Mit der Gallery will der Verein Li.fa auf den beantragten Abriss von Arne Weber aufmerksam machen und seine Idee von einem unkommerziellen Hausprojekt bewerben. Foto: lifa-harburg
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Andreas Göhring/Olaf Zimmermann, Harburg. Sind die 1859 erbauten Wohn- und Geschäftshäuser der Spirituosen- und Likörfabrik Louis Hilke am Karnapp und die dahinter liegende Brennerei noch zu retten? Im Moment sieht es nicht gut aus: In dem alten Gemäuer wütet der Hausschwamm, zudem hat der Eigentümer, die Harburger Traditionsfirma H.C. Hagemann, schon Mitte September einen Abrissantrag für das denkmalgeschützte Haus gestellt.
Über den Antrag hat das Bezirksamt noch nicht entschieden. Auch ein Beschluss der Harburger Politik hängt noch in der Luft. Demnach sollte das Bezirksamt gemeinsam mit dem Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) prüfen, ob die Stadt das Gebäudeensemble kaufen kann.
Der Wille, die Likörfabrik zu retten, ist da: Stadtplanerin Birgit Caumanns von der Geschichtswerkstatt Harburg hat eine Initiative gegründet und rund 300 Unterschriften zum Erhalt der Gebäude gesammelt. „Hier verfällt ein Kulturschatz“, sagt sie. „Da muss dringend etwas geschehen!“
Und Geerd Fischer, Nachbar der Hilke-Häuser und früher einer der Planer für die Entwicklung des Harburger Binnenhafens, soll eine Gruppe aus der alternativen Szene auf die Immobilie aufmerksam gemacht haben. Anfang 2019 legte daraufhin die Initiative „LI.FA – ein Hausprojekt für Harburg“ ein Konzept für ein „ gleichberechtigtes und selbstorganisiertes Leben mit kulturellen, politischen sowie sozialen und ökologischen Inhalten“ vor.
Eigentümer Arne Weber von H.C. Hagemann hat das alles aufmerksam verfolgt, aber er sagt: „Warum gehen diese Initiativen an die Öffentlichkeit? Sie könnten doch erstmal mit mir reden.“ Weber hatte früher große Pläne mit der alten Fabrik. Erst sollte dort ein Restaurant einziehen, später sollte das Projekt „Center of Green Technologies“ integriert werden. Im alten Gemäuer sollten unter anderem Tagungsräume und eine Kantine entstehen. Als es nicht gelang, dieses Projekt voll durchzufinanzieren, zerschlugen sich die Pläne. Die Fabrik rottete vor sich hin. Mehrere Beschlüsse zum Erhalt des Industriedenkmals blieben wirkungslos.
Jetzt hat H.C. Hagemann vor dem Haus einen Baucontainer aufstellen lassen. Angeblich um der Sicherungspflicht nachzukommen. Fußgänger und Radfahrer sollen nicht durch herabstürzende Gebäudeteile gefährdet werden.

„Wir hatten „Wir hatten nie anderes
als Abriss im Sinn“

Hilke Likörfabrik: Interview
mit HC Hagemann-Geschäftsführer Arne Weber

Am 19. Dezember 2001 hat Arne Weber die Likörfabrik am Karnapp gekauft. Ein erster Abrissantrag 2003 wurde nicht genehmigt, seit September 2019 liegt dem Bezirksamt ein neuer Abrissantrag vor. Das Wochenblatt sprach mit dem Geschäftsführer von HC Hagemann über die denkmalgeschützte Hilke Likörfabrik.
Herr Weber, warum haben Sie die Likörfabrik gekauft? Weil das Gebäude an den Channel Tower grenzt. Wir haben es als Vorrat gekauft und hatten nie etwas anderes als Abriss im Sinn.
Wie war damals der Zustand der Likörfabrik? Das war schon damals eine Ruine. Es gibt ein Gutachten von 1999, in dem der Gutachter bemerkt, so viel Schwamm auf einmal habe er noch nie gesehen.
Und wie ist der Zustand des Gebäudes heute? Das Gebäude ist einsturzgefährdet. Deswegen haben wir den Abrissantrag gestellt. Der wird gerade geprüft. Ich wäre bereit zu investieren, wenn eine Sanierung möglich und wirtschaftlich zumutbar ist.
Was wurde in den letzten Jahren für den Erhalt der Likörfabrik getan? Wir haben das Gebäude mit Planen abgedeckt, damit nicht weiter Wasser hineinläuft. Der Keller ist voll Wasser. Wir haben eine Sanierung nie verfolgt, weil es aus unserer Sicht technisch und wirtschaftlich nicht machbar ist.
Geht es Ihnen ausschließlich um Rendite? Nein, was erhaltenswert ist, erhalten wir – auch zu Lasten einer eventuellen Rendite. Wie bei der Eros-Bar oder dem Palmspeicher und jetzt dem Bornemannsehen Haus. Wir bauen nicht nur Bruttogeschossfläche, wir bauen auch Atmosphäre. Der Spannungsbogen zwischen erhaltenen und neuen Bauten ist im Binnenhafen großartig.
Gibt es schon Pläne, was auf dem Gelände nach einem möglichen Abriss der Likörfabrik entstehen soll? Nein, für eine Bebauung haben wir noch keine Pläne.

Kommentar Rainer-Maria Weiss (Direktor Archäologisches Museum Hamburg und Stadtmuseum Harburg, Mitglied im Vorstand Channel Hamburg) zum drohenden Abriss der Likörfabrik: „Die gesamte Harburger Altstadt jenseits der Bahntrasse erwacht seit einigen Jahren aus dem Dornröschenschlaf. Dabei macht die ganz besondere Mischung aus alt und neu den unverwechselbaren Reiz dieses Quartiers aus. Jeder einzelne Verlust eines historischen Gebäudes bringt dieses reizvolle Miteinander aus dem Gleichgewicht. Irgendwann wird man feststellen, dass die „kleine Hafencity“, wie der Binnenhafen gern genannt wird, plötzlich genauso gesichtslos ist wie jedes andere Neubauviertel. Und dann wird man gegensteuern mit historisierender Dekoration und dem Nachbau alter Gebäude.
Noch ist es nicht zu spät, noch lohnt der Kampf um jedes Stück Harburger Geschichte, damit Harburgs Keimzelle ihren erst jüngst wiederentdeckten Charme nicht gänzlich verliert.“

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