Der Luftschutzbunker in der Schomburgstraße wurde zwischen 1942 und 1944 erbaut. Er bot bis zu 3.500 Menschen Platz. Foto: cvs
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Ch. v. Savigny, Altona

Beim Spaziergang durch das rund 75 Jahre alte Gemäuer ist man gut beraten, bisweilen den Kopf einzuziehen: Insbesondere die Treppenaufgänge, die bis hinauf in den fünften Stock reichen, sind kaum zwei Meter hoch und zudem extrem schmal. Kaum zu glauben, dass hier, im ehemaligen Luftschutzbunker in der Schomburgstraße (erbaut von 1942 bis 1944) einst bis zu 3.500 Menschen gleichzeitig Zuflucht vor den Bombardements der Alliierten im Zweiten Weltkrieg suchten.
Seit 2011 kümmert sich der Verein Kebap („Kultur Energie Bunker Altona Projekt“) mit seinen rund 30 Mitgliedern um die Belange der geschichtsträchtigen Schutzanlage im Walter-Möller-Park.

An der Südseite des Bunkers befindet sich ein großer Gemüsegarten, in dem Karotten, Mangold, Grünkohl und Zucchini gedeihen. Während der wärmeren Jahreszeit können interessierte Anwohner einmal wöchentlich (donnerstags um 16 Uhr) bei der Ernte mithelfen. Anschließend wird gemeinsam gekocht und gegessen. Ein umfunktionierter Bauwagen lädt einmal monatlich zum Mitplanen ein. Künftig sollen in den vielfach noch ungenutzten Bunkerräumen Werkstätten, Künstlerateliers und Proberäume für Musiker entstehen. Auch ein großer Dachgarten ist in Planung.
Um sein Anliegen publik zu machen, veranstaltet der Verein regelmäßig Bunkerführungen. „Grundlegender Gedanke ist es, möglichst viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Fähigkeiten zusammenzubringen, um gemeinsam den Stadtteil zu gestalten“, sagt Marlene Stadie von Kebap.

Das mit Abstand größte Projekt ist die Umwandlung der einen Gebäudehälfte – genau genommen handelt es sich um einen „Zwillingsbunker“ mit zwei separaten Eingängen – in ein umweltfreundliches Wärmekraftwerk. Zum Einsatz kommen Solarthermie, ein Blockheizkraftwerk sowie Erdwärme. Die nicht benötigte Energie soll ins Hamburger Fernwärmenetz eingespeist werden.
Nach Einschätzung der beauftragten Ingenieursfirma Averdung könnten auf die Weise bis zu zwölf Gigawattstunden jährlich zusammenkommen. „Wir können hier vieles vereinbaren: unten im Park Urban Gardening, Spielplatz und Erdwärme, oben Gründach und Solaranlagen, innen Kulturräume und Wärmeerzeugung“, sagt Geschäftsführer Sebastian Averdung.

Energiebunker
In einer Hälfte des leerstehenden Weltkriegsbunkers in der Schomburgstraße soll klimafreundliche Wärme für den Stadtteil erzeugt werden. Aus den Erlösen könnten Räume für Kultur in der anderen Bunkerhälfte bezuschusst werden. Das Bundeswirtschaftsministerium hat dem Kebap zugesagt, die Idee mit einer sechsstelligen Summe zu fördern.
Nähere Infos gibt es unter ❱❱ www.kulturenergiebunker.de

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