Marode, aber sexy: die Schilleroper. Foto: ms
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Mateo Schneider, St. Pauli

Noch eine, diesmal nun aber wirklich die allerletzte Frist hat die Kulturbehörde der Schilleroper Objekt GmbH gesetzt, seit 2014 Eigentümerin der seitdem und wie schon zuvor vor sich hinrottenden Schilleroper. Bis zum Jahresende muss die Eigentümerin nachweisen, dass sie die 1891 eröffnete denkmalgeschützte Stahlskelett-Rotunde soweit schützt, dass die Substanz des letzten Zirkusbaus dieser Art in Deutschland nicht noch mehr leidet. Kommt sie der „Anordnung von Sicherungsmaßnahmen“ nicht nach, werde die Kulturbehörde selbst die notwendigen Arbeiten – die Abdichtung des teilweise bereits eingestürzten Dachs – veranlassen und der Eigentümerin in Rechnung stellen.

Auf einer Diskussionsveranstaltung der Anwohnerinitiative „Schiller-Oper“ in der Patriotischen Gesellschaft keimte deswegen ein wenig Hoffnung auf, das Baudenkmal doch noch retten und einer anwohnerverträglichen Nutzung zuführen zu können. „Für uns ist das die schönste Ruine der Welt“, hieß es aus Kreisen der Initiative. Aber: „Wir wollen jetzt Reaktionen sehen.“
Doch ob die Hoffnungen sich erfüllen werden, erscheint fraglich, zu unterschiedlich sind die Interessen. Denn allem Anschein nach ist die Schiller-Oper als Spekulationsobjekt erworben worden. Nach einem Bericht von „Zeit-Online“ werde der Wert des Grundstücks mit 2,9 Millionen Euro bewertet. Die Eigentümerin habe aber mehr als das Doppelte als Kaufpreis hingelegt. Eine Restaurierung des Baudenkmals einschließlich einer Ummantelungsbebauung kann die Investition unmöglich refinanzieren und auch noch Gewinn abwerfen.

Mit ihren monströsen Bebauungsplänen des schweizerischen „Stararchitekten“ Max Dudler ist die Investorin am Einspruch des Denkmalschutzamtes und am Nein des Bezirks bereits gescheitert. Bleibt also nur noch eins: Weiterhin auf Zeit und Verfall spielen, damit ein Abriss und anschließender Neubau folgen können. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Investor in Hamburg damit durchkommt.

❱❱ www.schilleroper-ini.de
www.schilleroper.com

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