Der erste Vorsitzende des Stadtteilarchivs Ottensen e.V., Burkhart Springstubbe (hinten rechts), begrüßt die rund 65 Gäste im Kesselhaus, in der Zeißstraße 28. Besonderen Dank richtet er an die Ausstellungsgruppe, Geschäftsführerin Anke Schulz (hinten links) und Hans-Peter Strenge (hinten Mitte). Foto: Lisa Otto
Der erste Vorsitzende des Stadtteilarchivs Ottensen e.V., Burkhart Springstubbe (hinten rechts), begrüßt die rund 65 Gäste im Kesselhaus, in der Zeißstraße 28. Besonderen Dank richtet er an die Ausstellungsgruppe, Geschäftsführerin Anke Schulz (hinten links) und Hans-Peter Strenge (hinten Mitte). Foto: Lisa Otto
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Vor hundert Jahren machten Deutschland, Hamburg und Altona umwälzende Veränderun­gen durch. Das Ende des Ersten Weltkriegs und die Revolution 1918/19 bescherten dem Land die Wende von Kaiserreich und Militaris­mus zu einer Demokratie und zu einer neuen Verfassung. Viele ihrer Elemente finden sich im heutigen Grundgesetz. Altona war 1919 noch eine eigenständige Stadt. Sie musste mit großer wirtschaftlicher und sozialer Not fertig werden. Prägende Figur dieses Neubeginns war der Sozialdemokrat Max Brauer. 1919 wurde er zum Bürgermeister gewählt, 1924 zum Oberbürgermeister.“

So heißt es in der Einführung zu einer neuen Ausstellung im Stadtteilarchiv Ottensen e.V. Ein ehrenamtlicher Arbeitskreis des gemeinnützigen Vereins nahm das Jubiläum zum Anlass eine eigene Ausstellung zu konzipieren:

Was war der politische, gesellschaftliche und soziale Rahmen seines Handelns? In „seine“ Zeit fielen das Werden des Neuen Altonas, der Ausbau des kommunalen Wohl­fahrtssystems, der Bau neuer, moderner Wohnquartiere, die Anlage von Parks und Sporteinrichtungen – kurz die Verbesserung der Lebensqualität für die Altonaer. Er erreichte die Eingemeindung der Elbvororte. Wie prägte ihn seine Herkunft? Von welchen weltanschaulichen und politischen Linien ließ er sich leiten? In welchem Verhältnis stand er, der auch einmal als Barockfürst bezeichnet wurde, zu den Sozialdemokraten? Wie hielt er es mit den unterschiedlichen Grup­pen der Stadtgesellschaft? Wir präsentieren hier erste Eindrücke. Der Prozess der Erforschung ist nicht beendet. Er sollte weitergehen. Arbeitskreis Max Brauer“

Vergangene Woche wurde die Ausstellung feierlich eröffnet. Lacher, Kopfnicken, Stirnrunzeln und andächtiges Schweigen – während der Feierlichkeit war alles dabei. Burkhart Springstubbe eröffnete als erster Vorsitzender des Vereins Stadtteilarchiv Ottensen – Geschichtswerkstatt für Altona die Veranstaltung. Besonderen Dank sprach er der ehrenamtlichen Gruppe aus, die ihre Forschungsergebnisse nun nach über einem Jahr intensiver Auseinandersetzung präsentieren kann. Geschäftsführerin Anke Schulz sei es gelungen, die Gruppe immer wieder zu motivieren und die Arbeiten der anfänglichen „Fußballmannschaft“ von elf Personen zu koordinieren. Der neuen Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg wünschte er für ihr neues Amt alles Gute: „Möge Ihre Amtszeit anders enden, als die von Max Brauer“, sprach er in ihre Richtung und unterstrich damit die Haltung des Vereins gegen Faschismus und Rassismus.

„Worauf wir seit mehr als einem Jahr hingestrebt haben kommt zum Abschluss. Endlich. Die Ausstellung ist Realität geworden!“, freute sich Geschäftsführerin Anke Schulz während ihrer Begrüßungsrede. „Vor 1,5 Jahren war das noch ein Traum, ein Wunsch von Hans Günter Schmidt, Vereinsmitglied seit 1985, also fast Gründungsmitglied – wir feiern ja nächstes Jahr 40-jähriges Jubiläum. Die Dringlichkeit verdeutlichte er dem damaligen Vorstand damit, dass Max Brauers Wahl zum Senator und danach zum Bürgermeister Altonas Ereignisse sind, die sich 2019 zum 100. Mal jähren würden.“ Sie schloss ihrer Ansprache feierlich: „‘Wer nicht bloß eine bessere Zukunft, sondern auch schon eine bessere Gegenwart will, muss an praktischer Gegenwartsarbeit mit Hand anlegen.‘ Wie kann Regionalgeschichtsforschung und Geschichtsvermittlung besser umrissen werden als mit diesen Worten Max Brauers von 1931?“

Zwei Altonaer Bezirksamtsleiter Foto: Hans-Günther Schmidt
Zwei Altonaer Bezirksamtsleiter Foto: Hans-Günther Schmidt

Stefanie von Berg (links im Bild) freute sich als jüngste Bezirksamtsleiterin über die Einladung in die älteste Hamburger Geschichtswerkstatt am zweiten Tag ihres neuen Amtes. Sie trete ein besonderes Erbe, unter anderem das Max Brauers, an und fühle sich entsprechend besonders geehrt. Es sei schon ein anderes Gefühl in den ehrwürdigen Räumen des Altonaer Rathauses arbeiten zu dürfen – ganz anders als z.B. in Eimsbüttel. Die Stühle vielleicht nicht, aber „der Mülleimer in meinem Büro stammt wahrscheinlich noch von ihm“, erklärt sie dem Publikum mit einem Augenzwinkern. Erschwinglicher Wohnraum liege ihr, ähnlich wie einst Max Brauer, Initiator der SAGA, am Herzen. Ganz in seinem Sinne „Licht, Luft und Sonne“, wolle auch sie sich dafür einsetzen.

Auch Hans-Peter Strenge (rechts im Bild) steht als ehemaliger Bezirksamtsleiter in der Tradition Brauers. „Ich fühlte mich immer ganz wohl auf dem Stuhl von Max Brauer“, gibt er schmunzelnd zu und zieht das Publikum anschließend mit seinem enthusiastischen Vortrag über Max Brauers Jahre in Altona in seinen Bann.

Nachzulesen und zu bestaunen ist dieser historische Einblick Altonas in der Ausstellung Max Brauers Altonaer Jahre 1887-1933 und Altonas Aufstieg zur preußischen Vorzeigestadt. Die Ausstellung ist bis zum 26. März im Kesselhaus des Stadtteilarchiv Ottensen, Zeißstraße 28 zu sehen.

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