Arbeiter und Angestellte der Mälzerei Naefeke posieren 1936 für den Fotografen. Reproduktion: Altonaer Stadtarchiv/Wolfgang Vacano
Anzeige


Von Reinhard Schwarz. Dort, wo heute edles Design präsentiert wird, befand sich bis vor rund 27 Jahren die Mälzerei Naefeke. Im April 1996 eröffnete das „stilwerk“ in der Großen Elbstraße unweit der Fischauktionshalle seine Pforten. Hier bieten Innenarchitekten und Planer ihre Produkte und Dienste an. Bis 1992 wurde hier Getreide, vor allem Gerste, zu Malz für Brauereien verarbeitet. Die Altonaer Firma Naefeke wurde 1876 als Brauerei Naefeke gegründet. Ab 1890 spezialisierte man sich vollständig auf die Malzherstellung. Bereits 1875 hatte Georg Wilhelm Naefeke die Anlagen der Dolck’schen Braunbier-Brauerei übernommen. Dieses Unternehmen war seit dem 17. Jahrhundert zwischen Großer Elbstraße und Buttstraße ansässig. Brauen durfte allerdings nicht jeder. 1641 erteilte der dänische König dem damaligen Grundeigentümer das Recht zum Bierbrauen.

An den herben Geruch erinnern sich ältere Altonaer

Ältere Altonaer und St. Paulianer werden sich erinnern, dass sich um die Mälzerei noch in den Achtziger Jahren immer ein typischer, herber Geruch verbreitete. „Naefeke war für Altona ein wichtiger Arbeitgeber, weil dort auch Menschen ohne qualifizierte Ausbildung eine Beschäftigung bekamen“, erläutert Stadtarchivar Wolfgang Vacano. Allerdings: Die Arbeit war schwer und schlecht bezahlt, so Vacano. Die Gerste wurde mit Schiffen angeliefert und zunächst in Säcken transportiert, später kamen Saugrohre zum Einsatz. Naefeke belieferte Brauereien mit dem gedarrten Malz, zeitweise sogar bis nach Spanien, Portugal und Südamerika. 1892 hatte die Firma 59 Beschäftigte und verarbeitete 80.000 Zentner Gerste.

1907 ließ die Firma Naefeke ein neues Fabrikgebäude mit einer der ersten Stahlbetonskelett-Konstruktionen Deutschlands bauen. Dabei wurde auch der sogenannte Darreturm errichtet, der zum schonenden Trocknen des Malzes diente. Der letzte große Umbau fand 1961/1962 statt, hierbei entstand im Innenhof ein großes Silo.
1992 stellte Naefeke den Betrieb ein. „Mit der wachsenden Tendenz zu immer größeren Produktionseinheiten hatte die Firma nicht mehr schritthalten können“, urteilt Anne Früauf, Expertin für Fabrikarchitektur. Vier Jahre später zogen nach einem aufwendigen Umbau Designer und Architekten in die ehemalige Mälzerei ein. Aus einem Industriestandort an der Großen Elbstraße mit teilweise leer stehenden Wohnhäusern, unter anderem mit dem „Mörder-Haus“, einer beliebten Kulisse für düstere Krimis, wurde nach und nach ein schickes Quartier mit Lofts für Agenturen, teuren Wohnungen, Res-taurants und Cafés. Der einzigartige Schmuddel-Charme des Gebiets um die Mälzerei und die alte Fischauktionshalle verschwand auf Nimmerwiedersehen.

❱❱ Altonaer Stadtarchiv, Max-Brauer-Allee 134 (über Seiteneingang
Hospitalstraße), Tel. 50 74 72 24, E-Mail: kontakt@altonaer-stadtarchiv.de
www.altonaer-stadtarchiv.com
Mo-Fr von 10-16 Uhr (nur nach Voranmeldung).

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here