Mit der von ihr gegründeten Bürgerinitiative „Keine Elbtrasse!” setzt sich Ute Heucke gegen die geplante Fernwärmetrasse ein, die am Flottbeker Markt vorbei führt. Foto: jve
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Julia Vellguth, Hamburg-West

Ute Heucke und ihre Mitstreiter sitzen in den Startlöchern. Die Bahrenfelderin setzt sich mit der von ihr gegründeten Bürgerinitiative „Keine Elbtrasse!” gegen den Bau einer Fernwärme leitung durch Othmarschen, Groß Flottbek und Bahrenfeld ein. Die öffentliche Auslegung der Pläne steht unmittelbar bevor.

Seit Jahren beschäftigt sich Ute Heucke mit der Fernwärmetrasse, in den letzten Jahren ihrer Berufstätigkeit als Bautechnikerin in der Baubehörde. „Ich fand die Pläne damals schon Wahnsinn“, erinnert sie sich. Als Vattenfall das Kohle-Heizkraftwerk Moorburg an das Fernwärmenetz anschließen wollte, trommelte die Bahrenfelderin Gleichgesinnte zusammen und rief 2018 eine Bürgerinitiative (BI) ins Leben. Die BI trug zunächst den Namen „Keine Moorburg-Trasse!” und wurde 2019 in „Keine Elbtrasse!” umbenannt, als sich die Pläne für die Trassenführung änderten.

Die Ausgangslage: Das Kohle-Heizkraftwerk in Wedel, das den westlichen Teil des Hamburger Fernwärmenetzes versorgt, ist mehr als 50 Jahre alt und muss ersetzt werden. Die Behörde für Umwelt und Energie plant den Großteil der Ersatzanlagen südlich der Elbe, so dass die lange Fernwärmetrasse mitsamt Elbquerung zum Anschluss an das vorhandene Fernwärmenetz in Bahrenfeld benötigt wird. Das kürzlich von der Stadt zurück-gekaufte Unternehmen Wärme Hamburg GmbH soll dafür den „Energiepark Hafen” in Dradenau errichten.

Die aktuell geplante Fernwärmetrasse soll nach Untertunnelung der Elbe vom Hindenburgpark aus über die Elbchaussee, Parkstraße, Groß Flottbeker Straße über die Straße Zum Hünengrab oder die Seestraße zur Notkestraße führen. Der Bau der Trasse würde nicht nur jahrelange Bauarbeiten, Straßensperrungen, Verkehrschaos und Lärm mit sich bringen sowie Bäume und Hecken unwiederbringlich zerstören – laut Bürgerinitiative werden die Baukosten außerdem auf rund 200 Millionen Euro geschätzt. Viel zu viel Geld auf Kosten der Steuerzahler, meint die BI, während kostengünstigere Alternativen nicht geprüft worden seien. „Viele sagen, die reichen Flottbeker wollen keine Baustellen vor der Tür haben, aber die Trasse ist zu teuer, das geht alle Hamburger etwas an”, meint Ute Heucke.

Die Bürgerinitiative „Keine Elbtrasse!” wendet sich nicht grundsätzlich gegen Fernwärme. „Wir wünschen uns eine ergebnisoffene Prüfung der Alternativen, die hat bisher nicht stattgefunden”, so die Ini-Gründerin. Schon 2018 hat die BI einen Klagefonds eingerichtet, um Anwalts- und im äußersten Fall Gerichtskosten finanzieren zu können. Um hamburgweit für Aufmerksamkeit zu sorgen, wurde auch eine Petition gestartet. In dieser fordert die BI die Planer dazu auf, zur geplanten „Südvariante” der Behörde für Umwelt und Energie auch eine „Nordvariante” zu überprüfen. Diese Variante sei bereits im April 2019 von einer Arbeitsgruppe des Energienetzbeirates, bestehend aus neun Fernwärmespezialisten, empfohlen worden.
Von der Umweltbehörde gab es dazu bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme.

1 KOMMENTAR

  1. Es wäre sehr zu wünschen, wenn der „grüne“ Senator Kerstan und seine Partei für die geplante horrende Steuergeldverschwendung bereite bei der anstehenden Bürgerschaftswahl die gebührende Quittung bekämen. Völlig unverständlich ist auch, dass sich eine bundesweit gebeutelte SPD von diesem Senator und seinen Halb- und Unwahrheiten ausgerechnet bei einem Projekt vorführen lässt, das im ganzen Hamburger Westen von den Bürgern derart engagiert abgelehnt wird. Der amtierende Hamburger Bürgermeister sollte sich wirklich einmal darauf besinnen, die ganze Stadt und deren finanzielles Wohlergehen im Blick zu haben.

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