Neben dem Harburger Mercedes-Benz Werk soll ein Logistikzentrum entstehen, das durch einen Investor errichtet und dann von Mercedes angemietet wird. Foto: daimler.com
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Geplantes Mercedes-Logistikzentrum in Bostelbek: Was darf der
Umwelt zugemutet werden, um Arbeitsplätze zu sichern?

Olaf Zimmermann, Hamburg-Süd. Mercedes setzt auf Elektro-Pkw. Im 1935 gegründeten Werk in Bostelbek sollen deshalb vermehrt Teile für Elektroautos entstehen. Um die dafür benötigten Rohstoffe stets zur Verfügung zu haben, ist unmittelbar neben dem Werk ein neues Logistikzentrum mit Gleisanschluss geplant. „Damit wird maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts und zur Sicherung der damit verbundenen Arbeitsplätze beigetragen“, sagt Mercedes-Sprecherin Bettina Buchholz. Im Mercedes-Werk Bostelbek sind aktuell rund 2.700 Mitarbeiter beschäftigt.
Die für die Werkserweiterung vorgesehene Fläche ist rund 21 Hektar groß, liegt nordwestlich des Werksgeländes zwischen den Gleisen der Hafenbahn, dem Fürstenmoordamm und der A7. Die rot-grüne Koalition in Harburg will den Bau des Logistikzentrums durch einen maßgeschneiderten Bebauungsplan (Heimfeld 54) ermöglichen.

Hier leben streng geschützte Tier- und Pflanzenarten

Das Logistikzentrum soll in einem ökologisch höchst wertvollen Niedermoor entstehen. Moore speichern mehr Kohlendioxid als jedes andere Ökosystem. „Wer Klimaschutz ernst meint, kann nicht auch noch die letzten Moorflächen Hamburgs opfern“, sagt Manfred Braasch, Landesgeschäftsführer des BUND Hamburg.
„Die gesamte Fläche nordwestlich der Hafenbahn besteht aus gesetzlich geschützten Biotopen wie Sümpfe und Sumpf- und Bruchwälder – bis auf eine kleine Fläche an der Bahn“, so Braasch.
Auf der neunteiligen Skala, die den Wert eines Biotops „festlegt“, bekommt das vorgesehene Gelände acht Punkte – der Biotopwert ist sehr hoch. Hier leben streng geschützte Tier- und Pflanzenarten.
Fazit von Manfred Braasch: „Der BUND lehnt den Eingriff ab. Da es sich bei der Fläche um ein Moor handelt, verbietet sich aus unserer Sicht jede weitere Planung.“
Was meint die Umweltbehörde? „Da aus unserer Sicht noch viele Fragen offen sind, lässt sich aktuell nichts Definitives zum Fortgang des Planverfahrens sagen“, teilt Behördensprecher Björn Marzahn auf Anfrage mit.

Zustimmung nur  unter Auflagen

SPD und Grüne in Harburg haben dem Bau des Logistikzentrums unter Auflagen zugestimmt: Die Ausgleichsflächen müssen vollständig in Harburg umgesetzt werden. Mercedes muss für die Kosten des Kaufes und der Pflege dieser Flächen aufkommen.
Der Bau des Logistikzentrums muss klimaneutral erfolgen, der Lkw-Verkehr umweltfreundlicher abgewickelt werden. Werksmitarbeiter sollen nicht nur mit dem eigenen Auto, sondern auch mit Bahn und Bus nach Bostelbek kommen können. Deswegen wird die Einrichtung einer S-Bahn Station Bostelbek geprüft.
„Jede Maßnahme, die wir in Harburg beschließen muss so klimafreundlich wie möglich sein. Dieser Verantwortung werden wir mit diesem ausgewogenen Beschluss gerecht.“ sind sich Britta Herrmann (Grüne) und Frank Richter (SPD) einig.

Ausgleichsmaßnahmen nur holprig umgesetzt

Geeignete Flächen, um den massiven Eingriff in die Bostelbeker Natur auszugleichen, sollen in den Naturschutzgebieten Moorgürtel (Süderelbmarsch) und Neuländer Moorwiesen oder südlich des Neuländer Baggersees gefunden werden.
Die Umsetzung solcher Ausgleichsmaßnahmen verlief in der Vergangenheit sehr holprig. „Die Flächen im NSG Moorgürtel haben eine Aufwertung über Vernässung teilweise dringend nötig. Das steht seit Jahren aber schon im entsprechenden Pflege- und Entwicklungsplan und wurde in der Vereinbarung zur A26 West auch nochmal als vordringlich umzusetzen hervorgehoben – es passiert aber nichts“, sagt Manfred Braasch (Bund). „Wichtig wäre, dass Flächen im NSG Moorgürtel aufgekauft werden.“
Zu den Flächen südlich des Neuländer Baggersees: Für den B-Plan Heimfeld 48 (Mercedes Werk, aus 2010) liegen hier zwei Ausgleichsflächen. „Man hat dort eine Pumpe installiert, die jedoch seit Jahren nicht mehr funktioniert, die Ausgleichsflächen sind zu trocken“, so der BUND-Geschäftsführer. „Fachlich ist also noch nicht einmal die moorvernässende Ausgleichsmaßnahme für Heimfeld 48 umgesetzt.“
Eine Stellungnahme des Bezirksamts lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

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