Das Krankenhaus Groß Sand soll einen neuen Eigentümer bekommen. Foto: cvs

Ch.v.Savigny, Wilhelmsburg. Das wirtschaftlich angeschlagene Erzbistum Hamburg ist auf der Suche nach einem neuen (Teil-)Besitzer für das Wilhelmsburger Krankenhaus Groß-Sand. „Wir suchen eine Mehrheitsbeteiligung – möglichst mit einem katholischen Träger“, sagt Bistumssprecher Manfred Nielen. Bisher gebe es keine Ergebnisse. „Die Verhandlungen laufen noch. Es sind komplexe Fragen zu klären, die etwas Zeit brauchen“, so Nielen.
Vor rund vier Jahren kam erstmals an die Öffentlichkeit, dass das Erzbistum aufgrund von Überschuldung in eine finanzielle Schieflage geraten war. Erst wurde die Schließung mehrerer katholischer Schulen beschlossen, jetzt sind die Krankenhäuser an der Reihe – zum Verkauf stehen insgesamt drei Hamburger und eine Lübecker Klinik.
Im Fall von Groß-Sand kommt erschwerend hinzu, dass das Wilhelmsburger Krankenhaus auch selbst ein Defizit eingefahren hat, während die anderen drei Häuser finanziell offenbar recht gut dastehen. Karsten Behrend, Verwaltungsrat der Bonifatiusgemeinde: „Es gab eine Gesetzesänderung, aufgrund derer wir nun eine Reihe von Pensionen ausbezahlen müssen, für die aber kein Geld da ist“, sagt er. Nach Angaben der Kirche geht es um die Summe von 33 Millionen Euro. 19 Millionen werden vom Bistum übernommen – der Rest ist weiterhin ungedeckt. Die Bonifatiusgemeinde ist der eigentliche Träger von Groß -Sand – das Bistum führt in dem Fall die Verkaufsverhandlungen. „Es ist offenbar der politische Wille, die kleinen Krankenhäuser zu eliminieren“, hat Behrend einen weiteren Grund für die desaströse Lage der Elbinsel-Klinik ausgemacht. So fördere die Bundesregierung ausschließlich die großen Krankenhäuser – während solche wie Groß-Sand mit seinen lediglich 200 Betten außen vor blieben. „Man darf nicht vergessen, das Groß-Sand auch ein Hafenkrankenhaus ist, das etwa bei Unglücken und Krankheitsfällen auf Schiffen aktiv wird“, gibt Behrend zu Bedenken.
Manuel Humburg, pensionierter Mediziner aus Wilhelmsburg, hat selbst als junger Arzt drei Jahre in Groß-Sand praktiziert. „Das Krankenhaus hat sich immer dadurch ausgezeichnet, dass man sich als Patient wirklich versorgt fühlen durfte. Niemand wird zum Beispiel aus wirtschaftlichen Gründen besonders zeitig entlassen“, sagt Humburg. „Dass man da als Einrichtung in finanzielle Nöte geraten kann, wundert mich nicht. Groß-Sand ist in dem Sinne keine ‚Gesundheitsfabrik‘ – ganz sicher nicht.

Hintergrund
Das 1948 errichtete Krankenhaus Groß-Sand war laut Internet-Lexikon Wikipedia das „erste freigemeinnützige Krankenhaus in Hamburg nach dem Zweiten Weltkrieg“. Trägerin der Einrichtung ist die katholische St. Bonifatiusgemeinde in Wilhelmsburg. Zurzeit verfügt das Haus über 208 Betten. Angestellt sind 608 Mitarbeiter, davon 95 Ärzte. Das Haus stellt rund 70 Ausbildungsplätze im Bereich der Gesundheits- und Krankenpflege zur Verfügung.
Ein wichtiger medizinischer Schwerpunkt ist die Behandlung von Leisten- und Bauchwandbrüchen. Laut Homepage hat das Krankenhaus rund 1.300 Hernien-Patienten pro Jahr. Außerdem von überregionaler Bedeutung sind die orthopädische Abteilung („Revisionsendoprothetik“) und das Zentrum für Geriatrie und Frührehabilitation.

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