.“

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