Jetzt auch Teilzeitgastronom: Viktor Marek vom Golden Pudel Club. Foto: kp Flügel
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KP FLÜGEL, St. Pauli

Im vergangenen Sommer konnte der 2016 abgebrannte Golden Pudel Club wiedereröffnet werden. Nicht nur die Fassade und Statik des Gebäudes wurden wiederhergestellt, sondern auch das programmliche Konzept. Neben dem bisherigen Club für Nachtschwärmer lädt jetzt im oberen Bereich das „Barboncino Zwölphi“ ein, es sich schon tagsüber kulinarisch gutgehen zu lassen.

Viktor Marek, der Mitte der 1990er-Jahre zum Pudel gekommen ist, hat beim Namen seine Finger im Spiel. „Barboncino ist italienisch und heißt Pudelchen. Und Zwölphi ist ein kleiner Witz über die Elphi. Nur Pudelchen auf Italienisch war uns auch zu wenig. Man will ja nicht nur ein Witz über die Elphi sein. Beides zusammen funktioniert ganz gut. Auch wenn man sich das zuerst nicht merken kann“, sagt ein lächelnder Marek. Als Gastronom empfindet er sich aber nicht: „Vielleicht als Teilzeit-Gastronom.“ Dazu muss gesagt werden, dass man Viktor Marek vor allem als Musiker kennt, der unter anderen mit Jacques Palminger bei den Kings of Dubrock bekannt wurde.

Das sind die Neuerungen. „Wir wollen tagsüber Essen anbieten. Da verstehen wir uns nicht als weiteres beliebiges Café auf St. Pauli. Daher ist für uns klar, dass das hier politisch ein bisschen aufgeladen werden muss.“ So sei die Idee entstanden, hier eine Geflüchteten-Küche aufzumachen. Gleichzeitig soll Professionalität und ein qualitativ hochwertiges Essen garantiert werden. „Wir sind froh, dass wir Chickpeace gefunden haben.“ Dieser Verein arbeitet überwiegend mit geflüchteten Frauen aus dem arabischen Raum und betreibt ein professionelles Catering-Unternehmen.

Das Barboncino, wünscht sich Viktor Marek, soll für die Menschen im Viertel offen sein, in der Tradition einer St.-Pauli-Eckkneipe stehen, also keine weitere schicke Kiezbar sein. Das ist durchaus neu: „Wir haben uns früher im Pudel Club eher abgegrenzt. Avantgarde, Experimentelles, Underground waren die programmlichen Stichworte. Aber ich finde, der Zeitgeist hat sich stark gewandelt. Mittlerweile muss man sich öffnen und versuchen, die Leute zusammenzukriegen und etwas Gemeinsames, Gemeinschaftliches schaffen.“

Vor dem Hintergrund des Rechtsrucks in der Gesellschaft sei es wichtig, das Verbindende im Viertel zu stärken, über Generationen und Szenerien hinweg. Auf dem kulturellen Programm stehen Lesungen, Konzerte, Filme. Eigeninitiative ist ausdrücklich erwünscht. „Man kann ganz einfach sein Wohnzimmer hierher verlegen und eine Backgammon-Runde ins Leben rufen.“

❱❱ Barboncino Zwölphi,
St. Pauli Fischmarkt 27.
Informationen über Öffnungszeiten
und den „outernational“
Mittagstisch unter
www.barboncino.de

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