FLeKS-Schüler auf dem Bauspielplatz Rotenhäuser Feld: Momentan hat die Schule kein eigenes Außengelände. Foto: FLeKS

Räume am Veringhof sind zu klein – jetzt soll
ein städtisches Gelände am Ernst-August-Stieg gekauft werden

Ch. v. Savigny, Wilhelmsburg. Rund zweieinhalb Jahre nachdem sie auf der Elbinsel an den Start gegangen ist, will sich die demokratische Schule FLeKS („Freies Lernen – Kollektiv und Selbstbestimmt“) vergrößern. Geplant ist ein Neubau am Ernst-August-Stieg. „Wir haben zurzeit 33 Schüler“, berichtet Schulleiterin Julia Melchers. Weil die derzeitigen – rund 200 Quadratmeter großen – Räume am Veringhof für maximal 35 Schüler zugelassen seien und man kein anderes geeignetes Gebäude gefunden habe, sei die Wahl letzt-endlich auf einen Neubau gefallen.
Das Grundstück, das der Verein FLeKS sich ausgesucht hat, liegt am Ende des Ernst-August-Stiegs – gegenüber des dortigen Aldi-Markts. Geplant ist ein dreistöckiges Gebäude mit Fachräumen, Lernwerkstätten, einem Versammlungsraum, einer Schulküche und einem Garten mit mindestens 500 Quadratmetern.
Derzeit gehört das Areal der Stadt Hamburg. Zum Thema Kaufpreis und Baukosten kann die Schule aktuell nichts sagen. Auf jeden Fall müsste der Verein einen Bankkredit aufnehmen, da die Schulbehörde für den Bau einer privaten Schule nichts dazugibt. Sicher ist auch, dass das Projekt nicht von heute auf morgen verwirklicht werden könnte – denn der aktuelle Bebauungsplan sieht für den Standort am Ernst-August-Kanal zurzeit noch Gewerbe vor.
Claas Ricker, Sprecher der für städtische Grundstücke zuständigen Finanzbehörde, bestätigt, eine entsprechende Anfrage der FLeKS erhalten zu haben. „Privatschulen sind im Rahmen der geltenden Richtlinien frei, sich einen Wunschstandort zu suchen“, so Ricker. Dies müsse nicht mit der Schulbehörde abgestimmt werden.
Ob die Schule das Grundstück aber von der Stadt bekommt, ist noch ungewiss. Für eine so genannte „Direktvergabe“ eines städtischen Grundstücks müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein.
Ursprünglich wollte die FLeKS, zu deren Grundprinzipien das selbstbestimmte Lernen gehört (siehe Infotext), nach und nach bis Klassenstufe 10 „hochwachsen“ – durch den Platzmangel ist das aktuell aber nicht möglich. Das bedeutet: Die Schüler müssen nach dem Ende der Grundschulzeit die Schule wechseln. Zum großen Bedauern der Schulleitung: „Das freiheitliche Lernen ist doch sehr eingeschränkt, wenn man die Schüler nach der vierten Klasse wegschicken muss“, sagt Melchers

FLeKS
Die FLeKS, als deren Vorbild die vor rund 100 Jahren gegründete Summerhill School in Suffolk/England gelten kann, ist in Wilhelmsburg im September 2017 an den Start gegangen. Aktuell werden am Veringhof 33 Kinder von Klassenstufe 1 bis 4 unterrichtet.
Wichtigster Leitsatz ist das selbstbestimmte Lernen: Während der Schulzeit zwischen 8 und 14 Uhr – manchmal auch 16 Uhr – gibt es keinen festen Stundenplan. Stattdessen entscheidet jeder Schüler selbst, was, wann und von wem er lernen möchte. Zu den regelmäßigen Veranstaltungen gehören wöchentliche Schulversammlungen, sowie ein Streitschlichter-Gremium. Lernangebote finden fächer- und jahrgangsübergreifend statt. Jeder Schüler bekommt eine selbstgewählte Lehrkraft als Mentor und Unterstützer an die Hand.
Nach eigenen Angaben „ganz bewusst“ hat sich das Gründerkollektiv – rund 15 Eltern, Lehrer und Sozialpädagogen – für Wilhelmsburg als Standort entschieden, um auch sozial schwächeren Kindern den Schulbesuch zu ermöglichen.
Das monatliche Schulgeld liegt – je nach Einkommen der Eltern – zwischen null und 180 Euro.

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