Thomas Krohn ist Drummer der Wilhelmsburger Band „Feinripp“. Seine Band feierte gerade ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum. Foto: grundke
Die Wilhelmsburger Band „Feinripp“. Foto: PR

Sebastian Grundke, Wilhelmsburg. Die Wilhelmsburger Band „Feinripp“ steht seit dreißig Jahren auf der Bühne. Thomas Krohn war von Anfang an dabei und erinnert sich.

Was machen die Ohren nach dreißig Jahren? Meine sind noch ganz gut. Unser Sänger merkt das langsam. Der hat von vorneherein schon etwas Probleme gehabt mit den Gehörgängen, aber der merkt das jetzt wirklich. Ohnehin sind alle Bandmitglieder aber auch etwas älter als ich. Ich bin der Jüngste.

Weshalb gibt es die Band schon so lange? Das ganz große Geheimnis und der Grund dafür, dass es Feinripp auch nach dreißig Jahren noch gibt, ist, dass wir uns alle nicht so wahnsinnig ernst nehmen. Viele Musiker wollen mit ihrer Musik viel Geld verdienen oder damit auf Tour gehen und berühmt werden. Das war bei uns nie wirklich so. Der eine wollte zwar immer mal etwas weniger Konzerte, dafür wollte dann der andere mal ein bisschen mehr auftreten. Aber das hielt sich eigentlich immer die Waage. Außerdem sind wir alle berufstätig: Wir haben alle noch einen Job, mit dem wir unser Geld verdienen.

Wenn Sie auf die vielen Jahre zurückblicken, was ist Ihnen besonders in Erinnerung? Wir haben 2007 hier in Wilhelmsburg beim Reiherstiegviertel auf einem Festival auf einer Wahnsinns-Bühne gespielt. Das war die größte Bühne, auf der wir je aufgetreten sind. Die war dort für drei Tage aufgebaut. Wir haben an einem Samstag gespielt. Und am selben Tag stand da auf den gleichen Brettern die Band ‚Boss Hoss‘ auf der Bühne. Wir wurden also von den gleichen Toningenieuren abgemischt und das war schon sehr, sehr aufregend.

Wie lange machen Sie mit Feinripp noch weiter? Ich hoffe, es geht noch dreißig Jahre weiter. So lange ich die Drumsticks noch halten kann, werde ich noch spielen, glaube ich. Es ist mehr als ein Hobby, auf jeden Fall.

Haben Sie mal überlegt, mehr aus der Musik zu machen? Also, ich habe mal bei einem Casting mitgemacht für eine Band. Die Band hieß Nickelback. Die kennt man eigentlich. Die haben damals Schlagzeuger gesucht für zwei Konzerte, in Köln und in Frankfurt. Ich bin von zweihundert Bewerbern dritter geworden. Gesucht wurden aber nur zwei Schlagzeuger: Einer für die Konzerte, einer als Ersatz. Da habe ich dann schon mal kurz überlegt, ob ich nicht doch eine Chance hätte, mit Musik Geld zu verdienen.

Sie haben das als eine Art Auszeichnung gesehen? Ja, so habe ich das gesehen. Für mich war das schon ein richtiges Lob damals. Und da habe ich dann eben überlegt, was passiert wäre, wenn die mich genommen hätten. Da ist mir klar geworden: Das wäre ein völlig anderes Leben geworden.

Inwiefern? Ich bin Feuerwehrmann bei der Berufsfeuerwehr Hamburg. Das wäre gar nicht so das große Problem gewesen: Ich hätte mir einfach ein Sabbatjahr nehmen und mit Bands auf Tour gehen können. Jedoch hätte ich in meinem Privatleben Abstriche machen müssen.

Ausprobieren wäre also grundsätzlich möglich? Ja, das wäre grundsätzlich möglich. Aber ich müsste dann auch den Feinripp aufgeben. Und das würde ich dann doch nicht so gerne machen. Das würde auch keiner von uns in der Band machen: den Beruf aufgeben, um es mal mit der Musik so richtig zu probieren, also vierzig Konzerte in ganz Deutschland zu machen und dazu mit dem Nightliner durchs ganze Land zu fahren. Da haben die wenigsten Lust zu. Ich hätte da mal Bock drauf, bin aber eben da auch der einzige, der sich das erlauben könnte.

Wann haben Sie angefangen, Schlagzeug zu spielen? Ich habe mit fünf angefangen Akkordeon zu spielen. Mit sieben konnte ich dann die Klaviernoten und habe mit sieben auch angefangen, Schlagzeug zu spielen.

Wie viele Konzerte haben Sie mit Feinripp schon gespielt? Gute Frage. Weit über zweihundert, würde ich sagen.

Und wie viele Drumsticks haben Sie dabei verschlissen, ins Publikum geworfen oder verloren? Man kann davon ausgehen, dass ich pro Konzert mindestens zwei Paare verklopp‘. Das sind also insgesamt vierhundert bis fünfhundert Paare gewesen, schätze ich.

Welche Band ziehen Sie vor: Rolling Stones oder Beatles? Rolling Stones auf gar keinen Fall. Wenn, dann Beatles. Aber eigentlich auch die nicht wirklich. Ich bin ja Schlagzeuger und war noch nie ein großer Fan von Ringo Starr, dem Beatles-Schlagzeuger, oder dem Stones-Schlagzeuger.

Welche sind da Ihre Vorbilder? Simon Phillips von Toto und Jeff Porcaro, der frühere Schlagzeuger von Toto. Das sind meine großen Idole am Schlagzeug.

Sie haben eine Vorliebe für 80ies-Softrock? Ja, stimmt. Das kann man so sagen. Ich bin halt ein Kind der 80er-Jahre!

Welche Songs kommen bei Feinripp-Konzerten am besten an? Witzigerweise Songs, die die Leute wirklich mitgrölen können. Wir selber können die manchmal schon gar nicht mehr hören. Wir spielen zum Beispiel seit Jahrzehnten ‚Aloha He‘ von Achim Reichel. Hin und wieder spielen wir auch ‚Volle Granate, Renate‘ von Torfrock. Und wir sitzen dann immer im Übungsraum und sagen uns: Leute, ganz ehrlich, wir können das nicht mehr spielen. Aber dann kommt wieder einer aus der Band und sagt: Ja, aber vergesst nicht, wofür wir das machen. Wir machen das für’s Publikum. Und dann hat der natürlich auch Recht.

Wann steht das nächste Feinripp-Konzert an? Als nächstes stehen im Februar wieder Konzerte in der Taverna Knossos in Wilhelmsburg an, beim Griechen. Da spielen wir seit ein paar Jahren jetzt regelmäßig. Wir haben festgestellt, dass das Publikum gerne sitzt und gerne was trinkt und was isst und danach zu unseren Konzerten dann feiert. Die Karten gehen immer ganz, ganz, ganz schnell weg.

Möchten Sie noch etwas loswerden? Ja. Ich möchte mich im Namen der Band bei unseren Fans für die vielen Geschenke zum Jubiläum bedanken. Wir haben uns sehr darüber gefreut. Die tolle Stimmung der Gäste hat das Fest zu dem gemacht, was es war.

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