1939: Hans Leipelt in seiner Uniform. 1940 wurde er als „Halbjude“ aus der Wehrmacht ausgeschlossen. Foto: pr
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Am Sonntag, 2. Februar, gibt es einen kostenlosen Rundgang auf den Spuren des Widerstandskämpfers

Siegmund Borstel, Wilhelmsburg. Vor 75 Jahren, am 29. Januar 1945, ist Hans Leipelt im Gefängnis München-Stadelheim von den Nazis hingerichtet worden. Der Wilhelmsburger Chemiestudent gehörte zum Umkreis der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“. Am Sonntag, 2. Februar, lädt Klaus Möller von der Stolperstein-Initiative Hamburg zu einem kostenlosen Rundgang auf den Spuren Leipelts und seiner Familie in Wilhelmsburg ein. Los geht’s um 15 Uhr an der Ecke Georg-Wilhelm-Straße / Rotenhäuserstraße. Der Rundgang wird rund 75 Minuten dauern.
Hintergrund: Die Familie Leipelt wohnte in der NS-Zeit in der damaligen Kirchenallee (heute Mannesallee), in unmittelbarer Nähe der Reiherstiegkirche. Hans Leipelt (geboren 18.7.1921) und seine Schwester Maria ( geboren 13.12.1925) besuchten die Wilhelmsburger Oberschule in der Rotenhäuser Straße.
Ihr Vater Dipl.-Ing. Konrad Leipelt war technischer Direktor der Wilhelmsburger Zinnwerke in der Neuhöfer Straße. Er war verheiratet mit Dr. Katharina Leipelt, geb. Baron, deren Eltern zu den österreichisch-ungarischen Jüdinnen und Juden gehörten, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in großer Zahl zum Christentum übergetreten waren.
In der NS-Zeit wurden auch diese Juden christlichen Glaubens zu Staatsfeinden erklärt und als „Nichtdeutsche“ verfolgt. Im August 1940 wurde Hans Leipelt als „Halbjude“ aus der Wehrmacht ausgeschlossen, im Juli 1942 wurde seine Großmutter nach Theresienstadt deportiert.
Als Konrad Leipelt drei Monate später einem überraschenden Herzschlag erlag, verloren seine Frau und seine Kinder ihren letzten Schutz. Hans Leipelt musste sein Chemiestudium in Hamburg abbrechen. Mit viel Glück bekam er am Chemischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München einen neuen Studienplatz.
Im Oktober 1943 wurde er dort von der Gestapo verhaftet. Leipelt hatte Geld für die Familie des hingerichteten Professors Kurt Huber, eines Mitglieds der „Weißen Rose“, gesammelt und war denunziert worden war. Außerdem hatte er das letzte Flugblatt der „Weißen Rose“ vervielfältigt und in Hamburg und München unter Freunden verteilt. Bald darauf wurden auch seine Mutter und seine Schwester in Hamburg verhaftet. Katharina Leipelt wurde am 9. Dezember 1943, kurz nach ihrer Festnahme, tot in ihrer Zelle im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel aufgefunden.
Hans Leipelt wurde am 13. Oktober 1944 vom Zweiten Senat des Volksgerichtshofs wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt und am 29. Januar 1945 im Gefängnis München-Stadelheim hingerichtet. Am 14. April 1945 befreiten amerikanische Truppen seine Schwester aus der Haft in Bayreuth.

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