Christian Warlich (l.) zeigt Kunden sein Vorlagealbum, circa 1936. Foto: Erich Andres/SHMH
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KP Flügel, St. Pauli

Bis zum 25. Mai zeigt das Museum für Hamburgische Geschichte die Ausstellung „Tattoo-Legenden – Christian Warlich auf St. Pauli“. Kuratiert hat sie Ole Wittmann. In der Endphase seiner kunstgeschichtlichen Magisterarbeit hatte er angefangen, Alben mit Tätowierungsmotiven zu sammeln. Nach reiflicher Überlegung entschied er 2006, sich ein euro-asiatisches Motiv tätowieren zu lassen. Als Kind hatte er in Malaysia gelebt, daher sei die Motivauswahl Reflex seiner kulturellen Prägung.

Als der 42-Jährige feststellte, dass es in der Kunstgeschichtsforschung kaum Arbeiten zur Geschichte der Tätowierungen in der Kunst gab, entstand die Idee, darüber zu promovieren. Wenn auch eine Raubkatze das Ausstellungsplakat ziert, war das Schmetterlingsmotiv „Butterfly Divided“ – ein auf einer Vulva tätowierter Schmetterling – von Damien Hirst, der rote Faden in seiner Dissertation. „Ich wusste, dass Christian Warlich recht prägnante Schmetterlingsdarstellungen in seinen Vorlagealben hatte.“ Also schaute sich Ole Wittmann die im Museum lagernden Originale von Warlich und anderen Tätowierern an.

Ein Pionier der
Tattoo-Entfernung

Christian Warlich wurde 1891 in Hannover geboren und kam als 15-Jähriger nach Dortmund, wo er seine Mitschüler tätowierte. Als Heizer fuhr er 1910 auf Hapag-Passagierschiffen nach New York, neben Hamburg und London eine Tätowier-Hochburg, und kam dort mit Tätowierern in Kontakt.
In Hamburg betrieb er ab 1919 eine Gaststätte, in der vor allem Grog ausgeschenkt wurde, in der Kieler Straße auf St. Pauli, der heutigen Clemens-Schultz-Straße. „Hier tätowierte er seine Kunden in einem kleinen Tätowier-Séparée.“ Für die Gaststätte hatte er 1921 ein Gewerbe angemeldet und in den frühen 1960er-Jahren für das Tätowieren. „Da blieb er, bis er im wahrsten Sinne des Wortes im Februar 1964 tot umfiel.“

In dieser einzigartigen Museumsausstellung werden sowohl die Anfänge und Entwi-cklungen der Tätowier-Kunst in Deutschland als auch der Vergnügungskultur von St. Pauli vorgestellt. Neben Warlichs Motiven sind eine Auswahl seiner Konkurrenten zu sehen.
Ein weiteres Thema der Ausstellung ist Warlich als Pionier der Tattoo-Entfernung. Ob sich heute noch viele Tätowierer auf Warlich beziehen? „Absolut“, bejaht Ole Wittmann mit Verweis auf den Instagram-Account nachlass.warlich. Aktuelle Tätowierungen in der Tradition des Nadelpioniers werden hier zahlreich gepostet. „Man sieht tatsächlich, wie diese Tradition fortgeführt wird.“

❱❱ Ole Wittmann (Herausgeber): Christian Warlich: Tattoo Flash Book. Vorlagealbum des Königs der Tätowierer“, 108 Seiten, 38 Euro
www.nachlasswarlich.de

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