Letzte Besprechung, gleich geht’s los. Foto: Grundke
Anzeige


Sebastian Grundke, Wilhelmsburg. Es ist etwa 9.45 Uhr und Florian Jacobsen braucht eine Schwimmbadwiese. So sieht es das Skript vor, das die 4b der Grundschule Rotenhäuser Damm gemeinsam mit dem Medienpädagogen vom Norddeutschen Rundfunk heute durcharbeitet. Die Klasse von Katrin Leverkühne und Hildegard Burchert, in der die Schüler aus vielen Nationen kommen, hat die Hörspiel-Aufnahme sozusagen gewonnen. Sie wurde unter allen Bewerbern ausgelost und darf jetzt zusammen mit den Profis vom NDR ein echtes Hörspiel mit dem Titel „Die Sache mit dem Radio: Ein neuer Fall für Tiger Vier“ aufnehmen.
An diesem Mittwoch stehen die Kinder auf dem Schulhof und müssen sich vorstellen, auf der Wiese eines Schwimmbads zu sein. Medienpädagoge Jacobsen geht mit dem Mikrophon herum, während die Schüler Sätze sagen, die man auf einer Schwimmbadwiese so hört. „Lass‘ uns Pommes kaufen“ oder „Ich will nochmal reinspringen“ rufen sie ins Mikro. Der Trubel soll später im Hintergrund zu hören sein, während junge Detektive dem Dieb eines Radios auf die Schliche kommen.
Insgesamt sind es sechs Seiten Skript, die die Kinder teils vom Blatt ablesen, teils auswendig in Jacobsens Mikrofon sagen. Wird der Text vergessen, lässt der NDR-Experte die Aufnahme wiederholen. Solange, bis es passt. Einer Schülerin fällt es ziemlich schwer, so richtig wütend zu klingen. Aber am Ende schreit sie dann doch ihre gespielte Empörung hinaus.
So geht das heute den ganzen Tag: Jacobsen nimmt auf, gibt Tipps zur Aussprache und lässt Passagen wiederholen. „Super!“, „Perfekt!“, „Klasse!“, lobt er, wenn etwas gelingt.
Ist eine Szene fertig, geht Florian Jacobsen mit den Aufnahmen in den Gruppenraum der Klasse zu seinem Kollegen Jürgen Kopp. Der Producer sitzt dort vor einem Laptop mit einer Audiosoftware. Klopp macht aus den Aufnahmen mit den Kindern damit das eigentliche Hörspiel. Manches hat er schon vorbereitet: Hundebellen und andere Geräusche kommen aus der Konserve, auch die Musik zu dem Hörspiel hat er mitgebracht.
Gegen Mittag ist das Hörspiel dann fertig. Manche Kinder klingen fast schon wie Profis, anderen Aufnahmen hört man an, dass sie nicht unter optimalen Bedingungen eingesprochen wurden. Aber das macht den Charme des Hörspieles aus.
Am Ende gibt es eine Feed-back-Runde. Die Kinder sollen Jacobsen die Meinung zu dem Aufnahme-Tag sagen. „Schade, dass man beim Sprechen nicht sitzen durfte“, sagt Mats. Joanna lobt: „Ich fand es trotzdem ganz gut.“ Fatima findet: „Weil ich wenig Rollen hatte, war es etwas langweilig.“
Alle scheinen zwar zufrieden, fanden es aber auch anstrengend. Die meisten ärgert, dass die Aufnahmen häufig wiederholt werden mussten. Insgesamt geben sie Jacobsen für den Tag einen Daumen nach oben mit einem Minuszeichen dahinter.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here