Im zweiten Quartal 2019 hatte die Poliklinik rund 850 Besucher. Damit ist das Veddeler Gesundheitsprojekt nach eigenen Angaben gut ausgelastet. Foto: cvs
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Ch. v. Savigny, Veddel. Wer arm ist, wird häufiger krank und hat eine kürzere Lebenserwartung. Um dem abzuhelfen, haben sich in einigen Stadtteilen Hamburgs innerhalb der letzten Jahre Stadtteilzentren gebildet, in denen nicht nur ärztliche, sondern auch soziale und psychologische Hilfen angeboten werden. Eines davon ist die Anfang 2017 gegründete Poliklinik auf der Veddel.
Mit einem Förderprogramm will die Stadt jetzt den – bislang großenteils ehrenamtlich – geführten Zentren unter die Arme greifen. Für insgesamt sieben Einrichtungen, die sich möglichst über alle Bezirke verteilen sollen, ist die Förderung ausgelegt. 100.000 Euro soll jedes Zentrum jährlich erhalten, die Gesamtförderdauer beträgt drei Jahre. Bewerbungen sind ab sofort und bis ins Jahr 2021 möglich.
„Wir werden diese Möglichkeit mit Sicherheit nutzen“, sagt Milli Schroeder von der „Gruppe für Stadtteilgesundheit und Verhältnisprävention“, die die Veddeler Poliklinik ins Leben gerufen hat. Im Erfolgsfall werde man das Geld auf neue Projekte und auf Präventionsveranstaltungen im Stadtteil verwenden. „Außerdem startet nächstes Jahr unsere Community-Health-Nurse (ein Besuchsservice für Bedürftige, d. Red.), für die wir bislang nur eine Anschubfinanzierung haben“, so Schroeder.
Laut Valerie Landau, Sprecherin der Gesundheitsbehörde (BGV) stellt die Veddeler Poliklinik eine Einrichtung dar, die „den wesentlichen Zielsetzungen“ entspricht. „Wir stehen in Kontakt mit der Poliklinik. Ob der Träger der Poliklinik Fördergelder aus dem Förderprogramm erhalten wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beantwortet werden. Dies hängt wesentlich davon ab, ob ein Antrag gestellt wird und die Bedingungen der Förderrichtlinie erfüllt werden“, so Landau. Nach Auskunft der BGV haben sich bereits mehrere Initiativen und Projekte bei der Behörde gemeldet.
Das Förderprogramm für lokale Gesundheitszentren war auf Antrag der Linken in der Bürgerschaft beschlossen worden. „Integrierte Gesundheitszentren in schlechtergestellten Stadtteilen, die haus- und kinderärztliche sowie psychotherapeutische Behandlung anbieten, sind wichtige Bausteine zur nachhaltigen Bekämpfung der gesundheitlichen Ungleichheit in Hamburg“, sagt Deniz Celik, gesundspolitischer Sprecher der Linken. Allerdings seien 100.000 Euro im Jahr alles andere als ausreichend. „Wir fordern daher eine deutliche Aufstockung“, so Celik.

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