„Wer macht so etwas und warum?“, fragen sich Sofie (l.) und ihre Klassenkameradin Mathilda und zeigen die zerstörten Holzzäune, die als Absperrung zu den Beeten und Schutz der Pflanzen dienen. Die Viertklässlerinnen hatten 2017 selbst fleißig mitgeholfen, ihren eher kargen Schulhof in ein Paradies für Wildpflanzen und Insekten umzugstalten. Foto: langenbach

Maren Langenbach, Sternschanze

„Uns blutet das Herz und wir sind einfach fassungslos“, sagt Lehrer Stefan Behr traurig, während er seinen Blick über den Schulhof seines Arbeitsplatzes, der Ganztagsgrundschule Sternschanze, Standort Altonaer Straße, schweifen lässt. Wo bis vor kurzem Weiden die ersten Kätzchen sprießen ließen, Insekten in einem eigens für sie gebauten Hotel ihre Larven abgelegt hatten und kleine Holzpfähle die Pflanzen und Beete vor dem Betreten schützten, zeigt sich ein Bild der Zerstörung.

Am Wochenende 18./19. Januar haben unbekannte Täter, vermutlich in zwei aufeinander folgenden Nächten, große Teile des Schulhofs mutwillig zerstört. Auch Schulleiterin Svenja Hohnke zeigt sich betroffen: „Wir sind sehr traurig, entsetzt und auch wütend, denn in diesem Schulhof steckt sehr viel Arbeit, Herzblut und Liebe von sehr vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.“

Stefan Behr, Lehrer für Deutsch und Sachunterricht sowie Umweltbeauftragter der Schule, die in der Ludwigstraße einen zweiten Standort hat, hatte vor einigen Jahren die Idee, den damals noch tristen Schulhof naturnah umzugestalten.

„Was man selber kreiert hat, das schützt man auch“

2017 wurde der Plan in die Tat umgesetzt. „Zusammen mit einer Fachfirma und zig ehrenamtlichen Helfern, diesen Platz hier in den ersten Naturerlebnisschulhof Hamburgs umgebaut“, erinnert sich der 53-jährige Naturfreund. Auch die Schüler haben bei der Umgestaltung fleißig mitgewerkelt, so Behr. „Und was man selber kreiert hat, das schützt man auch, die Kinder achten sehr darauf, dass niemand auf die Blumenbeete trampelt oder die jungen Weiden zerstört. Sie sind zurecht sehr stolz auf ihren Schulhof und passen auf.“

Nun haben die Täter die Blumenbeete zertrampelt, Holzzäune niedergetreten, junge Weidenzweige abgebrochen und einige Bäume sogar komplett aus dem Boden gerissen. Auch das Insektenhotel, gefüllt mit verschiedenen Materialien, das als Nist- und Brutstätte dient, haben sie nicht verschont. Hausmeister Slawomir Buhrke, der auf dem Gelände wohnt, hatte dies beim Gassigehen mit seinem Hund am Sonntagmorgen entdeckt. „Am nächsten Morgen waren noch weitere Pflanzen und Zäune kaputt, so dass die Täter wohl wiedergekommen sein müssen, um ein zweites Mal hier zu wüten“, erinnert sich Buhrke an seine Entdeckung.

Die Schule hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet, wird mithilfe von Flyern die Anwohner um Hilfe bitten. „Rund um den Schulhof befinden sich Wohnungen, viele Gärten und Balkone gehen zum Schulhof raus – vielleicht hat doch jemand etwas gesehen oder gehört und meldet sich“, hofft Behr, der neben seiner Lehrertätigkeit im Landesinstitut für Lehrerbildung andere Schulen zur Gestaltung eines Naturerlebnisschulhofes berät.

Die Deutsche Wildtierstiftung wird für die Schule eine Spendenaktion starten, damit der Naturerlebnisschulhof wieder komplett aufgebaut werden kann. Mit Vandalismus auf ihrem Schulhof hatte die Schule schon öfter zu tun, auch mit „ungebetenen Gästen“, Fremden, die über den hohen Zaun klettern, um etwa am Wochenende auf dem Schulhof Fußball zu spielen. „Dieses Ausmaß ist aber neu“, so Behr. „Wir hoffen sehr, dass, wenn wir das Ganze hier wieder aufgebaut und eingpflanzt haben, das es nicht wieder zerstört wird.“

❱❱ Wer Angaben zum Tathergang machen kann, meldet sich unter
ganztagsgrundschule-sternschanze@bsb.hamburg.de

4.500 Pflanzen
Für das Projekt, dem Schulhof der Sternschanzengrundschule, wurden Stefan Behr und seine Mitstreiter im November mit dem zweiten Platz des Hanse-Umweltpreises 2019 des NABU Hamburg ausgezeichnet. Die Jury begeisterte vor allem die große biologische Vielfalt auf dem Gelände, geprägt durch die 4.500 heimischen Wildpflanzen sowie die Hügelbeete und Trockenmauern.
Außerdem lobte sie, dass die Gestaltung die Kinder zu mehr Bewegung anrege und sie gleichzeitig, dank Schaukästen mit Honigwaben, Nisthilfen und Vogelkästen, viele verschiedene Tiere beobachten und kennen lernen können. ML

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