Carl Heinrich Caspar Behn (1799-1853). Reproduktion: Altonaer Stadtarchiv/ Wolfgang Vacano
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REINHARD SCHWARZ,
HAMBURG-WEST

Eine Halbnackte erinnert an einen Altonaer Bürgermeister? Tatsächlich: die Ozeanide, eine Figur aus der griechischen Mythologie, erinnert an den einstigen Altonaer Bürgermeister Carl Heinrich Caspar Behn (1799-1853). An der Behnstraße, Ecke Königstraße steht die fast unbekleidete Dame und trotzt seit 1890 der Witterung, wenn auch nicht immer am selben Standort. Behn, ab 22. Mai 1838 im Amt, gilt als „einer der bedeutendsten Bürgermeister Altonas“, heißt es in dem Standardwerk „Altona – Hamburgs schöne Schwester“. Und auch Altonas Stadtarchivar Wolfgang Vacano ist überzeugt: „Er war einer der besten Bürgermeister Altonas.“

Eigene Wasserversorgung schützte Altona vor Cholera

Allerdings starb er früh, mit 53 Jahren. „Behn hat sich tot gearbeitet, er ist im Amt gestorben“, so Vacano. Die Ozeanide, eine der Töchter des Meeresgottes Okeanos, erinnert an die zahlreichen Verdienste Behns während seiner 15-jährigen Amtszeit. So ließ der „Dirigierende und vorsitzende erste gelehrte Bürgermeister“, so der offizielle Titel, 1840/1841 den „Neuen Hafen“ in Altona ausbauen. Zum Einsatz kam dabei ein in England entwickelter Dampfbagger, durch den es möglich wurde, die Untiefe des „Altonaer Sandes“ zu beseitigen. „Die Ozeanide ist besonders ein Symbol für die eigene Trinkwasserversorgung Altonas“, so Vacano. „So blieb Altona von der Cholera-Epidemie, die Hamburg 1892 heimsuchte, verschont.“.

Während der Amtszeit Behns entstand weiterhin der Bau des ersten Bahnhofs für die „König-Christian-VIII-Ostseebahn“ von Altona nach Kiel. Allerdings konnte Behn sich nicht mit seinem Vorschlag durchsetzen, den Bahnhof weiter nördlich zu errichten und warnte vor einem Standort nahe der Palmaille. Tatsächlich wurde die erste Bahnstation in Höhe der Palmaille platziert, am Standort des heutigen Rathauses, das bekanntlich ein umgebauter Bahnhof ist. Nach nur neunmonatiger Bauzeit wurde die Eisenbahnlinie im September 1844 eröffnet, neun Jahre nach Eröffnung der Bahnstrecke Nürnberg-Fürth.
Auch gilt Behn als Vordenker einer Erweiterung Altonas nach Norden. So geht die Planung für die Allee (heute: Max-Brauer-Allee) auf den umtriebigen Bürgermeister zurück. Vor allem ging es darum, sich von der verschachtelten und verwinkelten Bauweise früherer Jahrhunderte zu verabschieden. Der Plan sah vor, das Gebiet zwischen der Altonaer Altstadt, Ottensen und dem Schulterblatt mit einem Raster sich kreuzender Straßen in rechteckige Baublöcke einzuteilen.

Hier wiederum findet sich der Bezugspunkt zum Behn-Brunnen, denn dieser wurde ursprünglich an der Ecke Allee/Goethestraße errichtet. Doch nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg musste ein neuer Standort gefunden werden. So wurde die Statue an der Ecke Behnstraße/ Königstraße neu errichtet, jedoch ziemlich lieblos, kritisiert Vacano: „Der einstige schöne Sockel ist bei der Umsetzung der Figur verloren gegangen.“ Man habe sich auch nicht die Mühe gemacht, die alte, kunstvolle Umrandung wiederherzustellen. Immerhin sei es durch einen Sponsor gelungen, vor einigen Jahren die alten Wasseranschlüsse des Brunnen zu rekonstruieren und die Figur zu reinigen.

❱❱ Altonaer Stadtarchiv,
Max-Brauer-Allee 134
(über Seiteneingang Hospitalstraße),
Tel. 50 74 72 24,
E-Mail: kontakt@altonaer-stadtarchiv.de
www.altonaer-stadtarchiv.com,
Mo-Fr von 10-16 Uhr (nur nach Voranmeldung).

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