Schlamm statt Asphalt: Der Crossrennsport verlangt Jaspar Levi Pahlke alles ab. Foto: p. Seys
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Dirk Andresen, Hoheluft

Er sieht aus wie viele junge Männer in seinem Alter. Jasper Levi Pahlke wirkt noch ein bisschen schlaksig, die letzten Pubertäts-Pickelchen machen sich langsam vom Acker, Brille, hellwache Augen. Dabei gibt es einen ganz gewaltigen Unterschied zwischen dem 17-Jährigen aus Eimsbüttel und seinen Altersgenossen: Jas-per zählt zu den besten der Welt – in seinen Sport. Den Beweis lieferte der Gymnasiast von der Ida-Ehre-Schule am Sonntag im schweizerischen Dübendorf. Im Feld der 66 weltbesten U19-Junioren strampelte er bei den Rad-Weltmeisterschaften der Cross-Spezialisten auf einen hervorragende 23. Platz.

„Dabei waren die Voraussetzungen alles andere als optimal“, sagte der trittfeste junge Hamburger nach seinem Kraftakt, „bei so einem hochklassigen Rennen ist es unheimlich wichtig, aus einer der ersten Startreihen losfahren zu können.“ Jas-per indes musste laut Reglement aus der siebten von insgesamt acht Startreihen loslegen. „Sonst hätte ich wohl noch weiter nach vorne fahren können. Aber immerhin: Im letzten Rennabschnitt konnte ich noch etliche vor mir gestartete Gegner überholen.“

Das größte Talent aus
Hamburg seit Jan Ullrich

Dabei wird im Crossrennsport nicht auf Asphalt sondern querfeldein durch Schlammlöcher, rutschige Anstiege und tückische Streckenabschnitte in die Pedale getreten.
Jasper hat jetzt endgültig bewiesen: Er ist das vielleicht größte Hamburger Talent, seit ein gewisser Jan Ullrich vor knapp drei Jahrzehnten als Teenager an der Elbe die Grundlagen für seine spätere, allerdings äußerst umstrittene Welktkarriere legte.

Fast schon paradox: Seit Ullrich und andere Radprofis ihren Sport mit hässlichen Doping-Schlagzeilen beinahe an die Wand fuhren, kämpfen junge Talente wie Jasper um Sauberkeit und Transparenz in der Radszene. „Ich werde in meinem Alter schon regelmäßig auf Doping getestet“, so Jasper, „und ich finde das gut und richtig so.“
Um auch ohne künstliche Schnellmacher mit den Welt-besten seiner Altersklasse den Kampf aufnehmen zu können, schindet sich der Elftklässler seit seinem zehnten Lebensjahr. Mutter Stephanie, eine Psychologin: „Schon als Kind war Jasper meist auf dem Rad erst so richtig happy. Wir mussten sehr viele Radausflüge mit ihm machen.“

Bei Germania Hamburg startete ihr Sohn seine Laufbahn, heute fährt er für den Harvestehuder SV und das Stevens Racing Team in Hamburg. „Insgesamt absolviere ich im Jahre so um die 12.000 Trainings- und Rennkilometer“, so Jasper. Fast ein Drittel des Erdumfangs. Ein Mordspensum, das er nur schafft, wenn er direkt nach der Schule meist bis in die Dunkelheit Trainingskilometer abreißt.
Und: Bei dem Autoverkehr in und um Hamburg ist das Unfallrisiko nicht zu unterschätzen – der Stress für den Jüngling mit den schnellen Beinen ebenfalls nicht. Stephanie Pahlke: „Schule und Sport in diesem Umfang unter einen Hut zu bekommen, ist schon eine enorme Herausforderung für ihn. Oft sitzt er noch spätabends total kaputt in seinem Zimmer und büffelt für die Schule. „Hausaufgaben ,mache ich auch schon mal in den Schulpausen“, berichtet der Geplagte. Bitter für Hamburg: Um die letzten und härtesten Etappen auf dem Weg zum ganz großen Ruhm bewältigen zu können, wird Jasper Pahlke seine Heimatstadt vielleicht verlassen. Hier fehlen Sponsoren und die Möglichkeit, trotz Schulstress optimal zu trainieren.

Das wurde auch andernorts aufmerksam registriert. Und nicht nur das: Ein Team aus Kaiserslautern, wo Jasper auf einem Radsport-Internat allerbeste Bedingungen für den Start in eine Profi-Karriere geboten werden, wirbt aktuell heftig um den jungen Hamburger.
Für Mutter Stephanie eine zweischneidige Angelegenheit. Klar würde sie ihren Jungen gerne noch ein bisschen begöschern. Aber: „Natürlich möchte ich auch, dass Jasper seinen großen Traum verwirklichen kann.“

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