Mit Goldenem Schriftzug: Das Theater steht auf einem 52.000 Quadratmeter großen Gelände am Friesenweg, Foto: CVS

Ch. v. Savigny, Ottensen

„Zulässiges Gesamtgewicht: 2,5 Tonnen“ steht auf dem Blechschild, das direkt unter der Decke der heutigen „WhiteHall“ angebracht wurde. Es stammt noch aus der Zeit, als hier große Gabelstapler mit schweren Metallteilen unterwegs waren. Theaterleiter Torsten Diehl mag solche Überbleibsel, die Geschichten von früher erzählen. „So etwas übertünchen wir nicht“, erklärt er. Gut ein Jahr hat es gedauert, die ehemaligen Produktions- und Fabrikhallen am Friesenweg in eine halbwegs bespielbare Bühne zu verwandeln. Im Februar 2017 feierte das Theater in der Marzipanfabrik mit Shakespeares „Wintermärchen“ seine Eröffnung.

Eigentlich sind es zwei Bühnen: Die „BlackBox“ ist eine sogenannte Studiobühne mit Sitzplätzen für 40 Personen, die „WhiteHall“ eine große Experimentier-Spielstätte, die maximal 99 Zuschauer aufnehmen kann. Bis vor wenigen Jahren war Diehl mit seinem „Institut für Schauspiel, Drama und Film“ (ISDF) noch als Mieter beim Monsun-Theater in der Friedensallee untergekommen. „Wir wollten uns schon immer vergrößern, haben aber lange nichts geeignetes gefunden“, erinnert sich der künstlerische Leiter.

Früher Marzipanfabrik,
Spinnerei, Metallverarbeitung

Mehr oder weniger zufällig war dann der Vertrag mit dem Vermieter der damals brachliegenden Marzipanfabrik zustandegekommen. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte hier die Firma Oetker Marzipan hergestellt, anschließend zog eine weltberühmte Sternwollspinnerei ein, von cirka 1970 bis 2015 folgte ein metallverarbeitender Betrieb. Mit viel Mühe und Fleiß hat Diehl seither zusammen mit seinen Schülern und einigen Handwerkern die Räume umgebaut, gestrichen und Bühnen gezimmert. Einmal im Jahr produziert das Team ein eigenes Stück („Macbeth“ läuft ab Februar 2020), die restliche Spielzeit ist für Gastproduktionen reserviert. Im Gegensatz zu früher sei er jetzt mehr Veranstalter als Theaterleiter, sagt Diehl.

„Wir haben zwar mehr Platz, aber auch weniger Geld.“ Subventionen von der Kulturbehörde gibt’s (noch) nicht für die Bühne am westlichsten Rand von Ottensen.
In der angeschlossenen Theaterschule können Studenten – derzeit sind es rund 20 – innerhalb von dreieinhalb Jahren das Schauspieldiplom erwerben. Unterrichtet wird unter anderem Kamera-Acting, Fechten, Bühnenkampf, szenisches Spiel, Improvisation und Schauspieltechnik.

❱❱ www.theater-in-der-marzipanfabrik.de

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